Dankbar für jeden Tag

Cristina Fernández hat die Erinnerungen an ihre Schwester aufgeschrieben.  
Foto: wienken
+
Cristina Fernández hat die Erinnerungen an ihre Schwester aufgeschrieben. Foto: wienken

Ihre gesamte Kindheit und Jugend waren Cristina und Graciela Fernández unzertrennlich. Fast wie Zwillinge, liegen doch nur zehn Monate Altersunterschied zwischen den beiden. Auch als erwachsene Frauen blieb der Kontakt innig. Bis zum Schluss. 2016 starb Graciela an Krebs. Über den langen, auch schmerzvollen Weg gibt es einen Briefwechsel der beiden Frauen, der dennoch Mut macht.

Verden – Alles haben Graciela und Cristina geteilt. „Wir sind nicht nur Geschwister, wir waren die allerbesten Freundinnen“, erinnert sich Cristina an ihre ältere Schwester. Doch was heißt schon „ältere Schwester“. Nur zehn Monate trennen die beiden, die nacheinander im Jahr 1967 und 1968 auf die Welt kamen. „Vielleicht ein Grund mit dafür, dass wir unser Leben lang so eng miteinander waren. Für viele Außenstehende manchmal schon ein bisschen unheimlich.“ Cristina Fernandez lacht dabei, wenn sie es erzählt. Es sind nur schöne Erinnerungen, die sie an ihre frühe gemeinsame Kindheit und Jugend mit ihrer Schwester hat.

2004 wurde der Krebs bei Craciela festgestellt. Für die Familie, für die beiden Schwestern brach eine Welt zusammen. Doch die Bedrohung ließ sie, obwohl die eine in Verden, die andere in Köln ihren Lebensmittelpunkt hatte, noch enger zusammenrücken. „So oft es ging, bin ich zu meiner Schwester gefahren“, erinnert sich Cristina Fernández.

Die Schwestern schreiben sich regelmäßig. lustige, aber auch traurige Zeilen, die auch immer wieder von unerschütterlicher Hoffnung und Lebensmut zeugen. „Graciela war sehr stark“, so Fernandez. „Für sie sollte es ein sehr langer Krankheitsweg werden; 13 Jahre ein ewiges Auf und Ab.“

Das spiegelt sich auch in den ganz persönlichen Erfahrungen wider, die Cristina Fernández beschreibt. „Mal fühlte sie sich verloren, aber dann folgten auch wieder entspannte Monate, in denen allmählich ihre schönen braunen Haare nach der Chemo wieder wuchsen“, beschreibt die Autorin. „Oft machten wir uns in der frischen Flaumwachstumsphase lustig über die neuen Perücken, die ihr übergangsweise über den Berg halfen.“

Erinnerungen, von denen die Autorin noch gerne erzählt, die den Lebenswillen und -mut ihrer Schwester beschreiben. Und da ist dann eben auch der Titel des Buches, der diesen Lebenswillen, die Lust am Reisen, wiedergibt. „Hauptsache, es geht mir gut“, was zunächst angesichts der Leidensgeschichte ein bisschen widersinnig scheint, erfüllte Graciela Fernández sogar im Verlauf ihrer Krankheit mit Inhalt. „Das ist wohl das besondere und Außergewöhnliche an dieser starken und und wunderbaren Schwester gewesen: Den heutigen Tag wertzuschätzen und ihn als ,gut’ einzustufen, zu sagen, ,es geht mir gut’. Und das angesichts der fatalen und unfassbaren Krankheitstage“, beschreibt die Autorin.

Es ist dies der Kerngedanke, der Cristina Fernández angetrieben hat, das Buch über ihre verstorbene Schwester, die mal kürzeren, mal längeren Briefwechsel einzuarbeiten und zu veröffentlichen. „Wir sollten dankbar sein, dass wir leben, unser Dasein selbst gestalten und unseren Weg gehen können. Jeden Tag nutzen, sein Ding machen“, so die Aufforderung von Fernández.

Es war die Lebensphilosophie ihrer Schwester, die dann, obwohl schon schwer krank, noch mit einem Wohnmobil durch Frankreich nach Spanien reiste, weitere Urlaube plante und sich – gegen den Rat der Ärzte – immer wieder auf den Weg machte. Gardasee, Korsika oder Sardinien, mit Ehemann und Hund unterwegs, Besuche in Verden bei den Verwandten, immer mal wieder ein bisschen Hoffnung auf „mehr Leben“.

Viel Zeit blieb ihr leider nicht mehr. Ihr ging es zunehmend schlechter, der Krebs hatte gestreut. Am 22. Dezember 2016 ist Graciela Fernandez in Köln gestorben. „Es musste ja irgendwann so kommen – und trotzdem habe ich noch auf ein weiteres Wunder spekuliert“, hatte sie noch in einem letzten Brief an Freunde geschrieben. „Auch dass passte zu meiner starken Schwester“, so Cristina Fernández.

Info

Das Buch „Hauptsache es geht mir gut – Erinnerung an Graciela“ von Cristina Fernandez, gibt es in der Buchhandlung „Vielseitig“, Große Straße 13 in Verden

Von Markus Wienken

Ein Buch für Graciela.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Mit der App auf Motorrad-Tour

Mit der App auf Motorrad-Tour

Meistgelesene Artikel

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Sogar Tennis-Ikone Rittner verstummte

Sogar Tennis-Ikone Rittner verstummte

Die duftende Königin

Die duftende Königin

Kampf um gleiche Rechte im Verein

Kampf um gleiche Rechte im Verein

Kommentare