Colin Farmer besucht Verden / Als Journalist für die Britische Armee gearbeitet

„Diese Reise wollte ich unbedingt noch machen“

Mitten unter alten Freunden: Colin Farmer (hinten, 2.v.r.) genießt seinen Besuch in Verden und das Treffen mit seinen Landsleuten. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Ungefähr alle fünf bis sechs Wochen treffen sich ehemalige britische Soldaten aus Verden und Umgebung mit ihren Frauen zum „British Breakfast Club“, um gemeinsam zu frühstücken und manchmal auch an alte Zeiten zu denken. Nun konnten die Briten mit Colin Farmer einen seltenen Gast in ihrer Runde begrüßen. Der heute 79-jährige Journalist lebt in der Schweiz. Anfang der 60er-Jahre war er als Informationsoffizier bei der Britischen Armee angestellt. Dieser Besuch in Verden war erst der zweite in einem Zeitraum von über 50 Jahren.

„Schon mit 14 wusste ich, dass ich Journalist werden wollte“, erzählt der gebürtige Londoner. Als 16-Jähriger arbeitete er für zwei Pfund in der Woche bei einer Lokalzeitung. „Das war ein super Training“, schmunzelt Farmer. Nach Beendigung seines Wehrdienstes bekam er von der Army die Offerte, als ziviler Informationsoffizier in Deutschland zu arbeiten. Ein Angebot, dass ihm gerade recht kam, da er schon immer auf dem Kontinent leben wollte. „Es war eine wunderbare Zeit, ich musste keine Uniform tragen, hatte aber den Status eines Offiziers“, erinnert sich Farmer.

In Deutschland habe er sich sehr wohl gefühlt. „Ich hatte gute deutsche Freunde.“ Gewohnt habe er zwar in der Kaserne am Brunnenweg, von Verden habe er aber trotzdem nicht allzu viel zu sehen bekommen, erzählt er weiter. „Ich habe die Pressearbeit für die Army gemacht. In den Zeiten des kalten Krieges war ich immer viel unterwegs, ich habe praktisch ein James Bond-Leben geführt.“ Wie Bond war auch er dem schönen Geschlecht nicht abgeneigt. „Ich war damals Junggeselle und es war die Zeit der Miniröcke, mehr sage ich dazu nicht“, meinte er augenzwinkernd.

Trotz des interessanten Lebens lehnte er ein weiteres Angebot der Army, nach Borneo zu gehen, nach reiflicher Überlegung ab. Stattdessen ging er in die Schweiz, arbeitete dort 24 Jahre als Journalist für das Schweizer Radio International (SRI). In der Schweiz lernte er auch seine Frau kennen, nicht zuletzt deshalb fühlt er sich heute mehr als Schweizer, denn als Engländer.

Zu Gast im „British Breakfast Club“

Nach seiner Zeit beim SRI machte sich Colin Farmer selbstständig, war als Freelancer hauptsächlich für die Tourismusbranche aktiv. Noch heute arbeitet er als Übersetzer für Deutsch, Englisch und Französisch, übersetzt auch Websites für große Hotels. „Verden an der Aller habe ich nie vergessen, diese Reise wollte ich unbedingt noch einmal machen“, betont Farmer.

Besonders freute er sich auch über das Wiedersehen mit seiner damaligen Sekretärin Hildegard Pinne. „Wir sind immer in Kontakt geblieben“, versichert er. Oft habe sie seine Fotos in der Dunkelkammer entwickelt, ihn aber auch zu offiziellen Anlässen begleitet. Nach Colin Farmers Abschied von der Army blieb Hildegard Pinne eine Institution in Verden. Sie war 29 Jahre lang im britischen Verbindungsbüro am Johanniswall tätig, pflegte die deutsch-britischen Kontakte „Dort habe ich zweisprachig gearbeitet. Ich glaube, es gab keine Frage, die mir nicht gestellt wurde“, erzählt sie. „Frag mal Hildegard, die weiß alles“, habe es immer geheißen.

Der Pflege der deutsch-britischen Freundschaft diente auch der Verdener Anglo-German Club. Klaus-Dieter Weise war in den 60er-Jahren zweimal Chairman. „Ich habe noch Kontakt zu vielen Zeitzeugen von damals, auch zu pensionierten Generälen“, berichtet Weise. Er hat viele Zeitungsartikel aus der damaligen Zeit gesammelt. „Leider habe ich auch den Abschied der 1st Armoured Division aus Verden im Mai 1993 miterlebt“, sagt er und zeigt, dass sogar die englische Zeitung Sixth Sense über das Ereignis berichtete.

Noch heute hängt in Weises Esszimmer eine Sammlung von 54 Regimentsschildern. „Das ist die größte Privatsammlung Deutschlands“, erklärt er. - ahk

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