Der Euro ist jetzt schon 20 Jahre alt

Die D-Mark taucht auch in Verden immer wieder auf

Der Euro feiert Geburtstag. 20 Jahre ist er schon gültiges Zahlungsmittel. Die 2002 abgelöste D-Mark taucht aber immer wieder auf. Eintauschen kann man sie wie damals.

Funde entdecken Angehörige oft auf dem Dachboden oder in Möbeln.

Landkreis – Jetzt ist er schon 20 Jahre alt. Der Euro ist seit dem 1. Januar 2002 offizielles Zahlungsmittel. Und der Vorläufer, die D-Mark, treibt sich immer noch in vielen Sparstrümpfen, Geldkassetten und sicher auch Safes herum. 12,38 Milliarden Euro sollen es sein, hat die Bundesbank noch zur Jahresmitte berichtet. Auch in den Verdener Banken tauchen immer mal wieder alte D-Mark-Bestände auf, wie viel aber noch unter irgendwelchen Matratzen oder in Geldschränken herumliegt, wagt niemand zu schätzen. Nicht mal die Eingänge beobachten die Kreditinstitute, aber die Bundesbank alles im Blick.

Ein Glückspfennig dümpelt seit Jahren im Portemonnaie herum. Nicht irgendeiner von den zu D-Mark-Zeiten geprägten Münzen. „Es muss schon einer mit dem ,G’ sein“, hat mal jemand erklärt. Das mit dem Reichtum, den den die Kupferscheibe verheißen sollte, hat zwar nie geklappt, aber egal, es schadet nicht und viel Platz nimmt der Pfennig ja auch nicht weg. Auch ohne Aberglauben wird das leicht angelaufene Stück also noch in der Börse bleiben. Eher aus Gewohnheit. Die etwas hergeholte Erklärung für die glücksbringenden Eigenschaften, dass er in Glück-stadt geprägt worden sein soll, hat sich nach kurzer Suche als falsch erwiesen. Das „G“ weise auf die Staatliche Münze Karlsruhe hin. Heute übrigens ebenso wie damals schon.

Der Umrechnungskurs von damals gilt noch

Für den Glückspfennig zur Bundesbank zu gehen, um ihn umzutauschen, wird sich auch nicht lohnen. Es müssten schon zwei sein, um dafür einen Nachfolger, einen Glücks-Cent, zu erhalten. Wie vor 20 Jahren gilt auch heute noch der Umrechnungskurs 1 Euro = 1,95583 D-Mark. Die Milliarden von D-Mark in den Sparstrümpfen allerdings ergeben immer noch ein ordentliches Sümmchen.

Ob es die Banknoten und Münzen von damals noch gibt und wo sie sind, weiß keiner so genau. Bei den örtlichen Banken jedenfalls gibt es keine Hinweise oder Anhaltspunkte zu Beständen. Woher sollten die Daten auch kommen? „Immer mal wieder taucht jemand auf, der bare D-Mark eintauschen will, aber solche Transaktionen werden nicht beobachtet“, erklärte Dr. Beate Patolla für die Unternehmenskommunikation der Kreissparkasse. Viel sei es aber nicht. Die Sparkasse sei mittlerweile das einzige Kreditinstitut, das immer noch den Wechselservice für seine Kunden bietet. Sie übernimmt es, damit zum Umtausch zur Bundesbank zu gehen, allerdings verlangt sie dafür auch die Gebühr von 7,50 Euro.

Corona hat die Umtauschzahlen gesenkt

Kirsten Dauelsberg von der Volksbank Niedersachsen Mitte macht denn auch gleich deutlich, dass der eigentliche Ansprechpartner für einen solchen „Devisen-Tausch“ die Bundesbank ist. Die aber hat noch einiges mit der D-Mark zu tun. „Corona dämpft, doch auch 2021 gab es noch gut 20 Tauschvorgänge pro Tag“, kann Fabian Gieseke von der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt berichten. Auch im Bereich der Hauptverwaltung in den nördlicheren Ländern sei, soweit es die Corona-Umstände zuließen, weiter getauscht worden. Alle fünf Filialen zusammen hätten im bisherigen Jahresverlauf 2021 immerhin 5 000 Tauschvorgänge verbucht, kann Gieseke berichten. Dabei seien insgesamt knapp 4 Millionen D-Mark in Euro umgetauscht worden.

Gegenüber der Vor-Corona-Zeit, so Gieseke, habe sich der DM-Euro-Umtausch aber sehr verringert (auf nur zwei Fünftel). So recht vergleichbar seien die Jahre aber nicht. Pandemiebedingt seien die Kleinkundenkassen der Bundesbank Anfang des Jahres monatelang gar nicht und im Anschluss teilweise nur nach Anmeldung zu reduzierten Öffnungszeiten zugänglich gewesen. „Bei wieder uneingeschränktem Zugang nach Abklingen der Pandemie ist temporär eine Nachholbewegung zu erwarten.“

Der DM-Schatz wird oft beim Frühjahrsputz entdeckt

Die Ursachen für DM-Restfunde sind nach Giesekes Erkenntnissen vielfältig: „Frühjahrsputze“, Aussortieren alter Kleidung, Auslandsbesucher mit DM-Resten und dergleichen listet der Bundesbank-Vertreter auf. „Hinter Funden größerer Beträge stehen vielfach Entrümpelungen/Aufräumarbeiten bei Wohnungswechsel oder nach Todesfällen von Angehörigen.“ Ähnliche Darstellungen hatte auch Beate Patolla aus den Filialen der Kreissparkasse erhalten.

Für alle diese Fälle gilt der Umrechnungskurs auch nach 20 Jahren noch: Einen Euro tauscht die Bundesbank für 1,95583 D-Mark ein, unwiderruflich. „Es gibt derzeit keine Pläne, nach welchen diese Möglichkeit in Zukunft nicht mehr angeboten werden soll“, macht die Bundesbank auch auf ihrer Homepage deutlich.

Ein Anteil wird verrottet sein

Die Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland verzeichnet solche DM-Eingänge natürlich. Und weil sie weiß, dass im Jahr 2000 die Umlaufmenge des Bargeldes noch 244,8 Milliarden D-Mark betragen hat, rechnet sie die Rückläufe aus zwei Jahrzehnten zusammen und kann vermelden, dass noch DM-Banknoten im Nennwert von 5,77 Milliarden DM und Münzen im Wert von 6,61 Milliarden DM da draußen irgendwo schlummern. Das seien etwa 5,1 Prozent der damaligen Umlaufmenge. Ob dabei berücksichtigt wurde, wie viel Zigarren mit brennenden Hunderter-Scheinen angezündet wurden, wie viel richtige Fuffziger für den Konsum verbotener Substanzen aufgerollt wurden oder einfach nur unter der feuchten Matratze ihrer Besitzer verschimmelt sind, ist nicht bekannt. Aber die Bundesbank erwartet einen verloren gegangenen Anteil.

54 Jahre hatte die D-Mark auf dem Buckel, als sie 2002 vom Euro sie abgelöst wurde. So lange war das letztlich auch nicht, wenn man das mal mit den zwei Jahrzehnten der „neuen Währung“ vergleicht.

Von Ronald Klee

DM-Schätze tauchen immer wieder auf. Die Kreissparkasse bietet noch den Wechselservice.

Rubriklistenbild: © Imago-Images

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde

Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde

Halterin aus Morsum ärgert sich über freilaufende Hunde
Abriss schafft Platz für Wohnungen

Abriss schafft Platz für Wohnungen

Abriss schafft Platz für Wohnungen
An der Autobahn 27: Ein Blechpfeil und bei Rot über die Ampel

An der Autobahn 27: Ein Blechpfeil und bei Rot über die Ampel

An der Autobahn 27: Ein Blechpfeil und bei Rot über die Ampel
Fastfoodketten planen Mehrwegsysteme

Fastfoodketten planen Mehrwegsysteme

Fastfoodketten planen Mehrwegsysteme

Kommentare