Deutschdeutsche Wanderung zu Pferde

Ankunft in Verden. Ein Etappenziel der Wanderreiterinnen war die Reiterstadt allerdings nicht, nur eine Station. Das Quartier wartete in Kreepen.
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Ankunft in Verden. Ein Etappenziel der Wanderreiterinnen war die Reiterstadt allerdings nicht, nur eine Station. Das Quartier wartete in Kreepen.

Wie aus alten Geschichten entsprungen, tauchten Fiet und Lady am frühen Abend an den Allerwiesen auf. Mit Tanja Michel und Marina Fürst im Sattel sind die beiden Pferde auf einem Trek von Ostfriesland in die Altmark. Fünf Wochen mit Sack und Pack und auf der Suche nach deutschdeutschen Geschichten.

Verden – „Das ist, als wäre man aus der Welt genommen“, beschreibt Tanja Michel, wie sie die nostalgische Reise auf dem Pferderücken erlebt. Es gehe langsam voran und möglichst abseits der Straßen, nur das Getrappel der Hufe im Ohr. Abends ein Quartier am Weg, manchmal im Heu, manchmal aber auch in einer Herberge mit überraschendem Luxus. Was sich eben so anbietet. Neun Tage waren sie so schon unterwegs, als die beiden Wanderreiterinnen in Verden ankamen, gut zwei Wochen werden sie wohl noch brauchen, bis sie ihr Ziel erreichen, nehmen sie an.

Als sie die Südbrücke überquerten, hatten sie vor allem ein Eis im Sinn. Das wollten die Reiterinnen im Sattel genießen und weiterkommen. Sie hatten sich ein Nachtquartier in Kreepen organisiert, und zu Pferde sei das noch eine ordentliche Strecke. „Gute drei Stunden wird das wohl noch dauern“, vermutete Marina Fürst. Viel vor 22 Uhr werden sie also nicht ankommen. „Man braucht eben Zeit“, stellen die beiden Reiterinnen noch einmal fest. Aber das sei okay, letztlich sei der Trip auch ihr Urlaub.

Mit einem Tag Pause und vielen Päuschen unterwegs haben Michel, Fürst, Fiet und Lady acht Tage bis nach Verden benötigt. Als sie in Moormerland aufbrachen, waren sie zu siebt, berichtete Michel. Sie sei Wanderreitführerin im Verband der Freizeitreiter Deutschland (VfD) und einige Mitglieder hätten sie ein Stück Wegs begleitet. „Seitdem sind wir zu zweit unterwegs.“

Für die 47-Jährige und ihre 35 Jahre alte Begleiterin ist es der erste Trip über eine so große Distanz. Von dem ostfriesischen Ort zwischen Aurich und Leer, der direkt ans Fehnland grenzt, wollen sie im Sattel nach Ziemendorf Arendsee. Dort in der Altmark sei das Ziel eines Sternritts zu einem Reitlager, zu dem der VfD seine Mitglieder eingeladen hatte. Und weil damit gleich auch die drei Jahrzehnte der Wiedervereinigung gefeiert werden sollten, hatten die Teilnehmer auch eine Aufgabe mit auf den Weg bekommen. „Wir sollen Geschichten über den Fall der deutschdeutschen Grenze und die 30 Jahre, die folgten“, erklärt Michel und zieht aus den Satteltaschen ein lederbezogenes Büchlein hervor. Darin würden sie die Geschichten aufbewahren. Viele hätten sich darin schon verewigt, Leute, denen sie einfach auf dem Weg begegnet seien oder die, bei denen sie für eine Nacht untergekommen sind.

„Die Chancen stehen gut, dass wir den weitesten Weg haben“, vermuteten die Reiterinnen. Bislang hatten die beiden vom Verband jedenfalls keine Information, dass andere Teilnehmer des Sternritts für ihr Überschreiten der ehemaligen Grenze größere Entfernungen zurücklegen würden.

Von Ronald Klee

Geschichten und Erinnerungen an ihren langen Ritt in die Altmark sammeln Marina Fürst und Tanja Michel (v. l.) in ihrem Buch.

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