Keine Neuinfektion in der Einrichtung

Nach Corona-Ausbruch im Seniorenheim: Die Lage in Oyten hat sich entspannt

Mit zwei Neuinfizierten und neun genesenen Patienten sinkt die Zahl wieder.
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Mit zwei Neuinfizierten und neun genesenen Patienten sinkt die Zahl wieder.

Lange verlief die Pandemie im Landkreis Verden moderat. Das hat der Corona-Ausbruch in dem Oytener Seniorenheim abrupt geändert. Das Management im Kreishaus und im Krisenstab hat dann schnell und entschieden eingegriffen und ist so mittlerweile wieder Herr der Lage geworden. Zumindest in dem Rahmen, den das Virus zulässt.

  • Nach dem Coronavirus-Ausbruch in einem Pflegeheim in Oyten hat sich die Lage nun wieder entspannt
  • Weitere Pflegeeinrichtungen in Oyten wurden getestet: Glücklicherweise mit negativem Ergebnis
  • Gesundheitsamt hat mit Screening in den übrigen neun Pflegeeinrichtungen in Oyten begonnen: 500 Abstriche stehen noch aus

Nach Coronavirus-Ausbruch in Oytener Pflegeheim: Krisenstadt ist sofort aktiv geworden

Verden/Oyten – Nach 54 Neuinfektionen in den sieben Tagen bis zum Wochenende, wäre der Landkreis gefordert gewesen, einzugreifen. So hatten es Bund und Länder verabredet, wenn die kritische Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten wird. Das Land Niedersachsen hatte die Grenze schon bei 35 gezogen, aber auch die hat der Landkreis nicht abgewartet. Gleich nach dem Corona-Ausbruch war er mit dem Krisenstab aktiv geworden und hatte die Lage schon wieder im Griff, als die Infektionszahlen erst den Startschuss gaben. „Die Lage in Oyten hat sich mittlerweile entspannt“, stellt Landrat Peter Bohlmann fest.

Der Verwaltungschef zieht eine erste Bilanz: „Umgerechnet auf die 137 .000 Einwohner des Landkreises bedeuten die 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner 48 Neuinfizierte innerhalb einer Woche. Diese Zahl wurde einmal zwischen Freitag, 12. Juni, und Freitag, 19. Juni, um 6 übertroffen (insgesamt 54). Dass sich ein solcher Zahlensprung nicht wiederholte, ist auf die gute Präventionsarbeit des Landkreises und der Hilfsorganisationen, aber aktuell auch auf die erfolgreiche Eingrenzung und Eindämmung des Ausbruchs in Oyten zurückzuführen.“ Erst kürzlich gab es erst elf Neuinfektionen in der Pflegeeinrichtung.

Bei der Zahl des Landes Niedersachsen, 35 Neuinfektionen, handele es sich um eine Orientierungszahl, weil es um die Frage geht, ob und wie schnell ein Infektionsherd eingegrenzt werden kann. „Eine niedrigere Zahl mit einer hohen Streuwirkung könnte wesentlich problematischer werden, als ein Ausbruch in einer schnell isolierbaren Einrichtung.“

Nach Coronavirus-Ausbruch in Oytener Pflegeheim: Keine neue Neuinfektion in der Einrichtung

Deshalb handele der Landkreis wie in Oyten auch schon bei wesentlich geringeren Zahlen. So seien sofort alle Bewohnerinnen und Bewohner und die gesamte Belegschaft getestet worden, nachdem eine Pflegekraft ein positives Ergebnis erhalten hatte. Da Kontakte in andere Heime nicht ausgeschlossen werden könnten, seien in Oyten weitere Heime durchgetestet worden, „glücklicherweise mit negativem Ergebnis“.

In der betroffenen Einrichtung ist seit vergangenem Freitag keine Neuinfektion mehr aufgetreten, berichtete der Landkreis Verden gestern in einer Pressemitteilung. Eine bislang negativ getestete Pflegekraft sei am Samstag positiv getestet und gleich unter Quarantäne gestellt worden. „Damit sind insgesamt 32 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 15 Beschäftigte des Heimes mit dem Virus infiziert. Drei Bewohner befinden sich im Krankenhaus, eine Heimbewohnerin ist verstorben“, fasst das Gesundheitsamt zusammen.

„Trotz der massiven Personalausfälle konnte die pflegerische und medizinische Versorgung der Heimbewohnerinnen und -bewohner zügig sichergestellt werden“, berichtete die Krisenstabsleiterin und Erste Kreisrätin Regina Tryta. Das Heim habe über Zeitarbeitsfirmen mehrere Ersatzpflegekräfte engagieren können. Auf Betreiben des Krisenstabes hätten zudem acht Hilfskräfte von Rotem Kreuz und Johannitern in der vergangenen Woche das verbliebene Stammpersonal verstärkt. Zwei externe Pflegedienstleitungen – von einer Zeitarbeitsfirma und von der Aller-Weser-Klinik – hätten die Personalführung übernommen. Auch zwei Hygienefachkräfte von DRK und Feuerwehr hätten das Personal seit Donnerstag in den Hygieneschleusen unterstützt.

Nach Coronavirus-Ausbruch in Oyten: Weitere neun Pflegeeinrichtungen werden getestet

Ein flächendeckendes Screening habe das Land Niedersachsen bislang nicht vorgesehen. Ein neuer Erlass macht die Testungen aufgrund des Ausbruchs im Landkreis Verden nun möglich. So hat denn auch das Gesundheitsamt mit einem Screening der Beschäftigten in den übrigen neun Pflegeeinrichtungen in Oyten begonnen. Mobile Teams der Behörde haben Belegschaften abgestrichen und auf das Sars-CoV-2-Virus getestet. Hilfskräfte, darunter auch Soldatinnen und Soldaten einer Sanitätsstaffel aus Munster und des Fallschirmjägerregiments 31 in Seedorf, verstärken sie dabei. In einem der Heime wurden aufgrund mehrerer Fälle mit fiebrigen Symptomen auch sämtliche Bewohner abgestrichen. Erstes Zwischenergebnis der Behörde: „Sämtliche Proben aus den ersten drei getesteten Pflegeheimen, insgesamt 340 Proben, fielen negativ aus.“ Weitere 500 Abstriche und Testungen stehen noch aus.

„Mit diesem Monitoring gewinnen wir einen aktuellen Überblick über mögliche versteckte Infektionen in den Heimen vor Ort“, erklärt Amtsärztin Jutta Dreyer. „Das ist zwar keine Garantie vor Neuinfektionen, aber wir können umso schneller reagieren, je genauer wir die Virus-Situation in den Heimen einschätzen können.“

Das Virus komme von außen, betont Dreyer. Umso wichtiger sei, dass Mitarbeiter, Angehörige und Bewohner die Hygieneanforderungen strikt einhalten.„Der Corona-Ausbruch in Oyten macht deutlich, wie dünn das Eis ist. Wir dürfen uns angesichts der allgemeinen Verhaltenslockerungen nicht in der Sicherheit wiegen, das Virus im Griff zu haben“, warnt Peter Bohlmann. Lockerungen müssten in der Bevölkerung unbedingt mit der notwendigen Umsicht einhergehen. Deshalb sei es wichtig, auch weiterhin Abstand zu halten und Hygieneregeln zu beachten. „Je sensibler der berufliche Kontext ist, in dem sich Menschen bewegen – vom Pflegeheim über das Krankenhaus bis zur Polizei oder Unternehmen und Einrichtungen der Daseinsvorsorge – desto umsichtiger sollten die Menschen auch ihre privaten Kontakte im Blick haben“, rät der Landrat.  kle

Gleich nach dem positiven Test einer Mitarbeiterin legten Landkreis und Hilfsorganisationen los. Foto: Butt
25 Neuinfiziert in sieben Tagen. Die Entwicklung im Vergleich.

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