Mit ungewöhnlicher Technik / Ausstellung der Verdener Künstlerin bis Januar geöffnet

Gesichter von Belinda di Keck: Die Augen überall

Die Verdener Malerin und Bildhauerin Belinda di Keck hat den Kugelschreiber entdeckt. 50 Bilder mit ihrer neuen Technik stellt sie in einer Ausstellung vor.

Man fühlt sich beobachtet, und es soll so sein: Belinda di Keck in ihrer Ausstellung.

Vermutlich hat schon jeder einmal Papier mit dem Kuli bekritzelt und es mit Kringeln oder diversen Motiven gestaltet. Profis, wie die Verdener Malerin und Holzbildhauerin Belinda di Keck, haben daraus längst eine eigenständige Kunstform gemacht, durch die sich ihrem kreativen Schaffen völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat. Möglichkeiten, die sich dem Betrachter auch beim Besuch der Ausstellung eröffnen, wo sie die künstlerische Aussagekraft dieser scheinbar so banalen Technik präsentiert.

Mit Feder, Tusche und Aquarellfarben

Di Keck zeigt rund 50 Bilder, deren Grundmotiv zwar mit Kugelschreiber gezeichnet sind, die sie final jedoch zumeist noch mit Feder, Tusche und Aquarellfarben überarbeitet hat, sodass sie den Bogen zwischen Realismus, Fantasie und Surrealismus spannen.

Dass Belinda di Keck die ungewöhnliche Technik für sich entdeckt und nach eigenem Gusto perfektioniert hat, hat allerdings einen schmerzvollen Hintergrund: „Mein Vater lag im Sterben. Ein Kugelschreiber lag auf dem Bett, ich nahm ihn und habe zunächst kritzelnd, dann aber auch gezielt zeichnend meinen innerlichen Druck verarbeitet“, erzählt sie. So habe sie quasi ihren Schmerz weggemalt und zugleich die Vergänglichkeit menschlichen Daseins ausgedrückt. Seitdem, so sagt sie, sei sie fasziniert von dieser Technik, die ihr neben der Möglichkeit, zeichnend etwas auszusagen, vor allem großen Spaß bereite. „Der Kuli-Kunst habe ich mit ,Faces’ nach Jahren wieder eine sehr kreative Serie zu verdanken, und ein Ende meiner Begeisterung ist nicht in Sicht“, erzählt di Keck.

Die Technik, die die Künstlerin anwendet, besteht durch unentwegt wechselnden Druck der Malhand, sodass Schraffuren in feinsten Haarlinien bis hin zu tiefen Schattierungen entstehen. „Ich bin immer wieder aufs Neue elektrisiert, wenn ich mit dieser Technik arbeite. Der Kugelschreiber fliegt dann nur so über das Papier und Innehalten geht einfach gar nicht“, schmunzelt sie.

Überall Gesichter

Doch warum Gesichter, also Faces? „Weil ich insbesondere während meiner Ausbildung zur Holzbildhauerin viel mit Gesichtern gearbeitet und in den Monaten November bis Februar vor allem Masken geschnitzt habe.“ Di Keck betont weiter, dass hinter jedem Bild eine Persönlichkeit stehe. Dass die überwiegend in Aquarellfarben eingebetteten Gesichter aber unwillkürlich entstanden wären und dass sie in keinem der Entstehungsprozesse hätte vorhersagen können, welche Emotionen sich am Ende in dem Gesicht spiegeln werde. „Ich habe tatsächlich nicht gewusst, ob dieses Gesicht später lächeln oder vielleicht traurig oder staunend dreinblicken wird.“ Doch eine Eigenschaft verbindet sie alle: Sie berühren den Betrachter, lassen ihn staunend verweilen und fordern ihn geradezu heraus, sich emotional mit ihnen auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung „Faces“ ist bis Donnerstag, 6. Januar, immer donnerstags und freitags, von 13 bis 14.30 Uhr, geöffnet.

Alternative Terminabsprachen sind außerdem unter der Handynummer 0170-7831625 möglich.

Von Christel Niemann

Mit diesem Bild hat Belinda di Keck auch den Schmerz und die Trauer um den Verlust des Vaters verarbeitet.

Rubriklistenbild: © C.Niemann

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