Neujahrsgespräch des Überbetrieblichen Verbunds

Digitalisierung am Arbeitsplatz: Zukunft hat längst begonnen

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Wolfgang Reichelt, Präsident des Unternehmensverbands Rotenburg Verden, Kerstin Wendt, Anke Böse, Vorsitzende des Vereins Frauenunternehmen, Axel Schulte, Jasmin Arbabian-Vogel, Anita Freitag-Meyer, stellvertretende Vorsitzende des ÜVB und Peter Bohlmann (v. l.).

Landkreis - Digitalisierte Arbeitswelten und flexibilisierte Arbeitszeiten – Fluch oder Segen? Um dieses brandaktuelle Thema ging es am Montag beim 14. Neujahrsgespräch, zu dem Überbetrieblicher Verbund (ÜBV) und Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft Landkreis Verden ins Deutsche Pferdemuseum eingeladen hatten. Die Referentin des Abends, Jasmin Arbabian-Vogel, Geschäftsführerin des Interkulturellen Sozialdiensts in Hannover, erkennt Chancen in der neuen Technik, aber auch Aufgaben für die Gesellschaft.

Als Vertretung für die erkrankte ÜBV-Geschäftsführerin Ulrike Helberg-Manke begrüßte Kerstin Wendt, Leiterin der Wirtschaftsförderung des Landkreises, die Gäste. In Grußworten griffen Landrat Peter Bohlmann und der ÜBV-Vorsitzende, Axel Schulte, das Thema auf. Bohlmann erwartete flexiblere Arbeitszeiten als Chance für attraktive Arbeitsplätze und Axel Schulte sprach von der Notwendigkeit neuer Zeitmodelle als Reaktion auf unterschiedlichen Arbeitsanfall. Zudem werde die Digitalisierung völlig neue Fragen für die Rechtsprechung und den Datenschutz aufwerfen.

Jasmin Arbabian-Vogel, Tochter einer Deutschen und eines Iraners, gründete 1996 einen interkulturellen Sozialdienst und beschäftigt heute 150 Frauen und Männer aus 20 Nationen. Sie zeigte zunächst auf, wie die Digitalisierung Einzug in den Pflegebereich gefunden hat. Während zu Beginn noch Stechuhr, Tourenplan und Dokumentationsmappen an der Tagesordnung gewesen seien, sehe der Berufsalltag heute ganz anders aus. 

„Digitalisierung bedeutet eine enorme Arbeitserleichterung und bietet ganz neue Möglichkeiten. Die Mitarbeiter müssen kaum noch ins Büro.“ Durch MDA-Smartphones hätten sie jederzeit und überall Zugriff auf alle relevanten Daten. „Papierkram gibt es kaum noch“, berichtete die Referentin. Selbst die Dokumentation könne per Handy erledigt werden. Die Flexibilität sei größer, aber auch die Verantwortung der Mitarbeiter. „Das ist nicht jedermanns Sache“, hat Arbabian-Vogel erfahren.

Sorgen macht der Niedriglohnsektor

Die neue Technik ermögliche zudem eine ständige Überwachung der Mitarbeiter. Das erfordere von den Betrieben hohe Sensibilität. „Was verbinden wir eigentlich mit dem Begriff Digitalisierung?“, fragte Arabian-Vogel. Viele würden ihn in der Zukunft verorten. Die Annahme, die Digitalisierung werde die Welt verändern, verbänden sie eher mit diffusen Vorstellungen. „Die Zukunft hat schon längst begonnen“, machte die Referentin deutlich. „Die Arbeit wird nicht weniger, sondern anders, Innovationsintervalle werden immer kürzer“, so Arabian-Vogel.

Zunehmend seien vor allem hochspezialisierte Arbeitskräfte gefragt. Sorgen mache ihr daher der Niedriglohnsektor, zum Beispiel die so genannte „Frauenarbeit“ in den Pflegeberufen. „Diese Arbeit wird dringend benötigt, hat aber keinen hohen Stellenwert. Wir müssen uns diesem Sektor starker widmen“, forderte die Unternehmerin.

Da die Digitalisierung die Ortsgebundenheit aufhebe, erwachse die Möglichkeit, Familie, Privates und Beruf besser zu vereinen. „Das kann Kreativitätspotentiale freisetzen.“ Allerdings müsse man auch die negative Seite wahrnehmen. So würden die Stammbelegschaften kleiner, Mitarbeiter würden häufig projektbezogen eingestellt. „Wie sieht es mit der sozialen Absicherung hochspezialisierter Freelancer aus?“, fragte die Referentin. Ein weiterer Nachteil sei, dass die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben weiter verschwimmen. „Das erfordert Arbeitsdisziplin, man muss sich abgrenzen können“, weiß Arabian-Vogel.

Auch die Mitarbeiter würden sich verändern, Geld verliere an Bedeutung. „Das ist eine neue Herausforderung für Unternehmen. Der Stellenwert sinnhafter Arbeit wächst.“ Die Aufgabe sei daher, Jobs zum Beispiel in der Pflege, Erziehung oder Reinigung attraktiver zu machen. Die Referentin schlug vor, Berufe nach Wertigkeit für die Gesellschaft zu besteuern. „Welche Gesellschaft wollen wir sein? Ich finde, darüber diskutieren wir zu wenig“, meinte Arbabian-Vogel. - ahk

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