Inzidenz zu hoch

Die Zahlen passen nicht: Verden wird keine Modellkommune

Wo sonst Stühle und Tische draußen stehen, herrscht gähnenden Leere. Nur ein paar Palmen grenzen die Terasse ab.
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Stühle und Tische bleiben vorerst eingemottet. In Verden stimmen die Inzidenzahlen noch nicht, um Modellkommune werden zu können. Damit sind weitere Öffnungsschritte vorerst vom Tisch.

Verden rechnet sich kaum noch Chancen aus, an einem Modellprojekt teilnehmen zu können, dass die Öffnung von Geschäften und Gastronomie unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Der Grund: Die Inzidenzzahl ist zu hoch. Weil die Stadt Achim in jüngster Zeit weniger Corona-Fälle hatte, bekam sie den Zuschlag.

Verden – Nicht Verden ist für ein Modellprojekt mit Möglichkeiten zu weiteren Öffnungen ausgesucht worden, sondern Achim. Ein wahrscheinlicher Grund: Zum Zeitpunkt der Bewerbung war der Inzidenzwert in Verden zu hoch, vor allem aber höher als in Achim. So erklären sich die Verantwortlichen im Rathaus, das Nachsehen gehabt zu haben, während sich die Nachbarstadt in diesen Tagen auf die Öffnung von Läden und Außengastronomie vorbereitet.

Verwunderung über Corona-Entscheidungen

Verden hofft derweil, dass die Inzidenzahlen sinken, um überhaupt noch eine Chance auf Beteiligung am Modellversuch zu haben. Philipp Rohlfing vom Ordnungsamt will Anfang nächster Woche entscheiden, ob der Verbleib in der Bewerberliste überhaupt noch Sinn macht. Enttäuschung in der Stadtverwaltung ist zu spüren, aber auch bei den Inhabern von Geschäften und Cafés.

Harald Nienaber, Vorsitzender der Kaufmannschaft, rechnet auch nicht damit, bei der zweiten Bewerberrunde noch hineinrutschen zu können. „Wir hätten uns trotz der vielen Voraussetzungen natürlich gefreut. Immerhin wäre es eine Perspektive gewesen.“ Er wundert sich im Augenblick über Entscheidungen, egal, ob sie in Berlin oder in den Bundesländern getroffen werden und versucht, sich Begriffe wie „Brücken-Lockdown“ zu erklären. Wie es inzwischen den Geschäftsinhabern geht, darüber kann er keine Angaben machen. „Bei mir meldet sich niemand, um sich zu beklagen. Aber viele Geschäfte haben ja auch geöffnet, um über eine Terminvergabe Kunden zu bedienen.“

„Es dauert alles zu lange.“

Geschäfte dürfen ihre Türen einen Spalt weit öffnen, Cafés und Restaurants aber überhaupt nicht. Sibylle Jackl, die ihr Café Erasmie in Verden durch Außer-Haus-Verkauf mehr schlecht als recht über Wasser hält, hätte ein Modellprojekt für Verden sehr gut gefunden. „Mit erlaubter Außengastronomie würde sich der Aufwand wieder lohnen.“ Außerdem zögen geöffnete Cafés und Restaurants Leute in die Stadt. „Stattdessen sind alle genervt, auch die Kunden.“ Das spüre man jeden Tag. Umso mehr ärgert die Geschäftsfrau die Impfpolitik in Deutschland und die Schwerfälligkeit. „Es dauert alles zu lange.“ Überbrückungshilfen vom Staat seien ja gut und schön. „Aber das Geld muss doch auch wieder reinkommen.“

Genervt vom Papierkram

Carmen Witte vom gleichnamigen Kinderparadies findet weitere Öffnungen in der jetzigen Situation eine schlechte Idee. „Wir haben eine zu hohe Inzidenz.“ Bei der Zahl Hundert müsse man die Notbremse ziehen. „Wir waren ja vor Kurzem noch bei 60 oder darunter.“ Grundsätzlich wäre es hervorragend gewesen an diesem Modellversuch teilzunehmen, aber die Voraussetzungen dafür müssten auch stimmen. In ihrem Geschäft dürfen sich fünf Kunden gleichzeitig aufhalten. Damit deren Gesundheit nicht gefährdet ist, lässt sich Carmen Witte ebenso wie ihre Mitarbeiterinnen regelmäßig testen. Und um untereinander das Risiko einer Ansteckung zu senken, gibt es eine A- und eine B-Mannschaft, die abwechselnd im Geschäft beraten und bedienen. „Und wir treffen uns mit niemandem, um zur Eindämmung der Pandemie beizutragen.“ Genervt ist sie vom vielen Papierkram, der erledigt werden muss. „Mit einer Luca-App wäre manches einfacher.“ Sie macht sich Sorgen um die Familien, zu denen sie berufsbedingt viel Kontakt hat. „Merkel und Co. haben doch keine Ahnung, was da derzeit abgeht und welche Sorgen sich Eltern um die Zukunft ihrer Kinder machen und welche Existenzsorgen sie haben.“

Wer in die zweite Runde aufgenommen wird, um doch noch am Modellprojekt teilnehmen zu können, wird übrigens bis zum 17. April entschieden.

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