Untersuchung vorgestellt

Innenstadt-Studie: Verden ringt um junge Besucher

Blick auf den Lugenstein und den Domplatz in Verden
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Viel Platz für nichts, außer den Freitags-Wochenmarkt: der Lugenstein. Ins Gespräch gebracht wurde eine Öffnung, ein Café zum Beispiel.

Vier Jahre nach der ersten Studie machten sich Mitarbeiter des Kölner Instituts für Handelsforschung ein weiteres Mal auf nach Verden. Im Spätsommer 2020 befragten sie Besucher erneut nach der Qualität der Innenstadt. Und siehe da: Verden hat aufgeholt und bessere Noten erhalten. Dennoch bleibt noch reichlich Luft nach oben, wie die Vorstellung der Studie jetzt belegte.

Verden – Sie kauften zwar online ein, verstärkt sogar online, sagten Verden-Besucher bei der Studie „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung Köln, aber sie wurden dennoch in der Fußgängerzone der Allerstadt angetroffen. Sie seien zum Einkaufsbummel unterwegs, erklärten sie und lösten verstörte Blicke aus, normalerweise suchten sie auch die Gastronomie auf, das nächste Café zum Beispiel, sie hätten sich mit Freunden verabredet.

Und schon war es da, das unklare Bild vom Verden-Besucher. Und damit der Wandel, dem Innenstädte heutigen Zuschnitts erlegen sind. „Der Einzelhandel ist wichtig“, fasste Bürgermeister Lutz Brockmann die Lage zusammen, „aber Einzelhandel allein reicht in der Zukunft nicht.“

Immerhin gut vier Dutzend Interessierte, unter anderem aus Handel, Gastronomie und Dienstleistung waren online der Einladung des Stadtmarketings zur Vorstellung der Studie gefolgt. Erstaunliche Daten präsentierte Angelika Revermann aus dem Fachbereich Stadtentwicklung. Verden in fast allen Punkten besser als der Durchschnitt der Städte, in einigen Punkten wie berichtet sogar deutlich besser. Zudem hat die Allerstadt im Vergleich mit der ersten Innenstadt-Expertise im Jahr 2016 noch einmal spürbar zugelegt.

Bessere Noten für die Infrakstruktur

Schulnoten konnten die Besucher bei der Umfrage Ende September vergeben. Bei den Parkmöglichkeiten kletterte Verden innerhalb von vier Jahren von einer 2,9 auf eine 1,9 hoch, beim Freizeit- und Kulturangebot von 3,1 auf 2,5, beim allgemeinen Ambiente, beim Flair, bei der Atmosphäre von 2,5 auf 2,0. Alles Werte, mit denen die Stadt von der Allermündung im Städteranking ziemlich weit vorn liegt. Bestnoten und weitere Steigerungen heimsten zudem die Erreichbarkeit mit Bus und Bahn, Attraktivität sowie Plätze, Wege, Grünflächen und Verweilmöglichkeiten ein.

Alles gut also? Verden auf dem richtigen Weg? Nicht ganz. Es war ein Jammern auf hohem Niveau, aber einige Schwachpunkte traten ans Tageslicht. Kleinteiliges und Generelles. Warum nutze man Plätze wie den Lugenstein nicht durchgängig, fragte etwa Dehoga-Vorsitzender Gördt Glander. Hier könne sich außerhalb des Markttages ein Café ausbreiten. Wie sei es mit der Sauberkeit bestellt? Meistens wirke die Stadt picobello aufgeräumt, befand eine Anliegerin, zuweilen flattere der Müll aber nur so durch die Anlagen. Und warum werde die Verden-App nicht endlich zu einer Plattform auch für den lokalen Handel ausgebaut, monierten weitere Gesprächsteilnehmer.

Der Innenstadt-Besucher, das unbekannte Wesen: Unter der Woche sind die Beweggründe zum Besuch der Fußgängerzone andere als beispielsweise am Samstag. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Vitale Innenstädte“. Dunkelblau markiert sind die Ergebnisse aus der Stadt Verden, hellblau der Durchschnitt der Städte von 25 000 bis 50 000 Einwohner. Quelle und Grafik: Stadt Verden
Der Innenstadt-Besucher, das unbekannte Wesen: Unter der Woche sind die Beweggründe zum Besuch der Fußgängerzone andere als beispielsweise am Samstag. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Vitale Innenstädte“. Dunkelblau markiert sind die Ergebnisse aus der Stadt Verden, hellblau der Durchschnitt der Städte von 25 000 bis 50 000 Einwohner.

Und irgendwann flimmerte der heikelste unter allen Punkten über die Bildschirme in die Wohnstuben der Online-Teilnehmer. Was ist eigentlich mit nachwachsenden Generationen? Die Besucher der Innenstädte, auch das trat in der Studie zutage, sie werden immer älter. Beim Punkt „Lebendigkeit“ behauptete sich Verden im Städteranking zwar noch ganz gut, aber mit der Note 2,5 zog es die Durchschnittszensur nach unten. Zudem sind, wie Online-Teilnehmer feststellten, junge Warenangebote, die zwischenzeitlich zu finden waren, weitgehend verschwunden.

Nähe zu Bremen Fluch und Segen zugleich

Immerhin, ein wenig hob sich der Nebel über diesem Phänomen. Der gebürtige Verdener Fin Begemann hatte mit seinen 25 Jahren den Altersdurchschnitt der Online-Teilnehmer nach unten korrigiert. Stadtplanung studiere er gegenwärtig in Karlsruhe. Er zeichnete folgendes Bild von der Allerstadt: „Verden kann sich nicht beklagen. Die Stadt hat Kneipen, sie hat sogar zwei Shisha-Bars, was sehr gern angenommen wird. Eigentlich verfügt die Stadt über ein sehr gutes Angebot. Allerdings ist die Nähe zu Bremen Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil in Bremen natürlich das Angebot in allen Bereichen größer ausfällt, dann kann man auch gleich dorthin fahren, und Segen, weil Bremen schnell zu erreichen ist. Man kann in Verden wohnen bleiben und muss nicht direkt in die Großstadt ziehen.“ Eines zeige Bremen allerdings sehr deutlich, so Begemann: „Die Leute wollen am Fluss sitzen.“ Verden hole mit dem Allerpark ein wenig auf, sei im Vergleich mit anderen Städten gleicher Größe sogar gut aufgestellt, aber Bremen eben besser.

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