Der Bus kommt pünktlich

Blumen und Geschenke: Jutta Sodys, begleitet von ihrem Mann Rainer, wurde von Bürgermeister Lutz Brockmann (l.) und Ratsvorsitzender Gunda Schmidtke verabschiedet.
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Blumen und Geschenke: Jutta Sodys, begleitet von ihrem Mann Rainer, wurde von Bürgermeister Lutz Brockmann (l.) und Ratsvorsitzender Gunda Schmidtke verabschiedet.

Sie sind ein kleines Wortungetüm, aber sie sollen dem Öffentlichen Personennahverkehr Beine machen: die „Busbeschleunigungsmaßnahmen“. Circa 600 000 Euro, der Großteil förderfähig, wollen Stadt und die beteiligten Gesellschaften dafür ausgeben. Erklärtes Ziel: Zuverlässige Verbindungen und attraktiver Nahverkehr.

Verden – Dichter Straßenverkehr, Staus in der Innenstadt, das Problem ist bekannt. Und, auch das nichts Neues, es wird nicht besser. Aber es gibt Stellschrauben, die es zu drehen lohnt. Der Stadtrat Verden hat jetzt, so der Tenor der Sitzung am Dienstagabend, eine gefunden. Die Linienbusse der Verdener Walsroder Eisenbahn (VWE) sollen mit sogenannten „Busbeschleunigungsmaßnahmen“ ausgestattet werden. Die Idee: Nähert sich ein Bus der Ampel, kann der Fahrer die Anlage vorher per Funk ansteuern und Grün stellen.

Die Omnibusse der AllerBus-Unternehmen sind schon jetzt technisch in der Lage, Ampeln GPS-unterstützt umzuschalten. Der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) haben den Einbau der Technik finanziell unterstützt. Allerdings fehlen für die Bordrechner in den Bussen die notwendigen Module an den Verdener Ampeln.

Ausgerüstet werden sollen mit der Technik insgesamt 16 Ampeln, die auf der Linie 711 Verden(ZOB)-Dauelsen-Verden und 712 Verden(ZOB)-Roggenkamp-Trift-Verden(ZOB) stehen. Untersuchungen eines Ingenieurbüros haben ergeben, dass auf der Linie 711 Richtung Verden 85 Sekunden und Richtung Dauelsen 138 Sekunden eingespart werden. Auf der Linie 712 (Ringverkehr) sind es 126 Sekunden.

589 000 Euro kostet die Umrüstung, von denen 500 000 Euro förderfähig sind. 75 Prozent, umgerechnet 375 000 Euro, will die ZVBN tragen, 214 000 Euro müsste die Stadt Verden aufbringen. Das Geld dafür ist in den kommenden Jahren im Haushalt angemeldet. Möglicherweise können sogar noch weitere Fördertöpfe angezapft werden, sodass nur ein Anteil von circa 90 000 Euro der Stadt in Rechnung gestellt werde.

Der Einsatz der Technik, so Bürgermeister Lutz Brockmann, mache den ÖPNV-Verkehr deutlich attraktiver. „Beschleunigungsmaßnahmen tragen zur Sicherung der Fahrplantreue bei. Wer weiß, dass er pünktlich am Bahnhof ankommt, der nimmt dann auch eher mal den Bus statt das Auto. Das trägt zur Entlastung des Individualverkehrs und damit auch zur Verbesserung des Klimas bei.“

Zu dem Thema meldete sich umgehend Henning Wittboldt-Müller zu Wort. Der FDP-Vertreter rechnete per Dreisatz eine CO2-Belastung vor, die einen in der Gesamtbilanz eher negativen klimatischen Fußabdruck hinterlassen würde. „Dennoch ist die Technik für das Verdener Busnetz von Vorteil und findet unsere Zustimmung“, so Wittboldt-Müller. Die Einhaltung der Taktzeiten dürfe allerdings nicht bedeuten, dass die Busse verschärft auf’s Tempo drücken würden, warnte er.

Die neue Technik mache Sinn, doch allein führe sie nicht zu einer grundsätzlichen Verbesserung der Verkehrssituation, merkte Jens Richter an. Der CDU-Fraktionschef verwies auf die Situation auf der B 215 und die Idee einer „Grünen Welle“. Richter: „Da sollten wir im Gespräch bleiben.“ Ingo Neumann schlug in die gleiche Kerbe: „Die Beschleunigungsmaßnahme ist ein wichtiger Baustein, aber lediglich ein Teil des Ganzen. Wenn der Bus im Stau steht, dann nützt ihm auch die Steuerung der Ampel wenig“, merkte der SPD-Vertreter an. „Wir müssen uns weiter mit dem Verkehrsfluss als Gesamtkonzept befassen.“

Die neue Technik soll in mehreren Schritten an den jeweiligen Ampeln installiert und bis zum Jahr 2023 Schritt für Schritt zum Einsatz kommen.

Kommunalpoltisch hat Jutta Sodys in Verden viele Spuren hinterlassen, 18 Jahre für die SPD im Verdener Stadtrat gearbeitet. Doch nun ist Schluss, hat die Sozialdemokratin für sich entschieden (wir berichteten). Am Dienstagabend wurde sie im Rat verabschiedet. „Uneitel und stets mit dem Blick für das, was notwendig ist“, lobte Bürgermeister Lutz Brockmann. Anerkennende Worte fand er insbesondere für Sodys’ Engagement im Schul- und Sportbereich. „Das hat unserer Stadt gutgetan.“ Ratsvorsitzende Gunda Schmidtke sprach von Jutta Sodys als einer „wichtigen Säule im Rat“, die das Ehrenamt mit großem persönlichen Einsatz erfolgreich ausgefüllt habe. „Ich bedauere, das Du gehst. Wir werden Dich sehr vermissen.“ SPD-Fraktionschef Michael Otten fand ebenfalls sehr persönliche Worte zum Abschied: „Nicht politisches Kalkül, sondern Bürgernähe und Herzlichkeit zeichnen Dich aus“, betonte Otten.

Rasmus Grobe bedankte sich im Namen der Grünen-Fraktion für die jahrelange Zusammenarbeit mit einer „authentischen Politikerin, die das klare Wort nicht scheut.“

Von Markus Wienken

Die Ampel in Sichtweite, kann der Busfahrer künftig auf Grün schalten.

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