Michael Huss aus Verden-Eissel hilft zum zweiten Mal im Flutkatastrophengebiet

Der Schock sitzt tief

Michael Huss auf seinem Radlader bei der Arbeit. Männer mit Schaufeln füllen Schutt ein.
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Michael Huss in seinem Radlader zusammen mit weiteren Helfern beim Wegräumen von Müll und Schutt in Bad Neuenahr/Ahrweiler.

Verden-Eissel – In der dritten Woche nach der Flutkatastrophe ist Michael Huss aus Verden-Eissel spontan als Einzelperson ins Flutgebiet nach Bad Neuenahr/Ahrweiler gefahren, um dort Hilfe zu leisten. Mitgenommen hatte er ein Zelt und Verpflegung, um unabhängig zu sein. Aber der Eisseler hatte noch mehr dabei: Ein Zugfahrzeug, Tieflader und Radlader. Huss folgte damit einem Aufruf, dass vor Ort dringend Radlader mit Fahrer benötigt würden.

  • Michael Huss aus Verden-Eissel nahm Räumfahrzeuge mit ins Krisengebiet
  • Zerstörung nach der Flutkatastrophe größer als befürchtet
  • Von vielen menschlichen Tragödien in Bad Neuenahr/Ahrweiler erfahren

Um der Seuchengefahr und einer Rattenplage vorzubeugen, mussten dringend Müll und Unrat weggeräumt werden. Mittlerweile ist der Eisseler zurück und schildert seine Eindrücke und Erlebnisse.

Eigentlich hatte Michael Huss nur drei Tage bleiben wollen, er verschob dann aber immer wieder seine Rückreise und blieb am Ende für acht Tage. „Die Menschen im Katastrophengebiet brauchen wirklich dringend Hilfe und Unterstützung“, sagt der Eisseler und das war ihm Grund genug. Sie hätten große Angst davor, „dass sie das vergessene Tal werden“.

„Wer schon einmal vor Ort gewesen ist und das Leid und die Zerstörung gesehen hat, den lassen diese Eindrücke nicht mehr los“, berichtet Huss. Deshalb habe er sich am vergangenen Freitag ein weiteres Mal auf den Weg ins Krisengebiet gemacht, um eine Woche lang zu helfen. Zwischenzeitlich hatte der Eisseler immer wieder Kontakt mit Betroffenen und Helfern gehabt. So musste er sich diesmal keine Sorgen um einen Schlafplatz machen. „Ich habe bei meinem ersten Einsatz herzliche Menschen kennengelernt, bei denen ich übernachten konnte.“

Die Kraft der Flutwelle hat vieles mit sich gerissen.

Das wahre Ausmaß der Zerstörung sei auf Bildern und Videos nicht ansatzweise zu erkennen, da ein Größenvergleich nicht möglich ist, beschreibt Huss seine Eindrücke. Zerstörte Häuser, entwurzelte Bäume, Müll und Schutt, unterspülte Straßen, zerstörte und eingestürzte Brücken – eine verwüstete Landschaft so weit man gucken könne. Dazwischen lägen angeschwemmte Öl- und Gastanks und unzählige zerstörte Autos.

Infrastruktur völlig zusammengebrochen

Die Infrastruktur sei völlig zusammengebrochen, Gas und Wasserleitungen ragten aus der Erde. Und alles sei mit einer 30 Zentimeter dicken Schlammschicht überzogen.

Die betroffenen Menschen seien von den Ereignissen traumatisiert, berichtet Huss. Wie tief der Schock sitze, habe er selbst erlebt, als bei seinem ersten Einsatz Starkregen auf die Plane des Versorgungszeltes niederprasselte. „Helfer und Dorfbewohner waren gerade beim Mittagessen, es wurde plötzlich ganz still im Zelt.“ Das Wasser habe immer noch nicht richtig ablaufen können, da große Teile des Kanalnetzes zu diesem Zeitpunkt noch mit Schlamm verstopft waren.

Hier hat Michael Huss mit anderen Helfern aufgeräumt.

Huss hat direkt bei den Dorfbewohnern gearbeitet und aufgeräumt, Unrat und Bauschutt weggefahren. So sei er häufig mit den Betroffenen ins Gespräch gekommen. „Sie haben mir dann erzählt, was sie in der Flutnacht erlebt haben. Tragische Schicksale, wirklich schlimm, was in der Nacht alles passiert ist. Ich hörte von Einzelschicksalen, von Familien und ihren Kindern, die von der Flut weggerissen worden waren.“ Helfer seien selbst in Gefahr geraten zu ertrinken oder hätten Menschenschreie im Treibgut gehört, bis sie irgendwann verstummt seien.

„Es war schwierig, in eine heile Welt zurückzukehren.“

„Trotz all des Leids und Elends war ich vor Ort relativ gut gefasst. Im Vordergrund stand für mich, den Betroffenen zu helfen und ihnen zuzuhören, ihnen Zuversicht und Hoffnung zu geben.“

Als Michael Huss von seinem ersten Einsatz zurückkam, wurde ihm der Kontrast bewusst. „Es war schwierig, in eine heile Welt zurückzukehren. Es brauchte einfach Zeit, bis ich nach den ganzen Eindrücken und Erlebnissen im Flutgebiet wieder in meinem eigenen Leben angekommen war.“

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