Das Familienfest droht mit Gewalt

Gerade die Feiertage machen die Entscheidung schwer, aus dem Haushalt zu fliehen. Dennoch nimmt an diesen Tagen die Gefahr von häuslicher Gewalt zu. Die Belastung und der Stress in der Corona-Krise haben die Situation noch verschärft.
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Gerade die Feiertage machen die Entscheidung schwer, aus dem Haushalt zu fliehen. Dennoch nimmt an diesen Tagen die Gefahr von häuslicher Gewalt zu. Die Belastung und der Stress in der Corona-Krise haben die Situation noch verschärft.

Weihnachten ist das große Familienfest des Jahres. Eltern und ihre Kinder, aber auch die Mitglieder der übrigen Verwandtschaft kommen mit hohen Erwartungen zusammen. Nicht immer passen die mit dem zusammen, was tatsächlich passiert und da können die Nerven schon mal blank liegen.

Verden – Das Fest der Harmonie schlägt schnell in Gewalt um. Ein Phänomen, das alljährlich in krassem Widerspruch zur christlichen Botschaft von Frieden und Versöhnung steht. Und weil die Gewalt in Familien fast immer von Männern ausgeht, haben die Frauenhäuser Hochkonjunktur und die Polizei unruhige Feiertagsdienste. Ulla Schobert, Geschäftsführerin im Verdener Frauenhaus, beobachtet das seit Jahren und Polizeisprecherin Sarah Humbach kann bestätigen, dass sich genügend Kollegen darauf einstellen, schnell einschreiten zu können.

„Zu keiner Zeit im Jahr flüchten sich mehr Frauen, oftmals mit ihren Kindern, in Frauenhäuser als an Weihnachten.“ Das hat André Schulz, damals Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) 2017 in einem Zeitungsinterview gesagt. Auch wenn es drei Jahre alt ist, hat sich an der Einschätzung nicht viel geändert. Gerade im Corona-Jahr sei die Gefahr besonders groß, warnte dieser Tage Bundesfamilienministerin Franziska Giffey.

„Oft ist der Zulauf vor und direkt nach Weihnachten gar nicht mal nicht so groß“, ist die Erfahrung von Frauenhausleiterin Ulla Schobert. „Da steht der Wunsch der Frauen dahinter, dass das Familienfest noch irgendwie gelingen möge.“ Dazu würden die Frauen häufig versuchen, die Gewalt und die Gefahr auszuhalten. Gerade an Weihnachten die Familie zu verlassen oder mit den Kindern die Flucht zu ergreifen, sei eine Entscheidung, die noch schwerer fällt als sonst.

Dass das die Probleme aber nicht löst, zeige sich dann meist Anfang Januar, weiß Ulla Schobert aus vielen Jahren Erfahrung. Dann suchen die Opfer von häuslicher Gewalt doch die Hilfe im Frauenhaus. Bereits jetzt seien die Aufnahmekapazitäten im Verdener Schutzhaus begrenzt, berichtet die Geschäftsführerin. „Wir haben gerade noch Platz für eine Frau mit Baby“, gibt sie die Belegung wieder. Auch wenn die Zimmer in der Verdener Einrichtung belegt sind, bedeutet das nicht, dass eine schutzsuchende Frau abgewiesen wird. Da hilft die Vernetzung der Frauenhäuser untereinander weiter.

An allen Festtagen wird der Frauennotruf, Telefon 04231/961970, besetzt sein, und mit Bereitschaft und eingeschränktem Dienst würden Frauen immer Hilfe finden, berichtet Schobert. Gründe nicht zu reagieren, gebe es also nicht, wenn man Zeuge von häuslicher Gewalt wird.

Die Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt, BISS, wird nicht besetzt sein. Schon in der Pilotphase, als in Verden die Anlaufstelle eröffnet wurde, hätten die Fachfrauen festgestellt, dass in diesen Tagen keine Beratung gesucht wird, berichtete Schobert. Allerdings habe sie die Erfahrung gemacht, dass bei der BISS-Stelle zwischen den Jahren die Hinweise der Polizei auf häusliche Gewalt häufiger auflaufen. Die Stelle arbeitet eng mit den Ordnungskräften zusammen, berät und betreut die Opfer von Gewalt, wenn die Beamten über die 110 gerufen wurden und einschreiten mussten.

Die Ordnungshüter werden an den Feiertagen eine erhöhte Präsenz zeigen. Das konnte Polizeisprecherin Sarah Humbach schon einmal ankündigen. Ein Anlass sei dabei, dass ihre Kollegen verstärkt auf die Einhaltung der Corona-Regeln achten sollen. „Aber sie sind dann natürlich auch für jede andere Situation einsatzbereit“, machte Humbach deutlich.

Von Ronald Klee

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