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Immobilienpreise legen auch in Corona-Zeiten kräftig zu

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Teuer und immer teurer: Reihenhäuser wie hier im Verdener Norden.
Teuer und immer teurer: Reihenhäuser wie hier im Verdener Norden. © kracke

Verden – Sie schlenderten gut gelaunt zu ihrem nächsten Besichtigungstermin, die Eheleute, die in Verden unterwegs waren. Einfamilienhäuser steuerten sie an. Die Auswahl ist gegenwärtig nicht üppig. Aber es muss doch möglich sein, in Pandemie-Zeiten irgendwo ein Schnäppchen zu ergattern. Nach zwei Tagen war die Ernüchterung groß. Nichts mit Preisnachlässen.

Im Gegenteil. Wer sich für eigene vier Wände entscheidet, der wird zur Kasse gebeten als gäb‘s kein Corona. Für das schnucklige Eigenheim mit gut 150 Quadratmetern sind satte 30.000 Euro mehr als noch im Vorjahr fällig. Das bestätigt auch Gerd Ruzyzka-Schwob vom Gutachterausschuss des Katasteramtes. „Die Preise legten innerhalb von zwölf Monaten im Landkreis Verden um durchschnittlich 200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zu.“

Schon bei einer Auswertung nach den ersten beiden Corona-Monaten März und April hatten die Gutachter vorsichtig Entwarnung gegeben. Nein, die Preise seien nicht gefallen, es haben lediglich die Verkaufszahlen nachgelassen. Man führe die rückläufigen Vertragsabschlüsse nicht auf mangelnde Kauflust zurück, sondern eher auf die Schließungen von Maklerbüros und Notarskanzleien. Mit Spannung wurde jetzt die Immobilien-Erhebung für die Monate Mai und Juni im Landkreis Verden mit erstmals belastbaren Trends erwartet. Das Ergebnis so Ruzyzka-Schwob: Nach einem deutlichen Rückgang im April und Mai sind im Monat Juni 2020 insgesamt 143 Kaufverträge registriert. Das entspricht fast wieder dem monatlichen Durchschnitt des Jahres 2019. Der Umsatz lag mit 46 Millionen Euro sogar deutlich über dem des Jahres 2019.

Die kräftig steigenden Kosten ziehen sich wie eine dicke rote Linie durch fast alle Immobilienbereiche. Einfamilienhaus? Der Preis steigt. Reihenhaus? Ebenfalls. Doppelhaus oder Zweifamilienhaus? Sowieso. Alle vier Segmente schlagen mit einem Plus von 200 Euro je Quadratmeter zu Buche. Wer im Mai oder Juni fündig wurde, hatte für Ein- und Zweifamilienhaus rund 2 100 Euro je Quadratmeter Wohnfläche auf den Tisch des Hauses zu blättern, für Reihen- und Doppelhäuser sogar 2 300. Deutlich teurer sind neue Eigentumswohnungen. Rund 3 100 Euro waren fällig, und dies nicht als Spitzenpreis, sondern als Durchschnitt. Wer sich mit einer „gebrauchten“ Wohnung bescheiden konnte, war immerhin noch mit 1 600 Euro dabei. Allerdings verzeichneten die Gutachter im Laufe der Zeit größere monatliche Schwankungen, der Juni sei als Durchschnitt zu bewerten.

Und das sei alles kein Phänomen nur in den Städten Achim und Verden, in denen die eigenen vier Wände traditionell etwas teurer ausfallen, es gelte generell für den gesamten Landkreis. Das belegt auch der Immobilienpreisindex, der die Preisentwicklungen ausdrückt. Im ersten Quartal 2020 ist er sowohl im Bremer Umland als auch im übrigen Bereich weiter leicht gestiegen. Im jetzt vollständig ausgewerteten zweiten Quartal notierten die Gutachter weiter leichte Preissteigerungen, wobei sich im Bremer Umland – jedoch bei einem hohen Preisniveau – eine Stagnation bei Eigenheimen und Eigentumswohnungen andeute.

Der Umsatz an Bauplätzen habe sich nach einem Umsatzloch von Februar bis April im Mai und Juni mit 17 und 14 Bauplätzen wieder dem mittleren Stand des Vorjahres angeglichen. Bei den Preisen der verkauften Bauplätze, die im Landkreis Verden im Mittel zwischen 100 und 160 Euro pro Quadratmeter liegen, seien weiterhin keine Auffälligkeiten zu verzeichnen.

Ruzyzka-Schwob kündigte an, der Gutachterausschuss des Katasteramtes werde weiter monatlich die Kaufverträge auswerten, um über das aktuelle Marktgeschehen im Zeichen der Corona-Pandemie zu berichten.

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