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Digitalisierung gegen den Verfall

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Von: Markus Wienken

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Ein Mann sitzt am Schreibtisch. Vor ihm liegen Dokumente.
Sammeln und ordnen: Kreisarchivar Dr. Florian Dierks weiß, wo was zu finden ist. © Wienken

Kreisarchivar Dr. Florian Dierks hat sich einiges vorgenommen. Nicht nur alte Fotos und Dias vom Brückenbau im Jahr 1931 möchte er digitalisieren, sondern weitere historische Fotos aus dem Kreisgebiet, die er vor dem weiteren Verfall bewahren und für nachkommende Generationen verfügbar halten will.

Verden – Was in Verden und umzu passiert, Dr. Florian Dierks hat einen Blick dafür. Der Kreisarchivar bewahrt das, was der Nachwelt wichtig sein könnte. Aber nicht nur die Gegenwart, auch die Vergangenheit lässt ihn nicht ruhen. Kleine und große Schätze liegen in seinem Fundus, die er für die Öffentlichkeit ans Licht holen möchte. „Wir sind dabei, Fotos und ganze Serien von Dias, zu digitalisieren, um sie dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, erklärt Dierks.

Fotoalben zeigen historische Bilder aus dem Landkreis Verden

Ein Fotoalbum, aus der Zeit gefallen, weil es sie in dieser Form kaum noch gibt. Der Blick auf den abgegriffen Einband, eine Jahreszahl, handschriftlich eingetragen. Dazu ein Titel, der über den Inhalt und darüber aufklärt, warum das Buch so aussieht: „Bau der Nordbrücke, Verden 1931.“ Damit hat das Dokument über 90 Jahre auf dem Buckel und dürfte von Interesse sein. Schließlich wird an der Stelle gerade wieder gebaut. Also zugegriffen. Der Kreisarchivar bremst den journalistischen Elan allerdings umgehend aus, weist auf zwei säuberliche nebeneinander geparkte weiße Baumwollhandschuhe. „Ein Paar für Sie, ein Paar für mich“, so die höfliche, aber bestimmte Anweisung. Nicht, weil der Gast schmutzige Hände hat, sondern weil schon leichte Spuren von Körperflüssigkeiten und Staub auf Dauer weiteren Schaden an dem Original anrichten können. Leuchtet ein, denn nicht nur das Buch, auch der Inhalt sind halt in die Jahre gekommen. Die Seiten hier und da eingerissen, das Pergament zum Schutze der Bilder hauchdünn, knochentrocken und brüchig, die Fotos vergilbt. Also mit Vorsicht und Handschuhen durchgeblättert.

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine Baustelle an einem Gewässer.
Blick aus Richtungen Verden auf die Baustelle der Nordbrücke Anfang der 1930er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. © Sammlung kreisarchiv verden

Eindrucksvolle Bilder, die den Bau der gigantischen Brücke in den 1930er-Jahren dokumentieren. Berge von Sand die, auch das beschreibt den immensen Aufwand, auf der Schiene und mit Loren bis zur Baustelle an der Aller gefahren wurden. „Das war zu der Zeit nicht anders machbar und so üblich“, erklärt Dierks. Seite für Seite wird die mühsame Handarbeit auf der Baustelle belegt. Zu beiden Seiten des Flusses, sowohl in Klein Hutbergen als auch im Bereich des Nordertors, graben sich die Männer in die Erde, legen Verschalungen für Beton an und treiben Stahl in den Grund der Allerwiesen. „Die Bilder sind beeindruckende Belege dafür, wie damals gearbeitet wurde“, so der Archivar.

„Fotos vergilben, die Farben der Dias lösen sich auf

Zeitgeschichtliche Dokumente, darunter die Foto-Serie der Nordbrücke, daran lässt Florian Dierks keinen Zweifel, sollen der Nachwelt erhalten bleiben. „Es ist eine Schenkung, die in den Besitz des Landkreises Verden übergegangen ist“, so Dierks. Ein Geschenk unter vielen, das Pflege braucht. Dierks weiß auch schon wie: „Sämtliche Bilder, ob Positive, Negative oder Dias, werden digitalisiert.“ Die Notwendigkeit ist unbestritten. Schon jetzt droht der Verfall. „Fotos vergilben, die Farben der Dias lösen sich auf.“

Ein Güterzug steht auf Bahngleisen. Männer laden ab.
Bahngleise wurden bis auf den Brückendamm verlegt, um Material anzuliefern. © -

Eine Herkules-Aufgabe, dagegen anzukommen, denn der Kreisarchivar hat in seinen Magazinen einen schier unerschöpflichen Fundus. Noch ein Beispiel: Der umfangreichen Nachlass von Fritz Garvens. Der Philologe und Heimatforscher aus Riede hat nach seinem Tod im Jahr 2020 dem Archiv zahlreiche Dokumente und circa 20 000 Dias hinterlassen. Auch da gilt: „Alles soll digitalisiert und dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, so Dierks.

Die Liste der Schenkungen und Hinterlassenschaften ließe sich beliebig fortsetzen, darunter das Foto-Erbe der ehemaligen Verdener Landräte Max Seifert (1890 bis 1924) und Adolf Varain (1924 bis 1932). „Beide wurden bei ihren Abschieden von der Verwaltung mit umfangreichen Bild-Bänden beschenkt, die eindrucksvoll die Veränderungen in Verden und umzu belegen“, so Dierks.

Bilder brauchen ein Schlagwort

Bevor digitalisiert wird, muss strukturiert, besser noch portioniert werden. „Fotos müssen geordnet, Dias in Kassetten verpackt und dann an die zuständige Firma verschickt werden“, so Dierks. Portioniert deshalb, weil der Archivar die Übersicht behalten muss. Jede Serie, im Zweifel einzelne Bilder, brauchen ein Schlagwort. „Nur so kann, wer später im Internet recherchiert, die Quelle finden, die er sucht“, erklärt Dierks.

Teile einer Brücke schweben in der Luft.
Modernstes Gerät kam vor 90 Jahren beim Bau der Brücke zum Einsatz. © -

Die Arbeit wird dem Archivar nicht ausgehen, liegt ihm noch ein weiteres Projekt auf dem Herzen: „Die Digitalisierung der Medien der Kreisbildstelle. Auch das wird eine anspruchsvolle Aufgabe, die Geld kostet.“

Ohne Handschuhe geht nichts

Ein zeitliches Fenster, ab wann der User sich durch die Medienlandschaft des Kreisarchivs klicken kann, mag Dierks nicht nennen. „Wir arbeiten dran.“ Und bis dahin: „Alle Anfragen, die kommen, müssen händisch erledigt werden“, so Dierks. Auch persönlich darf – nach Rücksprache und mit Termin – in einem eigenen Raum Platz genommen werden. Aber nach klaren Regeln: Die Handschuhe, das steht fest, dürften noch länger in Gebrauch bleiben.

Info

Das Kreisarchiv hat seinen Sitz beim Landkreis Verden, Lindhooper Straße 67, und ist unter www.landkreis-verden.de/kultur-tourismus/kreisarchiv/archivbibliothek/ im Internet zu finden. Telefonnummer 04231/15-200 oder -208, E-Mail an kreisarchiv@landkreis-verden.de.

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