Corona-Impfkampagne: Flut von Biontech und Co. bis Ostern erwartet

Die Arztpraxen steigen ein

Eine Ärztin verabreicht einer Fraue eine Spritze.
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Auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sollen demnächst in die Impfkampagne einbezogen werden.

Landkreis – Nach dem schleppenden Beginn der Impfkampagne gegen das Coronavirus droht jetzt eher ein Impfstau. War anfangs der Mangel an Impfstoff der Grund für den holprigen Start, so könnte bis Ostern der Überfluss zum Problem werden. Nicht zuletzt deshalb arbeiten Bundes- und Landesebene derzeit verstärkt daran, die Hausarztpraxen mit in die Impfstrategie einzubeziehen.

  • Die Kassenärztliche Vereinigung bereitet mit Regierungsstellen vor, dass die niedergelassenen Ärzte in ihren Praxen gegen das Coronavirus impfen können.
  • Das wird die Impfkampagne einen bedeutenden Schritt voranbringen wird erwartet.
  • Start wird wahrscheinlich irgendwann im Februar sein.

Wie der Geschäftsführer der Verdener Bezirksstelle, Michael Schmitz, bestätigte, wird in der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) an dem Konzept für die Umsetzung gearbeitet.

Verdens Amtsärztin Jutta Dreyer begrüßt die Entwicklung. „Die Ärzte kennen ihre Patienten oft über Jahre, kennen ihre Vorerkrankungen und können sie einschätzen“, sieht sie medizinische Vorteile beim Einstieg der Hausärzte.

Eine Schwemme von Impfstoff

Für die Immunisierung der Bevölkerung wird damit aber auch eine deutliche Dynamisierung der Impfkampagne erwartet. „Bereits zu Ostern wird der Impfstoffmangel vorüber sein“, erwartet die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Für das zweite Quartal des Jahres haben die Hersteller eine wahre Schwemme der ersehnten Impfdosen angekündigt. Biontech und Pfizer haben 40,2 Millionen Dosen zugesagt. und das Gesundheitsministerium in Berlin rechne mit großen Lieferungen von Moderna und Astra-Zeneca, die 6,4 und 16,9 Millionen Einheiten bereitstellen wollten. Mit der möglichen Zulassung von Vakzinen von Johnson & Johnson sowie Curevac seien dann noch weitere Liefermengen von 10,1 und 3,5 Millionen Dosen wahrscheinlich.

Diese Mengen rechtzeitig in den Impfzentren zu verabreichen, könnte schwierig werden, weil die Impfstoffe mit ihren unterschiedlichen Vorgaben für die Lagerung zumindest teilweise drohen zu verfallen. Nicht umsonst sind viele Impfzentren, darunter auch das am Verdener Kreishaus dabei, ihre Kapazitäten zu erhöhen. „Trotzdem wird das Kapazitätspotenzial von mehr als einer Million Impfungen pro Tag in den Vertragsarztpraxen zusätzlich genutzt werden müssen, um einen Impfstau zu vermeiden, wenn die zugesagten Impfstoffdosen in den nächsten Wochen wie erwartet ausgeliefert werden“, hatte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, bereits vor einer Woche in Berlin erklärt.

Fünf Millionen Impfungen pro Woche

Gassens Rechnung ist ganz einfach: Die Länder sähen die Tageskapazität der 433 Impfzentren in der Republik derzeit bei rund 340  000 Dosen und schätzten, dass diese im März auf über 550 000 gesteigert werden könnte. Wenn aber 50 000 der bundesweit rund 75 000 Arztpraxen täglich jeweils 20 Impfstoffdosen verabreichen würden, könnten sie bis zu fünf Millionen Impfungen in der Woche vornehmen. Damit würden sie zügig zur Immunisierung der Bevölkerung gegen das Coronavirus beitragen.

Solange nur der Biontech-Impfstoff zur Verfügung stand, waren die Impfzentren alternativlos. Die hohen Anforderungen an die Kühlung und weitere Behandlung des Stoffes hätten die Arztpraxen kaum bewältigen können. Ab dem Zeitpunkt des Auftauens ist der mit Minus 70 Grad angelieferte Stoff nur noch 120 Stunden bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad lagerfähig.

Darauf hatte Amtsärztin Jutta Dreyer schon vor Wochen hingewiesen. Das Einbinden der niedergelassenen Ärzte wäre aber auch wegen der geringen Menge an gelieferten Impfdosen nicht sinnvoll gewesen. Dreyer berichtete, dass die Hersteller verstärkt daran arbeiten, die praktischen Probleme ihres Impfstoffes zu beseitigen. „Praxisgängig“ nennt sie das. So könnte es bereits im Sommer soweit sein, dass die Impfdosis in der Einwegspritze aufgezogen ankommt. Das sei flexibler, weil nicht erst die Vials mit je sechs Dosen verabreicht werden müssen, bevor sie unbrauchbar werden: „So eine Spritze kommt beim Hausbesuch dann einfach mit in die Arzttasche.“

Ganz einfach war das Handling der Impfstoffe aber auch nicht, als zusätzlich Moderna und Astrazeneca hinzukamen. Hier allerdings waren es vor allem die Altersbegrenzungen, die beim Einsatz eine Rolle spielten. So berichtete der medizinische Leiter des Impfzentrums, Dr. Henning Hovorka, dass die Mobilen Impfteams in den Seniorenheimen den Bewohnern die Spritze mit dem Biontech-Impfstoff geben, während die jüngeren Mitarbeiter der Häuser das Vakzin von Astrazeneca erhalten konnten. Wegen der Altersbeschränkung auf 65 Jahre sind die Einsatzmöglichkeiten gerade in den Gruppen mit höchster Priorität, die Über-80-Jährigen und später dann den Über-70-Jährigen, auf medizinisches Personal und ähnlichem beschränkt. Der Impfstoff von Moderna ist dagegen erst für Impflinge ab einem alter von 18 Jahren empfohlen.

Wenn Haus- und Fachärzte in die Impfkampagne eingebunden werden, wird nicht nur das Tempo der Impfkampagne deutlich anziehen. Michael Schmitz rechnet auch damit, dass die Vorgaben der Ständigen Impfkommission nicht mehr mit der derzeitigen Strenge eingehalten werden müssen. Damit liegt der Verdener Bezirksstellen-Leiter voll auf der Linie des Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Einen genauen Termin, ab wann die Haus- und Fachärzte in ihren Praxen impfen könnten, lasse sich zurzeit zwar noch nicht festlegen, „aber er werde sicherlich in der ersten Hälfte des zweiten Quartals liegen“, hatte der KBV-Vorstandvorsitzende Dr. Andreas Gassen vergangene Woche angekündigt. Zur Belieferung der Praxen mit Impfstoffen hat die KBV mit Vertretern der Apotheken und des pharmazeutischen Großhandels bereits ein Konzept entwickelt.

Pilotprojekt in Niedersachsen

In Niedersachsen werden derzeit in einem Pilotprojekt in einigen Arztpraxen erste Erfahrungen gesammelt. „Um insbesondere die Logistik und Lagerung der Impfstoffe und die technischen Abläufe einmal durchzuspielen und Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung im Alltag zu sammeln, starten wir zunächst eine kurze Erprobungsphase von etwa maximal zwei Wochen in den neun Pilotpraxen. Voraussichtlich ab April können dann deutlich mehr Praxen in Niedersachsen mit im Boot sein“, erklärte Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann zum Start.

Von Ronald Klee

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