Die nette Toilette reicht nicht

Bis zum Allerpark kann der Weg lang sein. Abends gibt es aber in der Innenstadt keine Alternative.
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Bis zum Allerpark kann der Weg lang sein. Abends gibt es aber in der Innenstadt keine Alternative.

Der Lockdown in den ersten Wochen der Corona-Pandemie hat viele kleine und große Probleme offen gelegt. Manche hatte bis dahin keiner erwartet. Das gilt auch für das Angebot öffentlich zugänglicher Toiletten. Wer sich mit Rollator oder Rollstuhl zu einem Einkauf in die Innenstadt aufmacht, hat aber besser Plan B bereit, wenn der Körper sich mit einem Bedürfnis meldet.

Verden – Die „Nette Toilette“ ist eine Erfolgsgeschichte, die seit vielen Jahren mit viel Charme ein Stück Willkommenskultur in Verden sichtbar werden lässt. Außerdem erspart sie der Stadtverwaltung, in der Altstadt nach Standorten für öffentliche WCs zu suchen. Geschlossene Läden, Cafés, Restaurants und Kneipen haben das Angebot während des Lockdowns aber fast komplett verschwinden lassen. Und wer dann in der Stadt nicht gut zu Fuß war, musste ziemlich frühzeitig planen, damit die Zeit für den Weg bis zum Örtchen am Allerpark noch reicht.

„Ich bin der Meinung, dass das Konzept überarbeitet werden sollte“, regt der Verdener Behindertenbeauftragte Lars Schmidtke an. „Der Lockdown hat gezeigt, dass es nicht funktioniert.“ Zumindest für Leute, die auf eine behindertengerechte Toilette angewiesen sind.

Der Stadt wäre lieber, dass die netten Toiletten barrierefrei sind. „Das macht sie auch deutlich, wenn sie die Verträge mit den Gastronomen und Geschäftsinhabern zur Teilnahme schließt“, berichtet Fachbereichsleiterin Birgit Koröde. Aber eine behindertengerechte Gestaltung sei nicht Bestandteil der Vereinbarung. 16 Stationen stehen rund um Rathaus und Dom zur Verfügung, wenn es mal nötig ist. Und immerhin acht, davon die Gelegenheiten am Domplatz, am Allerpark und im Rathaus als städtische, sind auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Allerdings, und das gilt über Corona hinaus, wenn die Natur nach 19 Uhr ihr Recht einfordert, bleibt nur der lange Weg zur Bodega oder zum Rodizio am Bahnhof, wenn dort nicht gerade Ruhetag ist.

Lars Schmidtke ist selbst im Rolli unterwegs und weiß von den Problemen, die man bekommen kann, wenn man gemütlich im Café sitzt. Er ist nicht der erste, der auf das Problem hinweist. Schon seine Vorgänger haben das gemacht: Einer von ihnen, Rolf Pieper, hatte das 2016 in seinen Rechenschaftsbericht aufgenommen und mehr tages- und öffnungszeitenunabhängige behindertengerechte Anlagen in der Innenstadt gefordert.

Die Bemühungen im Rathaus, über das Konzept „Nette Toilette“ mit den Vertragspartnern ein breites Angebot zu organisieren sind nicht zu übersehen. Mit einem Topf von 11 700 Euro schaffen es Astrid Schirwing und ihre Kollegen, das Angebot so zu gestalten, dass auch dann ein Örtchen zur Hand ist, wenn das Restaurant oder Café nicht geöffnet ist. „80 Euro zahlt die Stadt monatlich an die Wirte oder Ladenbetreiber“, berichtet sie. Manche würden auch ohne die Prämie mitmachen. Ein Flyer der Stadt listet sie auf und zeigt, wo man sie findet. So finden auch Besucher der Stadt schnell Abhilfe, wenn sie ein menschliches Bedürfnis ereilt.

Allerdings ist der Topf im Stadtsäckel gedeckelt. Verträge erhalten nur soviele Interessenten, wie der Topf ergibt. Deshalb gebe es sogar eine Warteliste, berichtet Schirwing. Zieht sich ein Partner zurück, sucht sie mit ihren Kollegen aus der Liste einen Ersatz, der mit seinen Öffnungszeiten und seinem Standort passt. „Ein Gasthaus am Nordertor kann kein Restaurant am Dom ersetzen“, erklärt sie anschaulich.

Der Aufwand zeigt die Ernsthaftigkeit des Angebots, aber Lars Schmidtke meint, dass es angepasst werden müsste: „Der Lockdown hat gezeigt, dass es nicht funktioniert. Wie auch meine Vorgänger bin ich der Meinung dass es eine öffentliche Toilette in der Fußgängerzone geben muss.“

Der Flyer zur netten Toilette

ist in der Touristinformation erhältlich und im Internet unter https://www.verden.de/tourismus/service/-nette-toilette-/ zu finden.

Von Ronald Klee

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