Deutsches Pferdemuseum feiert 50-jähriges Bestehen / Erste Mappe von 1924

Ein Muss für Hippologen

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Das Tempelhüter-Denkmal vor dem Deutschen Pferdemuseum in der Andreasstraße (um 1995).

Verden - Das im Jahre 1965 gegründete Deutsche Pferdemuseum feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Es ist selbst ein Stück Geschichte, denn aufgrund der Rolle, die das Pferd seit jeher im Bewusstsein der Verdener Bevölkerung spielt, beginnt der 1918 gegründete Verdener Heimatbund schon früh mit dem Aufbau einer pferdekundlichen Sammlung. Als Anfang gilt eine Sammelmappe mit der Aufschrift „Das Verdener Pferd 1924“. Diese Mappe enthält erste damals gesammelte Fotos, Zeitungsausschnitte und Dokumente.

Im Dezember 1932 folgte ein gezielter Aufruf an Züchterkreise, die Urkunden, Fotografien, Filme und Literatur für eine neu eingerichtete Abteilung im Verdener Heimatbund bringen sollten. Die neue Abteilung öffnete am 3. Dezember 1933 als „Museum des Pferdes“ in zwei Räumen der ehemaligen Boeselagerschen Villa an der Kreuzung Marienstraße/Georgstraße.

Wenige Monate später schließt die Ausstellung aber bereits wieder, da das Haus von NS-Funktionären belegt wird. Vorübergehend findet das Pferdemuseum eine Bleibe in der Nikolaikirche. Am 10. Oktober 1937 wird das Museum in dem Gebäude Große Fischerstraße 10 (dem heutigen Domherrenhaus) neu eröffnet. Neben dem stellvertretenden Heimatbundvorsitzenden und Museumsleiter Wilhelm Ahrens (Verden) ist es insbesondere der Hippologe Erich Clausen aus Wahnebergen, der dem Museum eine gezielte, fachliche Ausrichtung gibt. Sein Interesse gilt dem Aufbau eines „hippologischen Forschungsinstitutes“.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Pferdemuseum am 5. Oktober 1956 unter der Leitung von Erich Clausen in Verden im Haus Große Fischerstraße 10 wieder eröffnet. Seit etwa 1961 werden Pläne entwickelt, das Pferdemuseum aus dem Heimatbund auszugliedern und als Deutsches Pferdemuseum zu verselbstständigen. Die ersten Überlegungen zur Vereinsgründung erfolgten in einer Zeit, in der sich die Pferdebestände, bedingt durch die fortschreitende Motorisierung, stark rückläufig entwickelten. Das Arbeitspferd wird fortan nicht mehr benötigt. Innerhalb der Gesellschaft keimen die Befürchtungen auf, dass das Pferd, das über Jahrhunderte treuer Partner des Menschen war, ganz verschwinden könne. Aus dieser Sorge heraus veranstalten Züchter und Pferdefreunde Kundgebungen unter dem Motto „Das Pferd muss bleiben!“

Diese Stimmung treibt auch die Vereinsgründung weiter voran. In dem Aufruf zur Schaffung eines Deutschen Pferdemuseums von Erich Clausen im März 1961 heißt es: „In unserem Jahrhundert, in dem das Pferd durch die Technik immer mehr ersetzt wird, in dem es immer weniger Menschen geben wird, die eine natürliche Beziehung zum Pferd haben, ist es höchste Zeit und eine dringende Ehrenpflicht der heute lebenden Menschen, dem Jahrtausende alten Freund und Helfer des Menschen gegenüber, ein Deutsches Pferdemuseum zu schaffen, welches spätere Generationen vielleicht nicht mehr oder nicht in dieser Form schaffen können.“

Auch der Landkreis und die Stadt Verden setzen sich, unterstützt und beraten von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), für die Gründung des Museums ein. Die Bemühungen münden 1965 in der Geburtsstunde des Vereins Deutsches Pferdemuseum. Im selben Jahr zieht das Museum in das kreiseigene Gebäude in der Andreasstraße 17.

Die Unterstützung, die dem Trägerverein des Deutschen Pferdemuseums von Landkreis und Stadt Verden sowie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) seit damals entgegengebracht wird, hat bis heute Bestand. 1970 tritt Hans Joachim Köhler die Nachfolge von Erich Clausen als Museumsleiter an und bleibt in dieser Funktion bis 1988. Zu dieser Zeit ist Köhler bereits Leiter der von ihm gegründeten Verdener Auktionen und ein bekannter hippologischer Autor. Köhler treibt daher auch die Entwicklung des Hippologischen Instituts voran. Aus dem in den Anfängen steckenden Institut wird eine von Fachleuten bundesweit beachtete pferdekundliche Bibliothek.

1970 stellt die Stadt Verden dafür das Ackerbürgerhaus in der Strukturstraße 7 bereit. Einer der Höhepunkte im Wirken Hans Jochim Köhlers ist die feierliche Enthüllung des Tempelhüter-Denkmals 1974. Im Jahre 1984 kann das Deutsche Pferdemuseum dank einer kontinuierlichen Förderung von Stadt und Landkreis Verden und durch die in der FN zusammengeschlossenen Landesverbände der Pferdezucht und des Pferdesports seine Sammlung gezielt erweitern und vervollständigen. 1986 wurde Dietrich Fröba Museumsleiter und blieb in dieser Funktion bis 2002. Dann wurde er von Gisela Fürle abgelöst, die noch heute an der Spitze steht.

Nach einem weiteren Umzug öffnete das erweiterte und umgestaltete Museum am 21. Mai 2000 seine Türen in der früheren Kavalleriekaserne am Holzmarkt. Ehemalige Pferdeställe, Mannschaftsräume und das Kasinogebäude der 1831 fertig gestellten Kaserne bilden den idealen Rahmen für das Museum. Neben seiner Funktion als Spezialsammlung für Fachleute ist das Haus für viele Menschen, die bisher kaum eine Beziehung zum Pferd haben, attraktiv, unterhaltsam und interessant.

jho

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