Kneipp-Verein Verden bringt die Menschen in Bewegung

„Den Körper fordern, nicht überfordern“

Eine Gruppe Frauen und Männer steht auf einer Art Lichtung. Alle lassen ihre Arme nach rechts schwingen.
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Einfache Übungen unter freiem Himmel: Immer montags, von 15 bis 16 Uhr, wird im Verdener Bürgerpark geheiglt.

„Wer rastet, der rostet“, sagt der Volksmund. Und so befand es auch Sebastian Kneipp. Der Pfarrer verglich den menschlichen Körper mit einer Maschine. Sei diese zu lange der Witterung ausgesetzt und werden sie nicht verwendet, „so wird sie bald ihre Dienste versagen; sie wird zuletzt gebrechlich werden und zerfallen“, wird Kneipp zitiert. Wie gut, dass der Kneipp-Verein Verden seinen Mitgliedern jede Menge Angebote macht, um in Bewegung zu bleiben.

Verden –Neben Lebensgestaltung, Wasser, Heilkräuter und Ernährung ist daher die Bewegung ein wichtiges Element der Kneipp’schen Lehre. Und entsprechend breit ist der Kneipp-Verein Verden gerade auf diesem Gebiet aufgestellt.

In diversen Kursen wird Gymnastik betrieben, gewalkt oder gewandert. So kann sich jeder, je nach Können, Konstitution und Neigung, etwas Passendes heraussuchen.

Keine Frage, auch zum Pressegespräch kommt Günter Bischoff mit dem Fahrrad.

Günter Bischoff führt seit Jahren die Radler an – und macht das Tempo. In gemäßigten 12 bis 15 Stundenkilometern geht es durch die Region, abwechselnd auf große Tour über 60 Kilometer und auf die kürzere Distanz von 30 Kilometern. Aber immer mit Einkehr zu Kaffee und Kuchen. Und für Günter Bischoff allein mit Körperkraft. Obwohl unter den Teilnehmern die Zahl der E-Bike-Fahrer steigt, wie er schmunzelnd berichtet, bleibt er seinem Drahtesel treu. Sein Sohn habe ihm zum Vatertag deshalb mal ein T-Shirt geschenkt mit dem Aufdruck „Ich fahre ohne Akku Rad. Weil ich es kann!“, verrät Günter Bischoff und klingt ein wenig stolz.

„Ich fahr vorneweg – und die anderen kennen den Weg nicht“, scherzt der 79-Jährige. Dass der Verdener fast 80 Lenze zählt, sieht man ihm keineswegs an. „Gut gehalten“, lobt ihn Gisela Schneermann. „Das kommt vom vielen Radfahren“, ist sich Hannelore Mosler sicher.

Die beiden Frauen, ebenfalls überzeugte Kneippianerinnen und Gruppenleiterinnen, haben sich an diesem Vormittag mit der zweiten Vorsitzenden Susanne Meyer und Günter Bischoff im Vereinsdomizil, dem Scharfrichterhaus am Piepenbrink, getroffen, über ihre Angebote zu berichten. Kurse in Funktions- und in Stuhlgymnastik sind es bei Hannelore Mosler. Bei Gisela Schneermann wird jeden Montag im Bürgerpark geheiglt, eine Konditionstherapie, entwickelt von Heinz Heigl.

So wichtig wie der Sport: der Kontakt untereinander

So unterschiedlich die Aktivitäten und dementsprechend auch die Nutzer sind – in einem sind sich die drei Übungsleiter einig: Die Teilnehmer kommen nicht nur des Sports wegen. Mindestens genauso wichtig ist allen der Kontakt zu anderen. Die Gemeinschaft täte den Menschen genauso gut wie die Bewegung, ist Hannelore Mosler überzeugt.

Die 73-Jährige ist selber erst spät zum Sport gekommen, hat gar erst mit 70 den Übungsleiterschein gemacht. Beim SV Eitze fungiert sie als Fachwartin der Turnabteilung; im Kneipp-Verein leitet die temperamentvolle Allgäuerin Gymnastikkurse. Und die sind nun nach langer Zwangspause endlich wieder losgegangen. Ab jetzt im Mehrgenerationenhaus am Hoppenkamp 6.

Ein paar Tage nach dem Pressegespräch treffen sich zehn Damen und Herren, um gemeinsam in Schwung zu bleiben. Das geht auch im Sitzen, ist vor allem für diejenigen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, eine gute Gelegenheit, sich zu bewegen und die Koordination von Armen und Beinen zu trainieren.

Übungsleiterin Hannelore Mosler (Mitte) hält die Gruppen mit Stuhl- und Funktionsgymnastik in Schwung.

Hannelore Mosler hat an diesem Montagnachmittag bunte Tücher mitgebracht. Jeder bekommt ein solches Stück Stoff, noch schnell Musik an und dann geht es auch schon los. Von Kopf bis Fuß wird in der halben Stunde alles durchgearbeitet. Jeder macht so schnell mit, wie er kann. „Aber alle gehen verjüngt wieder nach Hause“, sagt Hannelore Mosler.

Geheiglt wird bei Wind und Wetter

Auch die Heigler treffen sich montags, bei Wind und Wetter sind sie im Verdener Bürgerpark aktiv. Das Bewegen unter freiem Himmel ist Teil der Heigl’schen Lehre. „Man sucht sich einen schönen Platz in der Natur, auf gewachsenem Boden, und macht einfache Übungen, die eigentlich fast jeder kann“, beschreibt Gisela Schneermann diesen sanften Sport, der wegen seiner Einfachheit so gut zu Kneipp passt. Bequeme Kleidung genügt, Geräte braucht es nicht. „Heigl ist davon ausgegangen, dass wir das wertvollste Turngerät sind, das wir haben“, verweist Gisela Schneermann auf den Körper.

Dehnen, Strecken und Schwingen wechseln sich ab. Das Stehen auf einem Bein fördert das Gleichgewicht, die Rumpfbeugen machen elastisch. Und dabei stets das gleichmäßige Atmen nicht vergessen. „Den Körper fordern, aber nicht überfordern“, lautet die Devise der Heigl-Übungsleiterin. „Man guckt: Wie ist die Gruppe, was kann ich ihr zumuten?“, erklärt sie. Das jeweilige Programm richte sich dann danach, „dass jeder sein Erfolgserlebnis hat“.

„Für mich ist es wichtig, Lebensfreude zu verbreiten“, sagt Gisela Schneermann. Hannelore Mosler und Günter Bischof nicken zustimmend. „Bewegung ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch gut für den Geist“, stellt Bischof fest. Er ist das beste Beispiel dafür.

Die letzte Folge: Der Kneipp-Verein feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen, Sinnstifter und Namensgeber Sebastian Kneipp wäre 200 Jahre alt geworden. Dies nahmen wir zum Anlass, monatlich Aktivitäten des Vereins vorzustellen. Die Serie orientierte sich an den fünf Elementen, die die Lehre Kneipps ausmachen: Lebensgestaltung, Wasser, Heilkräuter, Ernährung und Bewegung.

Von Katrin Preuss

Neue Mitglieder und Ehrenamtliche gesucht

Die Lehren Sebastian Kneipps durchdringen alle Lebensbereiche. Entsprechend breit aufgestellt ist auch der Kneipp-Verein Verden mit seinem Programm. Die Angebote reichen von Sportkursen wie Wasser-Gymnastik, Yoga, Nordic Walking oder Wandern über Geselliges wie Kartenspiel, Bridge und Boule bis hin zum Besuch kultureller Veranstaltungen. Neue Mitglieder sind dem Verein ebenso willkommen wie neue Übungsleiter. Wer sich informieren möchte, kann die Internetseite unter www.kneipp-verein-verden.de besuchen oder die Sprechzeit dienstags, 10.30 bis 12 Uhr, im Scharfrichterhaus, Piepenbrink 1, Telefon 04231/3890, nutzen.

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