1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

25 Jahre Jazz und Blues in Verden - dank ein paar Verrückter

Erstellt:

Von: Katrin Preuß

Kommentare

Einer der ersten Vorstände des Vereins Verdener Jazz- und Blues-Tage: Volkmar Koy (v.l.), Werner Bittkowski, Klaus Czwallina, Michael Spöring, Wilhelm Krikcziokat, Wolfgang Krützfeld, Matthias Witte und Günther Glander. Das
Einer der ersten Vorstände des Vereins Verdener Jazz- und Blues-Tage: Volkmar Koy (v.l.), Werner Bittkowski, Klaus Czwallina, Michael Spöring, Wilhelm Krikcziokat, Wolfgang Krützfeld, Matthias Witte und Günther Glander. Das © entstand bei einer Vereinssitzung im März 2004. Foto: Niemann

Das neue Jahr ist ein Jubiläumsjahr für die Verdener Jazz- und Blues-Tage. Denn im Oktober 1998 fand die erste Kneipennacht statt.

Verden – Was als Idee unter musikbegeisterten Freunden am Kneipentisch begann, ist inzwischen eine Institution, eine feste Größe, die Jahr für Jahr nicht nur die Allerstädter begeistert, sondern die gesamte Region: der Verein Verdener Jazz- und Blues-Tage. 2023 feiert er sein 25-jähriges Bestehen. Höchste Zeit also für Rückschau und Ausblicke. Als erster kommt der Vorsitzende und Mitbegründer Volkmar Koy zu Wort.

Der spielt zwar selber kein einziges Instrument, wurde aber schon als Teenager mit dem Musik-Virus infiziert und ist seitdem Fan durch und durch.

Auf den Chor am Domgymnasium habe er keine Lust gehabt, gibt der heute 68-Jährige schmunzelnd zu. Als er sich aber mit 16 gemeinsam mit seinem besten Kumpel den Weg in den Sendesaal von Radio Bremen erschleichen und dort Aufnahmen der britischen Band Caravan für den Beat-Club verfolgen durfte, war es um ihn geschehen. „Das Live-Erlebnis, das man auf Tonträgern nicht hat, egal, wer es ist“, das treibt Koy bis heute um – und an.

Aus 25 Jahren gibt es reichlich Gesprächsstoff, verknüpft auch mit der einen oder anderen Überraschung. Denn wer kann sich wirklich noch daran erinnern, dass es vor dem Verein bereits eine GbR gab. Und dass es zunächst einfach nur vier verrückte Musik-Enthusiasten – neben Volkmar Koy noch Günther Glander, Klaus Oppermann und Bernd Löbl – gab, die die erste Verdener Kneipennacht organisierten.

Inspiriert von der Düsseldorfer „Jazz Rally“

Den Anstoß dazu hatte Glander gegeben. Mehrfach hatten er und seine – jazzbegeisterte – Ehefrau Anolda die „Jazz Rally“ in Düsseldorf besucht, eine dreitägige Veranstaltung mit Spielstätten unter freiem Himmel, in Lokalen,Clubs, Sälen, Kirchen und öffentlichen Gebäuden. „Vollkommen euphorisch“, so Koy, habe Günther Glander davon berichtet und dann gefordert: „Das müssen wir hier auch machen.“

Zuschauer vor einem Lokal, von außen guckt ein Mädchen durch das Fenster.
Wenn das Lokal zu voll ist, weiß sich das Publikum sich eben anders zu helfen. © Niemann

Dass es ein entsprechend interessiertes Publikum in Verden und umzu gibt, hatte die Kreissparkasse bereits bewiesen mit ihren Konzerten in der Alten Reithalle. Wo jetzt am Holzmarkt das E-Center steht, sorgten in den 90er-Jahren zum Beispiel Papa Bue’s Viking Jazzband aus Dänemark und Jazzpianist Monty Alexander für ausverkaufte Ränge.

Dennoch setzte das Quartett mit seinem Vorhaben zunächst einmal alles auf eine Karte. „Wir haben auf eigene Verantwortung die Verdener Jazz- und Blues-Tage veranstaltet“, so Glander.

Mit ihrer Idee allerdings rannten die Männer bei Wirten wie Gerhard „Schindi“ Schindowski vom Essighaus offene Türen ein. „Die hatten alle Bock“, sagt Koy über die damalige Gastro-Szene. Und das musikbegeisterte Ehepaar Glander musste ohnehin niemand darum bitten, das Hotel Höltje für ein Konzert zu öffnen. Dort hatte schon der Verdener Pianist Henning Pertiet gemeinsam mit seinem Onkel Gottfried Böttger den Boogie Woogie gespielt.

Bei der Premiere schon Musik in elf Kneipen

Und so konnte am 10. Oktober 1998 die erste Verdener Kneipennacht starten. „Ein richtiger Brummer“, fasst Koy den Erfolg von damals zusammen. „In elf Kneipen Musik“, sagt Günther Glander.

Bis heute, so berichtet Volkmar Koy, laufe die beliebte Kneipen-Veranstaltung aber nach bewährtem Prinzip ab: Der Verein engagiert die Bands, die Gastronomie beteiligt sich an den jeweiligen Gagen, alles weitere wird über die Eintrittspreise geregelt.

Die Kreissparkasse sei den vier Neu-Organisatoren zunächst ein wenig gram gewesen, erinnert sich der Verdener Hotelier, „weil wir ihr die Butter vom Brot genommen haben“. Schließlich hatte ja das Geldinstitut die ersten Jazz- und Blues-Konzerte auf die Beine gestellt. Die kleinen Differenzen konnten jedoch schnell beigelegt und die Sparkassen-Stiftung sogar als verlässliche Sponsorin gewonnen werden.

Keine Lust auf Vereinsarbeit

Die vier Verdener Initiatoren hatten aber zunächst keine Lust auf Vereinsarbeit. Keiner sollte ihnen reinreden können, bestätigen Koy und Glander. Außerdem wären für eine Vereinsgründung ja noch drei weitere Interessierte nötig gewesen. Also so schlossen sich Glander, Koy, Löbl und Oppermann im April 1999 zunächst zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, einer GbR zusammen.

Eine Band mit Gitarre, Schlagzeug und Contrabass, dazu eine Sängerin.
Musiker, die alles geben, wie das Ulrich Rasch Quartett und Sängerin Romy Camerun hier in der Domschänke, gehören zur Kneipennacht dazu. © Niemann

Als solche ließen sie noch im selben Jahr Henning Pertiet und die Boogie-Jungs auftreten, holten die traditionsreiche niederländische Swing College Band nach Verden. Für das Jahr darauf, für den Oktober, engagierten sie Bill Ramsey und Inga Rumpf, für den November dann The Chicago Gospel Singers.

Alsbald sollte sich die von den Organisatoren gewählte Rechtsform der GbR aber als problematisch herausstellen. Denn die ist im rechtlichen Sinne eine Firma und als solche konnten sie keine Zuschüsse beantragen. Aber die Männer hatten Blut geleckt, wollten mehr Konzerte veranstalten, für ein größeres Publikum.

Und so wollten sie noch größere Namen nach Verden holen. Das wäre ohne Unterstützung nicht gegangen. „Also haben wir 2001 schweren Herzens gesagt: Dann werden wir als Verein weitermachen“, erklärt Volkmar Koy.

Zu dem Gründer-Quartett gesellten sich alsbald weitere Mitstreiter. „Noch so ein paar Verrückte“, sagt Volkmar Koy lächelnd und nennt Namen: Reinhard Stelter, selber ein Musiker, dazu Werner Bittkowski und Klaus Czwalinna, der schnell der Vereinsexperte für die Technik wurde. Auch Wolfgang Krützfeld, Joachim Hutzel, Michael Spöring und Dieter Rater gesellten sich dazu. Gemeinsam schrieben sie die nächsten Kapitel der Erfolgsgeschichte des Vereins. Und geht es nach Volkmar Koy, ist diese Geschichte noch lange nicht zuende erzählt.

An der Fortsetzung für 2023 wird schon kräftig formuliert. Der Vorverkauf für die ersten Konzerte im Jubiläumsjahr hat begonnen. So ist es dem Verein gelungen, für das Eröffnungskonzert zu den Jazz- und Blues-Tagen am Freitag, 22. September, den US-amerikanischen Sänger und Saxofonisten Curtis Stigers zu engagieren. Und an Tag eins des Domplatz-Festivals, Freitag, 18. August, machen „Frontm3n“ auf ihrer Summer Acoustic Tour in Verden Station.

In der nächsten Folge: Große Namen und kleine Anekdoten am Rande

Kartenvorverkauf für Frontm3n

Peter Howarth, Mick Wilson und Pete Lincoln sind: FRONTM3N! Bekannt wurden die drei Engländer als Sänger der Hollies, 10cc, Sweet oder Sailor. Allesamt Bands, die es bis in die höchsten Pop- und Rocksphären schafften. Am Freitag, 18. August, sind sie auf ihrer Summer Acoustic Tour auf dem Domplatz in Verden Gast des Vereins Verdener Jazz- und Blues-Tage.

Peter Howarth, Mick Wilson und Pete Lincoln gemeinsam auf einer Bühne. Das ist Magie und Spielfreude pur... ein Hautnah-Konzert mit Hits die jeder kennt und jeder liebt, neu und auf frische akustische Art interpretiert. Jeder Song mit seiner eigenen Geschichte aus der musikalischen Reise der drei Musiker.

Howarth ist aktuell Sänger von The Hollies, Lincoln war 13 Jahre Leadsänger bei Sweet und Wilson lieh 20 Jahre lang seine Stimme 10cc. Gemeinsam agiert das Trio seit gut sieben Jahren als Frontm3n und vereint die Stile ihrer jeweiligen Bands zu besonderer akustischer Raffinesse. Drei Gitarren und drei Stimmen – „zusammen klingt das wie zwei Stunden mit einer dieser Radiostationen aus den Goldenen Zeiten“, heißt es in der Tour-Info. Die Sommer-Akustik-Tour werde ein „Unplugged“ – Konzert der Extraklasse bieten.

Tickets sind erhältlich über Nordwest-Ticket und Eventim bei allen Vorverkaufsstellen. Freie Sitzplatzwahl.

Ein Frontm3n-Konzert war ursprünglich mal für die Stadthalle Verden geplant, musste aber wegen Corona mehrfach verlegt und schließlich aufgrund der Terminlage der Musiker ganz abgesagt werden. Jetzt kommen sie und wollen am 18. August um 19 Uhr loslegen. Wie der Verein mitteilt, sind Tickets für das alte Konzert nicht weiterhin gültig. Sie können noch zurück gegeben werden, und zwar an den Vorverkaufsstellen, an denen sie gekauft wurden. Für das neue Konzert müssen neue Tickets etwa in den Geschäftsstellen der Kreiszeitung erworben werden.

Auch interessant

Kommentare