1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

„Der Kunde ist König, das ist in Stein gemeißelt“

Erstellt:

Von: Katrin Preuß

Kommentare

Frau am Kuchentresen
Hinterm Tresen des Backhauses Wöbse fühlt sich Nina Bindheim wohl. Die gelernte Restaurantfachfrau sattelte vor zehn Jahren um – und hat dies bis heute nicht bereut. Die Arbeitszeiten nun sind familienfreundlicher. © Preuß

Immer ein Lächeln: Nina Bindheim leitet die Backhaus-Wöbse-Filiale am Johanniswall in Verden. Eine kleine Schwäche hat sie sich bewahrt, wie sie in der Serie „Hinterm Tresen“ einräumt.

Verden – Sie servieren uns unser Essen; sie nehmen uns beim Arzt im Empfang, sie wiegen für uns die Wurst ab, tüten Brötchen ein, empfehlen uns spannende Bücher, beraten und informieren uns. Ihre Gesichter sind uns oft seit vielen Jahren vertraut, und doch wissen wir nur wenig über die Menschen hinterm Tresen. Das möchten wir ändern und in dieser Serie einige von ihnen vorstellen.

„Bitte lächeln“, steht auf dem Schild, das im Backhaus Wöbse am Johanniswall über dem Tresen hängt. Auf der Rückseite und somit nur für die Mitarbeiterinnen lesbar. „Aber wir brauchen das gar nicht“, sagt Nina Bindheim – und lacht über das ganze Gesicht.

Den Kunden mit Freundlichkeit zu begegnen, für die 39-Jährige ist das eine Selbstverständlichkeit. Und die Gäste registrieren dies mit Wohlwollen. Als nett, kompetent und als eine, die sich die Wünsche ihrer Kundschaft merkt, beschrieb zum Beispiel die Leserin Nina Bindheim, als sie diese für die „Hinterm Tresen“-Reihe vorschlug.

Beim Kaffee im Café erzählt Nina Bindheim von sich. Davon, dass sie, ihr Mann und der 14-jährige Sohn gerne mal mit dem zum Cabriolet umgebauten Trabbi unterwegs sind. Neuerdings samt QEK Junior-Wohnwagen. Dass sie ein Mensch ist, der seine Freizeit lieber draußen verbringt, zum Beispiel zum Walken oder Inline-Skaten. Dass sie keinem Verein angehört. „Das ist mir zu gezwungen.“

Und dass sie auch in ihrer Freizeit oder im Urlaub gerne mal ins Café geht. Chef Torsten Wöbse muss dann mit Fotos rechnen von besonders schönen Torten oder Backwaren. Zur Inspiration.

Es ist 13 Uhr, gerade hat sie Feierabend gemacht. Für die Kolleginnen ist sie dennoch ansprechbar. Das ist ihr wichtig. Genauso wie ein gut bestückter Tresen mit appetitlich präsentierten Waren, Sauberkeit und, dass die Kunden sofort beachtet werden. Ob diese dann viel oder wenig Geld in der Filiale lassen, ist einerlei. „Der Kunde ist König“, das ist für Nina Bindheim in Stein gemeißelt.

Ihr Blick schweift zufrieden durch die Filiale. Alles geht seinen Gang. „Das Team ist super“, sagt Nina Bindheim über die fünf Mitarbeiterinnen, die sich gemeinsam mit ihr den Dienst in der Filiale teilen. Nun kann sie sich entspannt wieder ganz auf das Gespräch mit der Presse konzentrieren.

Die gebürtige Lübeckerin ist, das merkt man gleich, mit einem fröhlichen Naturell ausgestattet. Das hilft schon mal sehr im Beruf.

Außerdem ist sie ausgebildete Restaurantfachfrau, hat also von der Pike auf gelernt zu bedienen, höflich und aufmerksam zu sein, Augen und Ohren offen zu halten bei Kunden und sich auch mal die Zeit für einen kleinen Klönschnack mit ihnen zu nehmen.

Ursprünglich, verrät die Wahl-Langwedelerin, habe sie Konditorin werden wollen. In ihrer Heimatstadt. Bei Niederegger, dem bekannten Marzipan-Hersteller. Doch der Umzug der Familie in den Harz vereitelte diesen Plan. Im Harz wiederum war der jungen Frau zu wenig los. So landete sie schließlich – mit einem kurzen „Zwischenstopp“ in Visselhövede – in Verden.

Hier lernte sie ihren Mann kennen. Hier absolvierte sie ihre Ausbildung im damaligen Restaurant Victoria. Damals sei sie noch „ein stilles Mäuschen, schüchtern“ gewesen, sagt sie. Das hat Nina Bindheim inzwischen abgelegt. Aus ihr ist eine selbstbewusste und kommunikative Frau geworden.

„Meinen erlernten Beruf habe ich noch lange ausgeübt“, berichtet sie weiter, „bis mein Sohn drei war.“ Doch eine Sechs-Tage-Woche mit getrenntem Dienst – vormittags im Einsatz, lange Pause und abends wieder antreten –, das war auf Dauer für die junge Familie kaum zu organisieren.

Bekannte ermunterten Nina Bindheim dann, sich bei der Bäckerei von Astrid und Torsten Wöbse zu bewerben. Das ist nun zehn Jahre her. Und es ist anzunehmen, dass auch die Wöbses ihre Entscheidung nicht bereut haben, die fröhliche Frau eingestellt zu haben. Genauso wenig wie die Mitarbeiterin selber.

Mittlerweile ist die 39-Jährige in Vollzeit tätig, leitet die Filiale am Johanniswall und kann nach Ablegen der entsprechenden Eignungsprüfung auch den verkäuferischen Nachwuchs ausbilden. „Wer gerne mit Kunden zu tun hat, der ist hier richtig“, bricht sie dann auch gleich mal eine Lanze für den Beruf des Fachverkäufers/der Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, so die offizielle Bezeichnung. Die Tätigkeit sei abwechslungsreich. „Und es besteht natürlich die Möglichkeit, sich weiterzubilden“, fügt sie noch hinzu.

Einen Nachteil hat der Beruf aber vielleicht doch. „Wir dürfen alles probieren“, berichtet sie und findet’s im Prinzip gut. Schließlich ist es so einfacher und auch glaubwürdiger, wenn Kunden eine Empfehlung wünschen.

Das macht es aber umso schwieriger, den süßen Verlockungen zu widerstehen. „Das schafft man nicht“, gibt Nina Bindheim diese kleine Schwäche freimütig zu. Und lacht wieder übers ganze Gesicht.

Kontakt

Kennen auch Sie – als Kunde oder Arbeitgeber – eine Verdener „Tresenkraft“, die wir Ihrer Ansicht nach einmal vorstellen sollten? Dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf: Telefonnummer 04231/801142 oder per E-Mail an die Adresse redaktion.verden@kreiszeitung.de, Stichwort „Hinterm Tresen“.

Auch interessant

Kommentare