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Ukraine-Krieg lässt Preise hochschnellen: Baumärkte ziehen erste Reißleine

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Von: Heinrich Laue

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Nicht nur Firmen aus dem Baubereich wie Dachbau Püllmann in Verden leiden unter den Preisexplosionen im Energiesektor und bei Rohstoffen, die letztlich über Produktions- und Transportkosten auch die Kundschaft treffen.
Nicht nur Firmen aus dem Baubereich wie Dachbau Püllmann in Verden leiden unter den Preisexplosionen im Energiesektor und bei Rohstoffen, die letztlich über Produktions- und Transportkosten auch die Kundschaft treffen. © Laue

Schon die Pandemie ließ auch die Preise für Baustoffe nach oben schnell. Der Krieg in der Ukraine setzt jetzt noch einen drauf, auch im Landkreis Verden.

Landkreis – Preisliche Abmachungen mit Lieferanten gelten wegen explodierender Energiekosten oft nach kurzer Zeit nicht mehr. So erhöhte eine Firma aus Polen wegen der teuren Transporte ihre Preise für Dachpfannen derart, dass die Ware Baumärkten aus der hiesigen Region als kaum noch verkäuflich erschien und zurückgewiesen wurde. Folge: Die Produktionsfirma im Nachbarland ist vorläufig stillgelegt.

Über den Fall berichtete jetzt Ante Brekenfeld, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Verden – als Beispiel für die aktuell gespannte Lage im Bereich der energieintensiven Baumaterialien-Produktion. Bei Baustahlmatten zeigten sich ähnliche Tendenzen.

Die hätten sich aber schon vor dem Ukrainekrieg wegen der mangelnden Gasreserven zur Produktion abgezeichnet, macht Miles Lück von der Verdener Dachbaufirma Püllmann deutlich. Bei einigen Dachziegelherstellern gebe es jetzt sogar bis Juni Annahmestopps für Bestellungen. In den kommenden Monaten sei daher mit weiteren Lieferproblemen und Preisaufschlägen zu rechnen.

Noch ist den allgemeine Auftragslage gut

„Das macht es für uns nicht gerade leichter, neue Kundenaufträge zu generieren“, bedauert Miles Lück. Zurzeit sehe die allgemeine Auftragslage aber trotz einiger Materialausfälle noch gut aus, berichtet Kreishandwerkschaftsgeschäftsführer Brekenfeld über die Betriebe in seinem Zuständigkeitsbereich.

„Es kommt sehr darauf an, wie lange der Krieg noch dauert und wie der Frieden danach aussieht.“ Das betont Siegfried Deutsch von der Geschäftsstelle Verden der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade auf die Frage nach Auswirkungen des Dramas in der Ukraine auf die Wirtschaft im Landkreis Verden und in den Nachbarkreisen.

Preissteigerungen im heutigen Ausmaß seien noch vor ein paar Wochen nicht vorstellbar gewesen. Sie beträfen natürlich nicht nur private Kundinnen und Kunden an Tankstellen, sondern vor allem auch jedes Unternehmen, das Fahrzeuge im Einsatz habe. Nicht nur die Lkw der Speditionen, sondern auch Fahrten mit Autos von Taxifirmen, ambulanten Pflegediensten und anderen Einrichtungen würden immer teurer. Ebenso seien alle betroffen, die mit motorisierten Untersätzen täglich zur Arbeitsstelle pendeln.

Trotz aller Mehrbelastungen habe er aber bisher noch keine Gespräche mit Unternehmern geführt, die durch diese Umstände vor einer Insolvenz ständen, hebt Siegfried Deutsch hervor. Auch von Einschränkungen des Geschäftsbetriebs oder Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen habe er noch nichts gehört.

Nur wenige Geschäftsbeziehungen mit Russland und der Ukraine

Geschäftliche Beziehungen mit Ukraine oder Russland hielten sich bei Firmen im hiesigen IHK-Bezirk aber auch in Grenzen oder seien schon seit Jahren von Sanktionen betroffen und darauf eingestellt. Mit entscheidend sei im Übrigen, wie sich ein Unternehmen organisiere, aus welchen Quellen es Rohstoffe beziehe und wie die jeweils gültigen Verträge abgeschlossen und befristet seien. Wer jetzt gerade alles neu verhandeln müsse, habe es natürlich nicht leicht.

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Liquiditätskredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aus Berlin würden zwar helfen, Menschen weiter zu beschäftigen – aber nicht für sehr lange. Umso wichtiger sei es, dass der Krieg schnell beendet werde, findet Siegfried Deutsch.

Bis dahin seien auch wirtschaftliche Auswirkungen auf andere Länder nicht wirklich genau zu beurteilen und eher „ein Blick in die Glaskugel“, gibt sich Deutsch zurückhaltend.

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