Fallzahlen niedrig

Corona im Landkreis Verden: Warnung vor Leichtsinn

Die Zahl der Erkrankungen bleibt mit 15 Infizierten weiter stabil. Die Grafik gibt den Verlauf seit dem 10. März (links) bis gestern (r.) wieder. Die Querstriche zählen zehn Fälle.

Auf weitere Lockerungen der Maßnahmen im Zuge der Pandemie darf sich die Bevölkerung freuen. Dennoch gilt es nach wie vor, auf Abstand zu bleiben. Die Fallzahlen im Landkreis Verden sind auf niedrigem Niveau stabil. „Das soll auch so bleiben und dafür wollen wir gemeinsam sorgen“, so Landrat Peter Bohlmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Ab Montag öffnen zudem weitere Schulen.

Landkreis – Die Pandemie hat das Land nach wie vor im Griff, deutlich rückläufige Infektionszahlen lassen es jedoch zu, die ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung zu lockern. So auch im Landkreis Verden. Dennoch warnen die Behörden, das bislang Erreichte fahrlässig auf’s Spiel zu setzen. Das macht auch Landrat Peter Bohlmann in einem Gespräch mit unserer Zeitung deutlich: „Die wirtschaftlich notwendigen Lockerungen im Hinblick auf Restaurationsbetriebe und andere Dienstleistungen bedeuten keine Entwarnung“, betont er. Nach wie vor gelte, dass Kontakte zu anderen nichtverwandten Personen auf ein Minimum zu begrenzen seien. Auch sei der zwingende Mindestabstände von 1,5 Meter zwischen Personen einzuhalten. „Das sind bleibende Herausforderungen für das Gemeinwesen, die beim Öffnen von weiteren Betrieben und Einrichtungen unbedingt zu beachten sind“, betont Bohlmann. Der Landrat denkt dabei auch an den schrittweisen Neustart der Schulen. Die Schulträger sind gewappnet, hätten darauf mit einem durchdachten Hygienekonzept reagiert. „Auch hier gilt, dass das Wichtigste der Abstand ist und danach die Handhygiene kommt. Kaltes Wasser ist vollkommen ausreichend“, sagt Bohlmann.

Eine anspruchsvolle Aufgabe ist der bevorstehende Ausbau der Notbetreuung an den Kitas. „Zu Beginn der nächsten Woche wird es dazu ein vorbereitendes Treffen mit den Städten und Gemeinden geben“, kündigt der Verwaltungschef an. Noch zu regeln ist, wer denn in die Notbetreuung darf. Kriterium sei, dass Kinder in die Notbetreuung dürfen, deren Eltern in einem Berufszweig von „öffentlichem Interesse“ arbeiten. Ausgestalten müssen diese unpräzisen Begriffe jetzt die Kommunen, und es stellt sich die Frage, welcher Beruf nicht von öffentlichem Interesse ist? Eine undankbare Aufgabe, der sich die Kommunen verantwortungsvoll stellen werden, verspricht Bohlmann. Einfach wird es allerdings nicht: Derzeit befinden sich 740 Kinder in der Notbetreuung, umgerechnet 14 Prozent der 5 500 Kinder aus den Kitas im Kreisgebiet. Mit Ausweitung der Notbetreuung auf 40 Prozent wären 2 200 Kinder dabei. Zugelassen werden ab Montag abhängig vom Alter Gruppenstärken von acht bis dreizehn Kinder.

Froh ist Bohlmann über eine weitere Entscheidung: „Klargestellt wurde, dass die Länder und die Landkreise die Hauptzuständigen bei der Epidemiebekämpfung sind. Das begrüße ich, da die Diskussionen auf der nur sehr begrenzt zuständigen Bundesebene für die Bevölkerung mitunter sehr verwirrend waren.“ Und er begründet das mit aktuellen Erfahrungen im Zuge der Pandemie: „Bei 83 Millionen Einwohnern muss bei unterschiedlichen Betroffenheiten nun einmal differenziert vorgegangen werden. Zumindest muss nicht zwingend in Achim ein Baumarkt geschlossen werden, wenn der bayrische Landkreis Rosenheim sehr hohe Infektionszahlen hat.“

Mehr Verantwortung und mehr Handlungsspielraum bedeuten für den Landkreis aber auch, nicht nachzulassen und entsprechend wachsam zu bleiben, fordert Bohlmann. Einen Parameter gibt die Bundesregierung an die Hand: Wenn 50 Positiv-Fälle bei 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen erreicht werden, greife der Notfallmechanismus mit weiteren Beschränkungen. Im Landkreis Verden mit seinen 137 000 Einwohnern würde ein solcher Notfall bei 69 Neuerkrankungen eintreten. Der Wert ist allerdings hoch gegriffen und Bohlmann warnt vor Leichtsinn: „Eine solche Zahl hatten wir noch in keiner Woche und haben trotzdem bislang als Infektionsschutzbehörde wirklich krisenhaft Erhebliches geleistet. Unter 50 Fällen zu sein, ist kein Anlass zur Beruhigung. Denn wir werden alle auch deutlich unter dieser Schwelle gefordert bleiben, das Corona-Virus einzudämmen.“

Klarer Auftrag an die Verantwortlichen bleibt deshalb, weiter verstärkt zu testen. „Wir müssen Ausbrüche schnell erkennen, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen und jederzeit in der Lage zu sein, die Infektionsketten zurückzuverfolgen“, betont Bohlmann. Das könnten nur starke und dezentral ausgerichtete Verwaltungen mit ihrem Spezialwissen und ihren Ortskenntnissen leisten. „Der Landkreis wird als Gesundheitsamt, Krankenhausträger und Ordnungsbehörde, wenn es um die Umsetzung und Einhaltung der vorbeugenden Maßnahmen geht, noch mehrere Monate hoch beansprucht bleiben. Das gleiche gilt aber auch für alle Bürgerinnen und Bürger“, betont der Landrat.

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