„Die Familien sind am Ende ihrer Kräfte“

Notbetreuung in Verden: Verfügbare Kita-Plätze komplett belegt

Corona bestimmt den Alltag aller: Auch in den Kitas ist es allgegenwärtig, in den strikten Regeln zur Gruppentrennung, Kontaktvermeidung zwischen den Erzieherinnen und festen Zeitplänen, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.  
Symbolbild: Imago
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Corona bestimmt den Alltag aller: Auch in den Kitas ist es allgegenwärtig, in den strikten Regeln zur Gruppentrennung, Kontaktvermeidung zwischen den Erzieherinnen und festen Zeitplänen, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Symbolbild: Imago

Verden – „Die Situation ist schwierig – und das nicht nur für uns, sondern auch besonders für die Eltern und Erziehungsberechtigten. Es wird immer deutlicher: Die Familien sind am Ende ihrer Kräfte angelangt.“ Dr. Christiane Morré, Ansprechpartnerin rund um die Kinderbetreuung bei der Stadt Verden, seufzt. „Von der Organisation bis zur Umsetzung hin, es ist alles ein Kraftakt.“ Seit Montag dieser Woche läuft eine Notbetreuung in sämtlichen Verdener Kitas bis voraussichtlich zum 31. Januar, dem vermeintlichen Ende des harten Lockdowns. Weiterhin bestehe die Regelung, dass, wer kann, sein Kind möglichst zu Hause betreuen soll.

„Die verfügbaren Plätze sind alle ausgelastet. In zwei Kitas gibt es sogar Wartelisten“, schildert Morré weiter. Wer einen Betreuungsplatz bekommt, ist genauestens vorgeschrieben. Auch wenn diese Regeln eine Weile auf sich warten ließen, sodass die Kindertagesstätten letztlich nur zwei Tage Zeit hatten, um sich auf das Szenario C einzustellen (wir berichteten). Zu den Kriterien gehöre unter anderem, ob der Erziehungsberechtigte in betriebsnotwendiger Stellung in einem Berufszweig von allgemeinem öffentlichem Interesse tätig ist, oder ob das Kind beispielsweise speziellen Unterstützungsbedarf benötigt. Die endgültige Entscheidung, wer einen Platz bekommt oder nicht, liegt aber bei der Kita-Leitung, so Morré.

„Den Eltern dann die Nachricht überbringen zu müssen, dass ihr Antrag nicht angenommen wurde, ist schwer“, erläutert Morré. Wer dachte, er könne vielleicht einen Betreuungsplatz in einer anderen Kita ergattern, hat außerdem weit gefehlt: „Das ist nicht erlaubt, selbst dann nicht, wenn noch ein Notfallplatz woanders als in der eigenen Kindertagesstätte frei sein sollte.“ Selbst die Gruppen untereinander dürfen sich nicht vermischen. „Auch die Erzieherinnen halten untereinander Abstand. Alles ist getrennt“, erläutert Morré den Alltag.

Mit der Notbetreuung selbst habe es soweit noch keine Schwierigkeiten gegeben. Allerdings gebe es Probleme mit dem Personal: Dadurch, dass die ohnehin wenigen Mitarbeiterinnen nun einer bestimmten Anzahl an Kindern fest zugeordnet sind, könne in einem Krankheitsfall niemand einspringen. „Der Fall ist bis jetzt zwar noch nicht eingetreten, aber bereitet mir schon Sorgen. Gerade Januar und Februar ist so eine Zeit, wo gerne mal die Grippe umgeht. Und sobald zwei Erzieherinnen ausfallen, kann die Betreuung einer Gruppe schon nicht mehr gewährleistet werden.“

Erzieherinnen tragen aus pädagogischen Gründen keine Maske

Hinzu komme noch, dass die Mitarbeiterinnen aus pädagogischen Gründen keine Masken tragen. „Das haben wir hier in Verden so entschieden“, erklärt Morré. Gerade bei Krippenkindern sei es wichtig, dass die einen Bezug über die Mimik zu ihrem Betreuer herstellen, sie lächeln und lachen sehen können. Und das geht eben nicht, beziehungsweise nur schwer, wenn das halbe Gesicht verdeckt ist.

Mitunter aus dem Grund, dass sich die Erzieherinnen dieser Regel so tolerant gegenüber verhalten, spricht Morré ein ganz großes Lob für sie und ihre Arbeit aus. „Sie sind wirklich alle Heldinnen des Alltags. Was sie jeden Tag aufs Neue leisten, für die Kinder sowie ihre Eltern, ist unglaublich.“

Trotzdem bleibe die Situation in den Kitas weiterhin angespannt: „Die Nerven lieben blank, gerade wegen der fehlenden Planungssicherheit.“ Nie wisse man, wie genau es weitergeht, wie lange der Lockdown wirklich dauert und was als Nächstes kommt. „Alles passiert immer sehr kurzfristig und dann muss alles ganz schnell gehen, damit das, was neu beschlossen wurde, überhaupt umgesetzt werden kann. Und bis die Regeln von Bundes- auf Landes- bis schließlich auf die Verdener Ebene heruntergebrochen wurden – das dauert“, kritisiert Morré abschließend.

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