Anita Augspurg: Arbeitskreis setzt sich für mehr Präsenz ein

Die unbekannte Berühmtheit

Mehr Präsenz für Anita Augspurg will der Arbeitskreis bewirken.
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Mehr Präsenz für Anita Augspurg will der Arbeitskreis bewirken.

Verden – Sie ist eine der ganz wichtigen Töchter der Stadt Verden und dennoch fast unbekannt: Anita Augspurg. Ein Arbeitskreis von Frauen rund um die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Verden, Dr. Kathrin Packham, will das ändern und sich für die Werte der Pazifistin und Frauenrechtlerin einsetzen. Als der Arbeitskreis sich und sein Anliegen im Kulturausschuss des Stadtrats vorstellte, war der Beifall aus den Fraktionen groß.

Kathrin Woltert ist wie Anita Augspurg Juristin. Bevor sie nach ihrer Ausbildung nach Verden kam, um ihre Stelle im Kreishaus anzutreten, hatte sie noch nie etwas von der Pionierin gehört. Mittlerweile hat sie sich mit dem Werdegang und dem Leben der unbekannten Berühmtheit befasst und kann kaum glauben, dass deren Präsenz in der Stadt immer noch zu wünschen übrig lässt. So erklärte Woltert dem Ausschuss ihre ehrenamtliche Mitarbeit in dem Arbeitskreis.

„Treffen sind alle vier bis acht Wochen“, berichtete Kathrin Packham den Ausschussmitgliedern. Die Frauen arbeiteten ehrenamtlich mit und kämen aus den verschiedensten Berufsgruppen. „Wir wollen die Werte im Geiste von Anita Augspurg vermitteln“, erklärte sie. Es gehe um Augspurgs Rolle als Gründerin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit im Jahre 1915. Seitdem hat die Liga große Bedeutung erlangt. Immerhin hat sie heute einen Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

Gemeinsam mit der Liga verleiht die Stadt Verden den Anita-Augspurg-Preis an heutige „Rebellinnen gegen den Krieg“. Nach drei Preisvergaben in Folge habe die Frauenliga jetzt um einen Rhythmus von zwei Jahren gebeten, berichtete Packham. Die Stadt München vergibt schon seit 1994, immer am internationalen Frauentag, einen Anita-Augspurg-Preis zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen.

Pazifismus, Demokratie und Gleichberechtigung der Geschlechter seien mit dem Namen der kämpferischen Frau verbunden, die als Anita Theodora Johanna Sophie Augspurg am 22. September 1857 in Verden zur Welt kam. Diese Werte versuche der Arbeitskreis mittlerweile auch in Schulprojekten zu vermitteln, etwa in einem Jugendtheaterstück. „Eine spannende Idee wäre, Anita Augspurg im Dialog mit heutigen Feministinnen zu zeigen“, gab Packham ein Beispiel. Auch könnte sich der Arbeitskreis vorstellen, dass ihr etwa im Syndikatshof ein Denkmal errichtet wird.

Mittlerweile sei der lockere Arbeitskreis dabei, sich als Verein eine feste Form zu geben. „Die Mustersatzung ist beschlossen und geprüft“, berichtete Kathrin Woltert. Mit der Eintragung ins Vereinsregister rechnete sie im ersten Quartal 2021.

Jedenfalls müsse Augspurg in Verden mehr Präsenz erhalten, forderte auch Stadtführerin Karin Köster. Sie arbeite auch in dem Arbeitskreis mit, weil sie vermisst, dass junge Mädchen sich über die Kämpfe und Errungenschaften der Frauenbewegung bewusst seien. „Sie braucht bundesweite Beachtung“, wünschte sie sich. Als Stadtführerin habe sie Augspurg bereits zum Thema von Rundgängen zu Orten in Verden gemacht, die mit ihr verbunden sind. Und als erster der niedersächsischen FrauenOrte habe Augspurg schon seit Jahren Interessierte an die Aller gelockt.

Regelrecht begeistert nahm Jürgen Weidemann (FDP) die Präsentation des Arbeitskreises auf. Er erinnerte sich noch gut an die Diskussionen vor einem Vierteljahrhundert, als es mehr als sechs Jahre Debatte im Stadtrat benötigte, bis der ehemalige Von-Einem-Platz nach Anita Augspurg umbenannt wurde. Die Verdener Pazifistin symbolisiere für ihn viel mehr ein Deutschland, wie er es sich wünscht, als der Militarist und Nationalist, dessen Namen der Platz zuvor getragen hatte. „Die Stadt sollte dem Verein beitreten“, empfahl Weidemann.

Von Ronald Klee

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