Gespräch mit Dorota Domnik von Aldi

Einkaufen zu Corona-Zeiten: Mitarbeiter in Lebensmittelmärkten weiterhin stark gefordert

Haben wie ihre Kollegen auch in anderen Lebensmittel- und Drogeriemärkten viel zu tun: die stellvertretenden Filialleiterinnen Helena Liebau (l.) und Dorota Domnik. Foto: Niemann
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Haben wie ihre Kollegen auch in anderen Lebensmittel- und Drogeriemärkten viel zu tun: die stellvertretenden Filialleiterinnen Helena Liebau (l.) und Dorota Domnik. 

Verden - Während die meisten Einzelhandelsgeschäfte in der Corona-Krise schließen mussten, wird in den Supermärkten und Discountern bereits in der dritten Woche unter Volldampf gearbeitet. Die Beschäftigten sind bis an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit gefordert. Menschen wie Dorota Domnik, stellvertretende Filialleiterin im Aldi Markt an der Bremer Straße.

Fragen sie sich noch, was Kunden mit den ganzen Lebensmitteln und dem Klopapier anfangen, das sie seit Wochen kaufen? Domnik lacht. „Dazu bleibt gar keine Zeit. Das Team hier im Markt zählt zehn Mitarbeiter, und wir alle wissen um die besondere Situation, die derzeit herrscht. Wir haben teils sogar Verständnis für das Verhalten der Kunden, für Panik und existenzielle Ängste. Und so fragen wir uns höchstens, wann sie damit beginnen werden, die Vorräte auch aufzuessen.“

Dorota Domnik erzählt, dass bei den Kunden bereits eine Veränderung festzustellen sei und die Hamsterkäufe rückläufig wären. Aber der Aldi-Markt habe die Abgabe von besonders stark nachgefragten Artikeln wie Mehl, H-Milch oder Toilettenpapier inzwischen reglementiert und verkaufe diese nur noch in haushaltsüblichen Mengen. „Ware ist im Grunde genommen ausreichend vorhanden, nur bei ganz wenigen Artikeln wird es noch eng.“

Kunden reagierten mit Unverständnis auf Einschränkungen

Nach dem Verhalten der Kunden befragt, erstaunt die Antwort: „Anfangs haben nicht wenige Kunden mit Unverständnis auf die durch Corona bedingten Einschränkungen im Markt reagiert. Es gab viele Debatten, und wir wurden auch schon mal wenig unschön angemacht. Aber mittlerweile haben die meisten Kunden ihr Verhalten den Gegebenheiten angepasst. Sie sind ruhiger und entspannter geworden, halten den gebotenen Abstand beim Einkauf und an den Kassen ein und folgen unseren Anweisungen.“ Zur Unterstützung sei mittlerweile der Mitarbeiter eines Security-Unternehmens im Markt. Er hat ein Auge auf die Einhaltung der Vorschriften.

Kundin backt Kuchen für Mitarbeiter im Aldi Markt

Gibt es auch schon mal Lob von Kunden? „Ja, oft. Es ist so, dass unser vor Corona doch eher unterschätzter und oft auch belächelter Beruf so etwas wie eine Aufwertung erfährt. Wir erhalten neben dem positiven Feedback durch unseren Arbeitgeber auch reichlich Zuspruch und Lob von den Kunden, was sich bei allem Stress sehr positiv auf die eigene Motivation und auf den Spaß an der Arbeit auswirkt. Manche Kunden bringen uns Süßigkeiten vorbei, und eine Kundin hat uns sogar einen Kuchen gebacken.“

Mitarbeiter in Lebensmittelmärkten: Helden der Corona-Krise?

Dass sie zuweilen als Helden in der Corona-Krise bezeichnet werden, mag Domnik allerdings nicht hören. „Helden, das sind für mich ganz andere Menschen“, sagt sie und verweist auf die Mitarbeiter des Putzdienstes, die aktuell mehrmals täglich den Discounter reinigen.

Auch Michael Strothoff, Spezialist für Unternehmenskommunikation und Aldi-Pressesprecher, sagt, dass man sich bei Aldi bewusst sei, was die Mitarbeiter leisteten. Die Warenlager seien gut gefüllt und die Versorgung auch weiterhin sichergestellt, zumal die Liefermenge an die veränderte Nachfrage angepasst wurde.

Dauer der Einschränkungen und Reglementierungen ungewiss

Keiner weiß, wie viele stressige Wochen noch vor den Mitarbeitern liegen, wie lange sie im Kassenbereich hinter Acrylglas sitzen müssen. „Wichtig ist, dass wir ein gutes Team sind, das sich gegenseitig unterstützt“, meint Dorota Domnik.

Und nach Corona? „Dann bekomme ich hoffentlich Urlaub, damit ich meine Mutter in Polen besuchen kann, was mir aktuell wegen der Quarantäneauflagen leider nicht möglich ist.“

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