Exponat im Domherrenhaus

Kreisarchäologie kann Fund aus Achim datieren: „Diese Runen sind ein Knaller“

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Was es mit dem Fund von Hobbyarchäologe Rainer Pöttker (Mi.) auf sich hat, hat Dr. Jutta Precht im neuen Jahrbuch beschrieben, das Kreisarchivar Dr. Florian Dirks hält.

Verden/Achim – Ein Punktkreis, ein Schachbrettmuster und eine Rune, eine liegende Sanduhr darstellend, lassen die Herzen von Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht, Hobbyarchäologe Rainer Pöttker und Runologe Dr. Sigmund Oehrl höherschlagen. Zeichen und Rune sind auf ein vom Domherrenhaus verwahrtes Tongefäß geritzt, das Rainer Pöttker aus Achim bereits vor vier Jahrzehnten bei einer archäologischen Begehung unweit seines Wohnortes in Scherben gefunden hat.

Wie der Finder beim Pressegespräch in der Kreisarchäologie schilderte, sei der Fund stark fragmentiert gewesen. Die Scherben seien dann restauriert und mithilfe von Gips wieder zu einem Gefäß zusammengesetzt worden. Doch erst Jahrzehnte später, als die Zeichnerin Andrea Boneff das Fundstück skizzieren wollte, hat diese die Runen entdeckt. So konnte das Artefakt sicher auf die Zeit um das vierte bis fünfte Jahrhundert datiert werden.

„Diese Runen sind ein Knaller“, so Precht. Erst nach umfangreichen Untersuchungen sei Oehrl zu dem Schluss gekommen, dass es sich auf dem Gefäß um eine echte, von einem Meister verfasste Schrift handele. „Diese Inschriften kommen auf  Tongefäßen äußerst selten vor. Bislang sind nur in Schleswig-Holstein und in Schweden je ein Exemplar bekannt“, so Precht. Ohnehin seien in Niedersachsen bislang nur sechs Funde mit echten Runen dokumentiert, sodass diese Entdeckung wahrlich als spektakulär zu bezeichnen sei.

Die Zeichen auf der Schale wurden erst entdeckt, als der Fund gezeichnet wurde.

Doch zurück zu den Anfängen des Fundes, der die Kreisarchäologin und ihre Mitstreiter so lange in Atem gehalten hat. „Wir waren lange Zeit auf einer völlig falschen Spur“, erzählen Precht und Pöttker. Denn neben den Scherben und einem Henkel hatte das Mitglied der Urgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft Verden auch verbrannte Knochen auf dem Acker entdeckt. Da die Funde auf einer relativ kleinen Fläche verteilt waren und der Rand des Henkelgefäßes nach oben gezeigt habe, nahm Pöttker an, dass er es mit einer von einem Pflug zerdrückten Urne mit Leichenbrand und ihrer ebenfalls zerstörten Deckschale zu tun hat.

Vermutungen, die sich allerdings nach weiteren Untersuchungen von Knochen und Scherben nicht bestätigten: Das Henkelgefäß war keine Urne, die Deckschale eine herkömmliche Schale und der vermeintliche Leichenbrand Rinderknochen, die mit dem Mist auf den Acker gekommen war.

Darüber hinaus war nicht sicher, ob die Scherben auf eine unter der Ackerschicht liegende Fundstelle hinweisen. Precht: „Es deutet vielmehr alles darauf hin, dass es sich um umgelagertes Material von einer anderen Fundstelle handelt, die vermutlich an der Grenze zum benachbarten Uphusen liegt und die man bereits vor Jahrzehnten angefahren hatte.“

Bedauerlich findet Precht, dass weder Nutzung noch Inschrift der aufgezählten Funde, die eindeutig die Existenz einer eigenen altsächsischen Runentradition belegen, gedeutet werden können. Der Wert des Gefäßes sei es, dass mit ihm ein weiterer der seltenen Vertreter der altsächsischen Runentradition vorliege und er zugleich Beleg für eine mögliche altsächsische Runenprovinz im heutigen Niedersachsen sei.

Und was geschieht nun mit dem Gefäß? „Es geht wieder zurück ins Domherrenhaus“, sagte Precht. Damit verbunden sei die Hoffnung, dass die Schale zukünftig in einer Vitrine im Eingangsbereich des Museums einen ihrer Bedeutung angemessenen, repräsentativen Platz findet.

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