Diskussion über giftige Pflanze

Jakobskreuzkraut: Der Blutbär findet’s gut

Ein Pferd grast auf einer Weide mit giftigem Jakobskraut.
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Ein Pferd grast auf einer Weide mit giftigem Jakobskraut. Finden sie genügend andere Nahrung, meiden die Tiere den Korbblütler, der überaus bitter schmeckt. Gelangt es aber in die Mahd, kann es gefährlich werden. Denn getrocknet, geht der Geschmack verloren, nicht aber das leberschädigende Gift.

Der Blutbär ist ein hübscher Geselle mit seinen rot-schwarzen Flügeln. Auch die Raupe dieses Schmetterlings, gelb-schwarz geringelt, kann sich sehen lassen. Verstecken müssen sich die beiden nicht, sie können es sich sogar gefahrlos leisten, auffällig zu sein, zeigt ihre Färbung doch potenziellen Fressfeinden: Achtung, ungenießbar! Kein Wunder, schließlich ernährt sich die Raupe doch vom Jakobskreuzkraut (JKK), dessen Alkaloid für Weidetiere wie Rinder und Pferde bei übermäßigem Verzehr tödlich sein kann.

Landkreis – Im Augenblick blüht es wieder. Knallig gelb leuchtet das Kraut mit seinen markanten Blüten, die an ihren 13 Blättern zu erkennen sind. Mit dem Sommer ist auch wieder die Zeit gekommen, in der die Diskussionen über die Gefahren des Senecio jacobaea oder Jakobs-Greiskraut in eine neue Runde gehen.

Die Frage jedoch, ob JKK überall dort, wo es auftaucht, entfernt werden muss, lässt sich nicht einfach mit Ja beantworten. Deutlich wird dafür bei den diversen Gesprächen, dass ein Zuviel an Jakobskreuzkraut vor allem eines ist: ein von Menschen gemachtes Problem.

Ernährt sich von JKK: die Raupe des Blutbären, auch Karminbär genannt.

Das Jakobskreuzkraut biete nicht nur der Raupe des Blutbären Nahrung, betont Leonie Jordan, Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle in Verden, sondern auch anderen Insekten. Und die, das macht Antje Mahnke-Ritoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises deutlich, hätten inzwischen riesige Probleme, Nahrung zu finden. Es scheint, als schlügen zwei Herzen in der Brust der Diplom-Biologin. „Keine Panik, wenn vereinzelt Pflanzen stehen“, sagt sie, aber auch: „Wehret den Anfängen.“

Wie Silke Brünn, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, sieht Antje Mahnke-Ritoff in dem alleinstehenden Jakobskreuzkraut im heimischen Garten nicht die große Gefahr. „Dort ist es nicht das Problem, sondern auf landwirtschaftlichen Flächen“, betont Fachbereichsleiterin Brünn.

Jakobskreuzkraut vor allem in der Mahd gefährlich

Kommt es beispielsweise infolge von Überweidung zu kahlen Stellen, ist das für das JKK wie eine offene Einladung, sich dort anzusiedeln. Magere, sandige Böden stören die Pflanze nicht.

Und sind Kühe und Pferde in der Regel klug genug, das bitter schmeckende Kraut nicht anzurühren, vor allem, wenn es genügend Futter-Alternativen gibt, so wird es schwierig, wenn die Pflanzen in die Mahd geraten. „In getrocknetem Zustand verlieren sie die Bitterstoffe, aber nicht die Giftstoffe“, sagt Leonie Jordan.

Das Alkaloid schädigt die Leber der Tiere, manchmal über Jahre. Erkranken sie, sei eine Behandlung oder gar Heilung ausgeschlossen, ist in einer Information aus dem Verdener Rathaus nachzulesen.

Entsprechende Todesfälle im Landkreis Verden sind Kreisveterinärin Dr. Inis Graue aktuell nicht bekannt. Auch beim Hannoveraner Verband liegen derzeit keine Meldungen über verendete Pferde vor, berichtet Britta Züngel. Dennoch, so die Verbandssprecherin, sei JKK für Pferdehalter ein Problem, da sich eine Aufnahme über das Futter nur schwer vermeiden lasse. „Man kann nur durch geeignete Pflegemaßnahmen verhindern, dass es überhaupt ins Heu kommt“, so Britta Züngel. Inis Graue nennt es ein schlechtes Wiedemanagement, wenn befallene Flächen nicht gemäht und kahle Stelle nicht nachgesät würden.

Jakobskreuzkraut auf Gründlandflächen sofort ausstechen

Bei JKK-Pflanzen auf Grünlandflächen kennt auch Antje Mahnke-Ritoff kein Pardon. „Sofort ausstechen“, empfiehlt die Biologin. Sie weiß, dass das schwierig ist, wenn sich der Korbblütler bereits ausgebreitet hat. Dann hilft nur das Abmähen zum richtigen Zeitpunkt. „Wenn das Jakobskreuzkraut einen Blütenstand hat und man es dann mäht, schwächt das die Pflanze“, erklärt sie.

Wer den richtigen Moment verpasst, leistet der Verbreitung weiteren Vorschub. Mahnke-Ritoff spricht davon, dass aus einer Pflanze fünf neue entstehen. Die Samen breiten sich ähnlich wie die der Pusteblumen mithilfe des Windes aus.

Sind kreiseigene Flächen betroffen, würden die Straßenmeistereien auch schon mal um zweimaliges Mähen gebeten, berichtet Silke Brünn. Bei privaten Grundstücken könne die Behörde nur entsprechende Empfehlungen aussprechen, sagt die Fachdienstleiterin. Hier habe der Landkreis wenig Handhabe, schließlich handele es sich beim JKK um eine heimische Pflanze, die ja nicht verboten sei.

Ihre Erfahrung zeige, dass es „immer wieder dieselben Flächen und dieselben Bewirtschafter“ seien, die Jahr für Jahr vom Jakobskreuzkraut betroffen sind, so Brünn weiter. Sie weiß, dass es ein langer Atem nötig ist, will man die Pflanze dauerhaft wegbekommen. Bei der Entsorgung der Mahd könne der Landkreis aber durchaus behilflich sein.

Jakobskreuzkraut-Entsorgung über Restmüll oder Vergärung

Auf den Kompost gehört das Kraut nicht. Um ein erneutes Auskeimen und Wachsen zu verhindern, sollte die Pflanze der Müllverbrennung oder Vergärung in einer Biogasanlage zugeführt werden. Reicht bei wenigen Pflanzen die Restmülltonnen – Handschuhe anziehen! –, so wird es schwierig, wenn das Schnittgut ballenweise anfällt. „Aber bisher haben wir immer eine Lösung gefunden“, betont Silke Brünn.

Behilflich ist die Untere Naturschutzbehörde, ebenso wie der Nabu, auch denn, wenn es um die Identifizierung des Jakobskreuzkrautes geht, das gerne mal mit dem ebenfalls gelb blühenden Johanniskraut oder Rainfarn verwechselt wird. „Wenn die vernichtet werden, ist das sehr schade“, betont Antje Mahnke-Ritoff und macht in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Not vieler Insekten aufmerksam.

„Wir brauchen mehr Vielfalt, mehr Buntheit“, fordert die Biologin zu einer Abkehr von penibel gepflegten Beeten auf. „Da muss sich was ändern in unserem Ordnungsdenken.“ Toll findet sie die, die in ihren Gärten Wildblumen wachsen lassen,

Bei Heinrich Kersten rennt Antje Mahnke-Ritoff damit offene Türen ein. Als Eisseler hat als Imker seine eigenen Erfahrungen mit dem Jakobskreuzkraut. Ein chronisch Erkrankter hatte sich bei ihm erkundigt, ob denn sein Honig JKK-frei sei, berichtet Kersten.

Wird oft mit JKK (r.) verwechselt: das Johanniskraut.

Der Mann habe keine Resistenzen aufbauen wollen, erinnert sich der Imker an die Begründung. Er habe seinen Honig daraufhin speziell testen lassen und attestiert bekommen, dass dieser keine Spuren von Jakobskreuzkraut aufweise.

Kersten weiß aber auch, dass die Bienen Jakobskreuzkraut gar nicht anfliegen, wenn sie ausreichend alternative Nahrungsangebote haben. Ein weiterer guter Grund also, Wildblumen auszusäen beziehungsweise sie stehen zu lassen, wo sie auflaufen.

Jakobskreuzkraut bestimmen

An sich sei das Jakobskreuzkraut mit seinen 13 Blütenblättern ja sehr markant, sagt Silke Brünn von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Dennoch wird es immer wieder mit anderen gelb blühenden Pflanzen wie Rainfarn und Johanniskraut verwechselt. Um zu vermeiden, dass die falsche Pflanze zerstört wird, bietet Diplom-Biologin Antje Mahnke-Ritoff ihre Hilfe bei der Bestimmung an. Wer sich unsicher ist, welches Kraut er vor sich hat, kann per E-Mail an Antje-Mahnke-Ritoff@landkreis-verden.de ein Foto davon schicken. Leonie Jordan macht das gleiche Angebot. Sie ist unter der E-Mail-Adresse info@nabu-weser-mitte.de zu erreichen.

Wem das zu umständlich ist, dem empfiehlt Jordan die Bestimmung per App. Sie selber verwende dazu gerne Flora Incognita der Technische Universität Ilmenau. Sie ist in App-Stores von Google und Apple frei verfügbar.

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