Karriere per Job-Sharing: Bahn setzt auf moderne Arbeitszeitmodelle

„Die Stärken von zwei zum Preis von einem“

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Frauen voraus: Das gilt nicht nur für leitende Mitarbeiterinnen wie Katja Veenhuis und Carola Thöle (v.l.), sondern auch für Weser-Ems-Busfahrerin Corina Arndt.

Verden - Kind? Karriere? Oder ist doch beides unter einen Hut zu bekommen? Ja, meinen Carola Thöle und Katja Veenhuis. Die Frauen, beide zweifache Mütter, leiten das Fahrgastmarketing der DB Regio Bus Nord und sind für sechs Busgesellschaften in Bremen, Hamburg , Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig. In Teilzeit. Job-Sharing heißt das Zauberwort.

Die eine ging für ein Jahr in die Elternzeit, die andere kehrte nach der Familienpause zurück in den Beruf: Katja Veenhuis trat den Job der Marketingassistentin zunächst als Vertretung für Carola Thöle an. Als diese wiederkam, konnte Veenhuis bleiben. Seitdem teilen sich die Frauen die Stelle und kletterten die Karriereleiter vor drei Jahren gemeinsam hinauf, als ihnen die Deutsche Bahn (DB) die Leitung des Marketingbereichs mit vier Mitarbeitern antrug.

Ziel der Deutschen Bahn ist es, in den nächsten Jahren zu den zehn Top-Arbeitgebern in Deutschland zu gehören (siehe Infokasten). Dazu will das Unternehmen den Anteil weiblicher Mitarbeiter auch in Führungspositionen deutlich erhöhen: durch die individuelle Gestaltung von Arbeitszeiten, die Möglichkeit, per Delegation von Aufgaben oder eben über das Job-Sharing.

„Ein Supermodell“, schwärmen Carola Thöle und Katja Veenhuis, „wir wollen es nie wieder anders haben.“ Dabei starteten sie zunächst mit leisem Zähneknirschen. Denn war bis dato jede für jeden Bereich zuständig gewesen, sollten die Frauen die Aufgaben nun unter sich aufteilen. Dieses Prinzip habe sich aber bewährt, räumen sie freimütig ein. Und „wir haben trotzdem noch gemeinsame Themen“, fügt Carola Thöle hinzu. Das erleichtere auch das gegenseitige Vertreten.

Die 41-Jährige steigt in Verden in den Zug, um nach Bremen zu pendeln. Dort, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs, befindet sich das Büro der DB Regio Bus Nord.

Obwohl ihre Schreibtische vis-à-vis stehen, bleibt den Frauen in der Regel nur einmal pro Woche Zeit für den intensiven persönlichen Austausch. Zuständig für Busgesellschaften in vier Bundesländern, sind die Marketing-Expertinnen viel unterwegs. Zudem haben die Frauen flexible Arbeitszeiten. Disziplin und eine gründliche Organisation sind daher unabdingbar. „Aber so kann ich dann auch mal nachmittags bei meinem Sohn am Fußballplatz stehen“, freut sich Katja Veenhuis.

Das Job-Sharing erlaube nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, betont die 46-Jährige. Es helfe, eine gesunde Balance zu halten zwischen der Arbeit und dem Privatleben, den Hobbys und persönlichen Interessen. Wann sie ihre Aufgaben erledige, sei im Grunde ja egal – „die Hauptsache ist, sie werden erledigt“.

Für diese Freiheit sind Carola Thöle und Katja Veenhuis dankbar. „Toll, dass unser Arbeitgeber das macht“, sagen sie, wohl wissend, dass das Modell der DB Vorteile bringt, auch jenseits des Images eines zukunftsorientierten Arbeitgebers: „Wir brennen für unseren Beruf “, sagt Veenhuis lächelnd. So erhalte das Unternehmen die Stärken von zwei zum Preis von einem.

kp

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