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Wildwuchs bei den Wärmepumpen im Kreis Verden

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Von: Heinrich Kracke

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Anlagen zur Erdgasförderung
Noch in der Bevölkerung umstritten, künftig als Lösung bei der Wärmeversorgung im Gespräch: Erdgasförderung in Verden-Scharnhorst. © Kracke

Schattenseite der schönen neuen Energien: Die wachsende Anzahl Wärmepumpen droht inzwischen zu Nachbarschaftsstreits zu führen. Der Landkreis Verden will in Kooperation mit anderen die Erneuerbaren Energien kanalisieren.

Verden – Viele Neubauten sind inzwischen mit einer Wärmepumpe ausgerüstet, der Gasanschluss gehört zunehmend der Vergangenheit an. Klingt eigentlich gut. Aber der Teufel steckt im Detail. „Bei den Wärmepumpen entwickelt sich eine Art Wildwuchs“, stellte Landrat Peter Bohlmann in öffentlicher Sitzung fest. „Da droht der eine Nachbar dem anderen die Wärme unterm Haus wegzuziehen.“ Intelligente Lösungen seien gefordert. Gut möglich nun, dass Hilfe von außen kommt. Der Landkreis Verden hat sich mit den Landkreisen Diepholz und Nienburg zur Zukunftsregion Mitte-Niedersachsen zusammengeschlossen. Eine Größenordnung, die den Zugriff auf Gelder der EU zulässt. „Allein für einen ersten Schritt stehen 12,5 Millionen Euro auf dem Spiel“, so der Landrat. Die erstmals mit konkreten Auswirkungen befasste Politik nahm die Ausführungen im Wirtschafts- und Planungsausschuss des Landkreises zustimmend zur Kenntnis. „Ein wegweisendes Projekt“, sagte etwa Dörte Liebetruth (SPD).

„Für das neue EU-Förderprogramm sollen zwei Handlungsfelder erarbeitet werden. Mobilität gehört nicht dazu“, erläuterte Verena Lorenz vom federführenden Beratungsbüro Sweco den Weg zu den EU-Töpfen. Gegenwärtig filtere man die Projekte heraus. Bis Ende Juni müssen die Zukunftsprojekte formuliert und abgegeben werden, im September falle die Entscheidung, ob tatsächlich gefördert wird. Bis 2027 stünden die Mittel zur Verfügung.

Die beiden Hauptthemen, die aufgegriffen und später in kreisübergreifenden Projekten weiterentwickelt werden sollen, klingen nicht sonderlich spannend. Es geht um Kreislaufwirtschaft und um Erneuerbare Energien. Als dritte Alternative komme der Schienenverkehr hinzu. Ins Eingemachte geht es aber bei den Unterthemen. Im Bereich Erneuerbare Energien etwa die Geothermie. Wie umgehen mit der wachsenden Anzahl Wärmepumpen? Eignen sich beispielweise die Bohrlöcher stillgelegter Erdgasförderungen, Wärme aus großer Tiefe zu holen? Meinungen kamen schon in der Sitzung ans Licht. „Letztendlich droht damit eine Erdbebengefahr, wie wir sie bei der Erdgasförderung erleben“, sagte Bohlmann. Oder die nächste Überlegung: Muss in Neubaugebieten jeder Häuslebauer eine eigene Wärmepumpe in den Boden spülen lassen, mit vorprogrammiertem nachbarschaftlichem Streit, noch ehe die ersten eigenen vier Wände bezogen sind? Oder macht eine Gemeinschaftsanlage mehr Sinn? Fragen, auf die in regionalen Projekten gewiss Antworten gefunden werden.

Gleiches gilt für die Kreislaufwirtschaft, die Nachhaltigkeit. Sweco-Vertreterin Lorenz brachte die nachwachsenden Rohstoffe ins Spiel, und hier die Paludi-Kultur. Gemeint sind damit Moorlandschaften, die nicht weiter zurückgedrängt werden, sondern deren Pflanzen als Rohmaterial für Bau- und Dämmstoffe dienen, für Briketts, Pellets oder Biogas, ohne dass der Moorlandschaft Schaden zugefügt würde. Und selbst das Thema Schienenverkehr, so es denn noch zum Zuge käme, eröffnet interessante allgemeine Chancen. Da kann es um die Wasserstoff-Rangierlok gehen oder um ein Zusammenspiel von Öffentlichem Personennahverkehr und Paket-Lieferservice.

Noch befinden sich all diese Themen im Stadium der Entwicklung. In Expertenrunden, von denen einige schon gelaufen sind, und andere noch folgen, sollen sich genaue Zuschnitte für einzureichende Förderprojekte herauskristallisieren. Einige Antworten liegen dennoch schon vor. Einzelanträge können nicht von Einzelunternehmen gestellt werden, es müssen größere Zusammenschlüsse sein, ein öffentliches Interesse müsse vorhanden sein, heißt es. Und auch komplette Erstattungen aus Brüssel wird es nicht geben. Projekte aus dem Landkreis Verden werden wegen dessen Zugehörigkeit zum ehemaligen Bezirk Lüneburg, zum seinerzeitigen Fördergebiet der EU also, mit 60 Prozent bezuschusst, Projekte aus den beiden anderen Landkreisen immer noch mit 40 Prozent.

Die Lenkungsgruppe, die die Projekte formuliert, ist paritätisch mit Vertretern aller drei Landkreise besetzt. Aus der Region Verden/Achim übernehmen Landrat Bohlmann, Thedinghausens Bürgermeisterin Anke Fahrenholz, Arbeitsagentur-Leiter Christoph Tietje und der Verdener IHK-Geschäftsstellenleiter Siegfried Deutsch diese Aufgaben.

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