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Der Impfpiks im Gotteshaus: Auch Ängstliche, Skeptische und Kolumbianer kommen in die Verdener Johanniskirche

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Von: Manfred Brodt

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Ein älterer Herr, sitzend, bekommt eine Spritze in den Oberarm.
Zweite Auffrischungsimpfung für Rüdiger Schlemm, fachkundig vorgenommen von Anke Göbber. © Brodt

Es gibt sicher viele Gründe, eine Kirche zu besuchen: Ihre Schönheit, Prunk oder Schlichtheit, ihre Stille, Einkehr, Trost, Gottes Wort oder auch eine Impfung. So jedenfalls am Mittwoch in der Verdener St.- Johanniskirche . wo die mobilen Impfteams des Landkreises Verden einen Piks mit Biontec anboten.

Verden – Rüdiger Schlemm aus Neddenaverbergen war einer, der das Angebot sofort dankend annahm. Er holte sich mit seinen bald 77 Jahren die zweite Auffrischungsimpfung, also neudeutsch den zweiten Booster. Am Morgen hatte er wie viele andere in der Zeitung von dem Angebot gelesen. Schon länger wollte er sich diese vierte Impfung nach zweien im Impfzentrum und einer beim Hausarzt holen, und jetzt, da es so schnell und bequem ging, besuchte er die Kirche. Für den Senior ist Impfen eine Sellbstverständlichkeit. „Für mich selbst und damit ich andere nicht so leicht anstecke.“

Manchen fiel die Entscheidung nicht so leicht

Dem 57-jährigen Olaf Gutknecht aus Armsen dagegen fiel die Entscheidung nicht so leicht. Er war lange wegen der widersprüchlichen Berichte und Aussagen von selbsternannten Experten ein Impfskeptiker, hatte Befürchtungen, ob es nicht Nebenwirkungen und Langzeitschäden geben könnte. Erst vor vier Monaten hatte er sich die zweite Impfung verabreichen lassen und jetzt in der Johanniskirche die dritte. „Ich wollte das vor Ostern noch erledigt haben“, sagt er.

Der Armser fährt für eine Apotheke Medikamente aus und kommt da mit vielen Menschen zusammen. Außerdem hat er bei der Impfung auch an seine Tochter gedacht, die er nicht gefährden will. Schließlich ist er auch noch aktiver Blutspender und lässst sich schon bald zum 108. Mal den Lebenssaft abzapfen. Alles gute Gründe für seine Umkehr.

Ausführliches Arztgespräch

Dem Ehepaar Jürgen und Conny Mory aus Hohenaverbergen war der Impftermin über die 0800-Hotline empfohlen worden. Und so gingen die über 70-Jährigen ins Gotteshaus: „Wir machen immer alles zusammen.“

Nach Feststellung und Prüfung der Personen und ihrer Daten bei Nicole Neumann und Susanne Mövers gelangten die Impfwilligen gestern zu Impfarzt Dr. Wolfgang Paul, Anästhesist aus Bremen, zum Vorgespräch. Er sprach mit ihnen über mögliche Vorerkrankungen, gewohnte Medikamente, Allergien, sonstige persönliche Befindlichkeiten, über Auswirkungen vorheriger und jetziger Impfung und gab Empfehlungen für das spätere Verhalten. Beispielsweise einem über 70-Jährigen, jetzt nicht gleich seine gewohnten 100 Kilometer pro Woche mit dem Rad zu fahren.

Der Arzt versucht auch, ängstlichen Menschen ihre Befürchtungen wegen aufgebauschter Risiken zu nehmen. Besonders freute ihn, dass gestern auch eine 23-jährige Pflegekraft ihre Angst überwunden hatte und mit ihrer zweiten Impfung ihrer berufsbezogenen Impfpflicht nachkam.

29 Impflinge in der Kirche

29 Menschen ließen sich gestern von der Medizinischen Fachangestellten Anke Göbber den Piks setzen, so dass bei einer Impfration für jeweils sechs Personen eine Impfdosis wohl verfiel.

Da hätte das Impfteam vielleicht doch den Russen nicht abweisen sollen, der nach zwei Sputnik-Impfungen hier Biontec bekommen wollte. Da man aber gerade auch in diesen Zeiten nicht weiß, ob dort dieser westliche Impfstoff akzeptiert wird, empfahl das Team ihm lieber eine Impfung in seinem Heimatland.

Überwiegend waren es gestern bei der Impfaktion Verdener, aber auch einige besondere Besucher, zum Beispiel Geflüchtete aus der Ukraine oder ein Pärchen aus Kolumbien, das jetzt in Deutschland beheimatet ist.

Besonders ältere Semester könnten sich noch mehr impfen lassen

„Es ist okay“, sagt der Impfarzt zu dem gestrigen Ergebnis. Die große Impfwelle ist längst vorbei. Er und das Team wünschen sich, dass die Erwachsenen sich verstärkt impfen lassen würden, denn dann wären die Impfungen von Kindern, die übertragen, nicht so dringlich. „Die älteren Semester könnten sich noch mehr impfen lassen“, bestätigt der Arzt.

Insgesamt verzeichnete man im Landkreis Verden bis Ende September 96 983 Impfungen des Impfzentrums und danach bei den Mobilen Impfteams 31 435. Die nächsten Angebote des mobilen Teams gibt es bei Dodenhof im ehemaligen Reifenzentrum donnerstags und freitags von 13 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr.

Dr. Wolfgang Paul beim Vorgespräch mit Olaf Gutknecht.
Dr. Wolfgang Paul beim Vorgespräch mit Olaf Gutknecht. © Brodt

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