Richtfest im Mai

Verdener Klinikneubau: Kosten steigen um 6 Millionen

Mann auf Klinik-Baustelle
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Mit etwas Fantasie schon erkennbar: der künftige Haupteingang der Verdener Klinik.

Das neu Verdener Krankenhaus wird deutlich teurer als geplant. Bei Halbzeit des Baus räumt die Klinikleitung Mehrkosten von über sechs Millionen Euro ein. Gleichzeitig gibt es erste Anzeichen für Bauverzögerungen. Dennoch soll der Umzug im Sommer 2022 stattfinden.

Verden – Der Verdener Krankenhaus-Neubau wird deutlich teurer als geplant, erste Bauetappen sind nach hinten verschoben, aber die Fertigstellung des Gebäudes im Sommer nächsten Jahres bleibe erreichbar und bleibe das Ziel. Auf diesen Nenner brachte AWK-Geschäftsführerin Marianne Baehr gestern den Stand der Dinge beim größten öffentlichen Bauprojekt der Region ein Jahr nach Beginn der Erdarbeiten.

Ins Gewicht fällt vor allem die Kalkulation. Auf rund 6,1 Millionen Euro beziffert Baehr die Mehrkosten knapp anderthalb Jahre vor der geplanten Fertigstellung. Das bedeutet einen Zuwachs von rund 16 Prozent seit den ursprünglichen Planung im Jahr 2017. Die Gesamtkosten steigen damit von 38 auf 44,1 Millionen Euro, wenn es dabei bleibt.

Baehr führt diesen Anstieg unter anderem auf Auflagen aus der Baugenehmigung zurück. Es seien zusätzlich Brandschutzmaßnahmen erforderlich, man habe weitere Fluchtwege schaffen müssen, ein ganzes Treppenhaus sei hinzugekommen. Änderungen bei den Din-Normen führten ebenfalls zu Mehrkosten. Unter anderem habe die Lüftungsanlage, die das künftige Geschoss mit den Operationssälen sowie die Intensivstation versorgt, deutlich üppiger dimensioniert werden müssen. 16 Prozent Preissteigerung seien zwar ein Pfund, so Baehr, aber überregional seien die Baukosten in den zurückliegenden vier Jahren sogar um 18 Prozent im Schnitt gestiegen. Beim Verdener Ableger der Aller-Weser-Klinik habe man „inzwischen eingespart, wo es ging“. Das Potenzial reichte bis zur Frage, müssen im Fluchtweg-Treppenhaus die Stufen mit Fliesen belegt sein? Müssen sie nicht, hier reicht auch ein Betonanstrich, hieß es beispielsweise.

Unklar noch, wer die Mehrkosten zur tragen hat. Gegenwärtig befinden sich die Zahlenkolonnen beim Landesamt für Bau- und Liegenschaften im Prüfverfahren. „Im Landesamt ist natürlich bei solchen Projekten eine Preissteigerung nichts Neues“, so Baehrs Einschätzung. Erstmals kündigten sich Etat-Anpassungen schon vergangenes Jahr beim Rohbau an, der um rund 700  000 Euro teurer als geplant ausfiel. Seinerzeit gab sie sich bereits zuversichtlich, es werde bei den jeweils vier Millionen Euro bleiben, die Stadt und Landkreis zugesagt haben.

Das Richtfest war ursprünglich für den zurückliegenden Februar geplant, es soll jetzt im Mai über die Bühne gehen. Ab Ostern werde mit dem Einbau der Fenster begonnen, heißt es im ehrgeizigen Bauplan weiter. Der Estrich werde im Erdgeschoss verlegt, ferner werde ab Juli die mächtig dimensionierte Technik-Zentrale im Erdgeschoss parallel zur Straße Burgberg installiert, im August starten die Fliesenarbeiten, im September der Ausbau der Operationssäle. Gleichzeitig beginne der Einbau der Patientenzimmer mit viel High-End-Technik.

Neben dem alten Haupteingang entsteht der Übergang zwischen Alt- und Neubau.

Während den zurückliegenden Winter über durchgearbeitet werden konnte, bei minus 16 Grad beispielsweise die Lüftungs-Unterkonstruktionen im Erdgeschoss, wende man sich gegenwärtig der kommenden Energiezentrale des Krankenhauses zu. Das Altaggregat werde ab nächster Woche ausgebaut, zwischenzeitlich ein Übergangsmodul eingesetzt, und Ende April komme das Neu-Gerät, das in einem Stück angeliefert und per Lastenkran an seine Stelle gehoben werde. „Dafür muss einen Tag der Hubschrauber-Landeplatz gesperrt werden.“ Eine vollumfängliche Patientenversorgung sei dennoch möglich. Zusammengeführt werden an dieser Stelle die Mittel- und Niedrigspannungs-Anschlüsse des Krankenhauses sowie die Notstromeinheit.

Am Krankenhaus-Neubau sind schon jetzt Strukturen erkennbar. Das Foyer beispielsweise, von dem die Notfall-Ambulanz abzweige, das künftige Café, das auch den Wegfall eines Treffpunktes im Ärztehaus auffange, und der künftige Innenhof. Bisher konnte der Baufortschritt ohne große Beeinträchtigung des Krankenhausbetriebs über die Bühne gehen. Mit einer kleinen Ausnahme allerdings: Laute und ruckelnde Arbeiten fanden in Abstimmung mit den ärtzlichen Abteilungen statt. „Die Kommunikation zwischen Handwerk und Medizin klappte bisher prima“, sagt der technische Leiter Oliver Lausch.

Schon lichtdurchflutet: das künftige Foyer, an das sich Innenhof und Café anschließen.

Noch eine ganze Weile können chirurgische und bautechnische Arbeiten nebeneinander verlaufen, ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen. Das Ende zeichnet sich aber schon ab. Die Ausmaße des Innenhofes sind erkennbar, der ehemalige Haupteingang, der in etwa in der Mitte liegt, fällt kaum noch in den Blick, aber hoch hinauf türmen sich schon die Stahlverstrebungen. „Hier entstehen die Übergänge zum Altbau“, so Lausch. Noch liege dahinter beispielsweise ein Sekretariat. Bis zum Jahresende wird es geräumt, anschließend wird der Platz für den Durchbruch benötigt.

Aber auch wenn der Neubau fertiggestellt ist, ist noch lange nicht Schluss. Die zentrale Notfall-Ambulanz einschließlich Röntgenabteilung, die zu Teilen im Altbau beherbergt bleibt, soll deutlich vergrößert werden.

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