Kfz-Meister Günter Kühn lassen die Kultautos auch im Ruhestand nicht los

Die Ente: 16 PS mit echtem Cabrio-Feeling

Ein älterer Herr sitzt in den Teilen eine alten Ente. Der Motor und der Rahmen sind zu sehen.
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Noch sieht sie zerrupft aus, doch schon bald wird aus dem 2 CV, Jahrgang 1986 wieder eine stolze Ente.

Verden – Wenn Günter Kühn, ehemaliger Firmeninhaber, Seniorchef und passionierter Oldtimer-Fan sich an sonnigen Tagen den Wind um die Nasen wehen lassen will, holt er einen seiner Oldtimer aus der Garage und fährt „oben ohne“ los. Die Fahrzeuge hat der Kfz-Meister alle liebevoll restauriert, denn der Eitzer mag auch als Ruheständler den Schraubenschlüssel nicht fallen lassen.

„Ich kann nicht den ganzen Tag lesen, mich im Garten beschäftigen oder mit dem Hund spazieren gehen“, schmunzelt Kühn. Auch aktuell steht wieder ein Restaurationsprojekt in seiner kleinen hauseigenen Werkstatt: ein knallgelber Citroen 2 CV, auch Döschewo oder Ente genannt.

Ente fahren verbindet

Im Juli 1990 ist der letzte Citroën 2CV in Portugal vom Band gelaufen und laut Wikipedia wurden von 1949 bis dahin 3 868 631 viertürige Limousinen und 1 246 335 Lieferwagen produziert. Und die Ente, wie sie zumeist liebevoll von ihren Besitzern und Anhängern genannt wird, hat längst Kultstatus erlangt. Magere 12 Kilowatt (16 PS) leistet das Entenherz und mehr als 100 Stundenkilometer sind damit nicht zu machen. Genug, wie Entenfreund Kühn findet, schließlich diene die Ente dem automobilen Fahrgenuss und nicht der Raserei. Und außerdem: „Ente-Fahren verbindet“. Treffen sich Enten-Piloten auf der Straße, wird gegrüßt. Die Finger zum Victory-Zeichen gespreizt, ein Kopfnicken, das ist heute selten, aber Ehrensache.

Eine Ente sei wie eine Zeitmaschine, meint Kühn. „Man nimmt darin Platz und schon fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt.“ Und was das Fahrgefühl bei offenem Dach angehe, sei es Cabrio-Feeling pur. Verständlich, dass Kühn dem besonderen Charme des Vehikels mit der unverkennbaren Form und Gestalt erlegen ist. Doch den passionierten Schrauber reizt auch die einfache Technik. „An der Ente ist so gut wie alles geschraubt. Sie ist einfach konstruiert, sodass man fast alle Reparaturen ohne technische Hilfsmittel ausführen kann“, erklärt der Kfz-Profi.

1971 hatte er seine ersten geschäftlichen Begegnungen mit der Ente. Damals hatte sich der junge Kfz-Meister mit einer Freien Werkstatt mit Tankstelle an der Tempelpforte in Verden selbstständig gemacht und dort auch Neufahrzeuge der Marke Citroen verkauft. „Die erste Ente habe ich an die Fleischerei Stern geliefert“, weiß er noch.

Ein Citroen C3 von 1925

Jahre später, der Betrieb war längst in die Straße Im Burgfeld umgezogen, hat Kühn dort zunächst zwei französische Scheunenfunde, einen Citroen C3 5 CV Baujahr 1925 und einen Citroen B2 (Baujahr 1920) aufwändig restauriert, ehe er sich vor 13 Jahren, inzwischen im Ruhestand, erstmals einem betagten 2 CV, einer schwarz-roten Charleston-Ente, zu neuem Glanz verholfen hat. Seitdem hat er noch weitere Enten aus dem Dornröschenschlaf erweckt und neben fachlichem Knowhow vor allem viel Arbeit und Zeit investiert.

Durchgerosteter Boden war die Regel

„Der 2 CV war nicht für die Ewigkeit gebaut“, meint er. Durchgerostete Böden und Rostschäden nach wenigen Jahren seien schon immer eher die Regel denn die Ausnahme gewesen. „Die Arbeitsstunden darf man daher nicht rechnen, aber sie lohnen sich“, resümiert Kühn mit stolzem Blick auf die vor seinem Haus geparkte 33 Jahre alte gelb-schwarze Charleston-Schönheit, die dort mit einem „Zu verkaufen-Schild“ auf Enten-Liebhaber wartet.

Um seine zukünftige Beschäftigung macht sich der 80-jährige Oldtimerfreund keine Sorgen: „Ich schraube so lange, wie ich Lust daran habe“, sagt er. An der Gelben gäbe es ja auch noch so einiges zu tun, bis sie wieder tipptopp sei, sagt er. Und: Er könne es eben nicht lassen.  nie

Gelegenheit für Entenfans: das Schmuckstück Baujahr 1988.
Die Sitzbank hat Kühn ebenfalls eng am Original orientiert komplett neu aufgearbeitet.
Mit den Oldtimern Citroen B2 und Citroen C3 5CV fährt Kühn auch Rallyes und weiß davon so manche Anekdote zu erzählen.

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