Immer mehr Bissspuren am Ufer / Nager fühlt sich mittlerweile heimisch

Verden an der Aller: Hurra, der Biber ist da!

Der Biber am Flussufer.
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In Verden direkt an der Aller angekommen: Der Biber hat sich dort am Flussufer angesiedelt.

Verden – Bei Tageslicht macht er sich rar, er ist nicht zu sehen. Doch was er macht, ist unübersehbar: Der Biber ist zurück an der Aller in Verden. Deutliche Spuren hat der Nager mit dem markanten Schwanz am Uferrand, im Bereich des Verdener Rudervereins, hinterlassen. Einzelne Bäume liegen im Wasser, von den scharfen Zähnen des Nagers fein säuberlich gefällt.

  • Der Biber ist zurück in Verden an der Aller. Lange Jahre hatte er sich dort nicht blicken lassen. Nun gibt es immer wieder Spuren, vor allem Bissspuren, die auf die Arbeit des fleißigen Nagers schließen lassen. Inbesondere auf der Aller-Strecke zwischen Hülsen und Verden. Und: Der Biber ist streng geschützt. Man sollte ihn unbedingt in Ruhe lassen!

Genüsslich ziehen Hannelore Heider und Axel Seevers ihre Bahnen mit ihrem Ruderboot „Liek ut“ über die Aller. Die Sonne scheint, das Paar hat schon etliche Kilometer in den Armen. Pause am Anleger des Verdener Rudervereins. Das Duo aus dem benachbarten Blender ist schon seit Jahren auf der Aller unterwegs. Nicht nur da, aber vor allem da, denn: „Das ist schon ein bisschen wie ein kleines Paradies, gerade jetzt in Zeiten der Pandemie. Die Ruhe, einfach herrlich.“

Verden auf der Aller: Ein kleines Paradies in Zeiten der Pandemie

Wo der Mensch sich zurücknimmt, sucht sich auch die Natur ihren Platz. Das haben die Ruderer auf ihren Touren ebenfalls beobachtet. Und: Was dem Menschen gefällt, das mag offensichtlich in diesem Fall auch der Biber. „Dass er in dieser Region wieder heimisch geworden ist, können wir schon seit drei oder vier Jahren beobachten“, erzählt Seevers. „Seit vergangenem Jahr rückt er zusehends näher an Verden ran.“

Auch jetzt, als Seevers aus dem Boot steigt, können er und seine Begleiterin neueste Nachrichten vom Biber überbringen: „Frische Bissspuren des Nagers zwischen Hülsen und Westen“, weiß Seevers aus dem Kopf. Und sogar den genauen Ort hat er parat: „Bei Kilometer 93,5.“ Und noch einen Tatort hat er sich im Geiste notiert: „Ältere Spuren gibt’s in Eitze, bei Kilometer 107.“ Den Biber selbst haben Hannelore Heider und Axel Seevers trotz aller Bemühungen noch nicht zu Gesicht bekommen. „Das ist sehr schwer und wäre eine kleine Sternstunde“, lachen die beiden. Wie auch immer: „Schön zu wissen, dass er hier ist“, freuen sich die Ruderer. Das Paar bleibt auf Beobachtungsfahrt, steigt ins Boot und dann immer geradeaus, liek ut Richtung Weser.

Den Biber zu sehen wäre schon eine kleine Sternstunde

Dass der Biber nicht nur auf Kurzbesuch ist, sondern sich an der Aller heimisch fühlt und auf Dauer bleiben möchte, hat man auch beim Wasser- und Schifffahrtsamt, Außenbezirk Verden, notiert. „Im Bereich Rethem ist er schon vor drei Jahren angekommen. Nun hat er Verden entdeckt“, so Reinhold Tegtmeier, Leiter der Außenbezirksstelle Verden, mit Sitz am Allerufer. Tegtmeier nimmt die Ansiedlung des Nagers mit norddeutscher Gelassenheit. „Der Biber steht unter Schutz, also lassen wir ihn in Ruhe gewähren.“ Dazu gehört auch die Berufung des Nagers, Bäume zu fällen. „Darf er machen, solange die Stämme ans Ufer fallen“, sagt Tegtmeier. „Landen die Bäume im Wasser, müssen wir natürlich eingreifen, schon allein um Wassersportler und andere Nutzer der Aller zu schützen.“

Wasser- und Schifffahrtsamt: Der Biber steht unter Schutz, also lassen wir ihn in Ruhe gewähren

Haben entlang der Aller immer wieder Spuren des Bibers entdeckt: Hannelore Heider und Axel Seevers sind regelmäßig mit dem Ruderboot „Liek ut“ unterwegs.

Gefällte kleinere Bäume oder Bissspuren, all das hat Tegtmeier gesehen, den Biber selbst aber noch nicht. „Wir gucken natürlich, aber die Chance, ihn bei Tage zu erwischen, ist eher gering.“ Auch einen Unterschlupf des Nagers, seinen Bau oder sogar eine Biberburg, haben die Mitarbeiter des Wasserschifffahrtsamtes noch nicht gesichtet. „Die starke Strömung der Aller dürfte es dem Tier schwer machen, seine Behausung zu verankern. Vielleicht sitzt er im ruhigeren Gewässer der Alten Aller, wo er sich sicher fühlen kann“, so eine Vermutung von Tegtmeier.

In der Roten Liste steht er in der Gefährdungskategorie V

Sicher, daran lässt Leonie Jordan keinen Zweifel, soll sich der Biber auf Dauer in Verden fühlen. „Die Nager, das dürfte aber ja allgemein bekannt sein, stehen unter Naturschutz“, so die Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Weser-Mitte. „Der Biber ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz sogar eine streng geschützte Art. In der Roten Liste steht er in der Gefährdungskategorie V, das heißt, auf der Vorwarnliste bei den Arten, die merklich zurückgegangen, aber aktuell noch nicht gefährdet sind“, erklärt Jordan. In naher Zukunft sei eine Einstufung in die Kategorie „Gefährdet“ wahrscheinlich, ergänzt die Nabu-Sprecherin.

Dass sich der Biber in Verden wohlfühlt, sei nicht ungewöhnlich. Ist seine Rückkehr ein Beleg für die Qualität des Wassers? „Es hat sich gezeigt, dass die Tiere hinsichtlich der Wahl ihres Lebensraums flexibel sind. Allein die Grundbedürfnisse von Wasser und Nahrung müssen erfüllt sein“, weiß Jordan. „Wie kaum ein anderes Tier ist der Biber in der Lage, seine Umgebung nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. Deshalb nennt man ihn völlig zu Recht auch Landschaftsarchitekt oder Baumeister“, sagt Jordan. „Es kann also sogar andersherum sein – der Biber steigert durch seine Aktivitäten die Gewässerqualität.“

Blick vom Verdener Ruderverein über die Aller. Dort irgendwo muss sich der Nager niedergelassen haben. Ob er auch unter der Wasseroberfläche gearbeitet hat oder dort seinen Bau hat, ist nicht zu sehen.

Seit knapp einem Jahr führt Jordan das Büro in der Strukturstraße in Verden. Tritt sie vor das Haus, fällt ihr Blick auf die Aller und sie könnte den Biber bei der Arbeit überraschen. „Wäre schön, ist mir bislang allerdings noch nicht passiert.“ Sie sieht den neuen Bewohner als Bereicherung von Flora und Fauna und Beleg dafür, dass es dem Fluss gut geht. „Wir sollten daher alles dafür tun, dass sich die Nager hier wohlfühlen“, betont Jordan

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Der Biber lebt in Familienverbänden

Nachdem der Biber in Niedersachsen im Jahr 1856 ausgerottet wurde, findet das größte einheimische Nagetier seit Anfang des 21. Jahrhunderts allmählich seinen Weg zurück in die Heimat. „Der Biber kommt aus Richtung Celle die Aller flussabwärts nach Norden und ist circa seit 2016 hier bei uns in der Region angekommen“, weiß Leonie Jordan, Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Weser-Mitte. Ausgewachsene Biber wiegen zwischen 23 und 30 Kilogramm und werden von Kopf bis zum Rumpf 83 bis 102 Zentimeter. Hinzukommen Schwanzlängen von 30 bis 35 Zentimetern. In Deutschland leben inzwischen wieder mehr als 30 000 Biber. Die Reviere haben sich die Tiere durch Wanderungen wieder erschlossen, teilweise wurden sie aber auch gezielt angesiedelt. Biber sind monogam, sie gehen eine lebenslange Einehe ein. Nur wenn einer der Partner stirbt, sucht der Überlebende sich einen neuen Partner. Die Tiere leben in Familienverbänden, die aus den Eltern und dem ein- und zweijährigen Nachwuchs bestehen. Die Nager sind reine Pflanzenfresser und nutzen die in ihrem Lebensraum häufigsten Pflanzenarten, in der Vegetationsperiode nehmen sie neben jungen Trieben und Blättern von Weichhölzern auch Gräser und krautige Pflanzen regelmäßig auf. Biber halten weder Winterschlaf noch Winterruhe, sondern sind auch in der kalten Jahreszeit im Wasser und an Land aktiv, um sich mit Nahrung zu versorgen.

Fleißig abgearbeitet: An der Aller hat der Biber am Stamm der Erle kräftig genagt.

Wer Biberspuren

entdeckt, kann sie beim Nabu-Beauftragten Ulrich Hinze, Telefon 04231/63741, melden.

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