Lockerungen lassen auf sich warten

Inzidenz um die 70 nicht auf die Schnelle erreichbar

Abstand halten, Kontaktbeschränkungen: Die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Hochinzidenz im Kreis Verden hat sich nicht bestätigt.
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Abstand halten, Kontaktbeschränkungen: Die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Hochinzidenz im Kreis Verden hat sich nicht bestätigt.

Die Inzidenz nur noch wenig über der 100er-Marke, das führt im Kreis Verden zu Hoffnungen auf eine schnelle Lockerung. Großen Erwartungen erteilt das Gesundheitsamt allerdings eine Absage. Hilft jetzt nur noch schönes Wetter?

Verden/Achim – Der Großraum Achim/Verden kann sich an den nächsten Tagen aus dem Würgegriff der Hochinzidenz verabschieden? Dieser frommen Hoffnung erteilt Amtsärztin Jutta Dreyer eine Absage. „Bis zum Wochenende ist nicht ansatzweise mit Entwarnung zu rechnen“, sagt sie auf Nachfrage. Und danach seien die Aussichten vage. Von schnellen Lockerungen für den Einzelhandel, für Schulen und Kitas, für familiäre Kontakte also keine Spur. Sogar das Ausgehverbot droht plötzlich wieder. Das Infektionsgeschehen ist weiterhin diffus.

Jetzt können wir nur noch auf anhaltend gutes Wetter hoffen.“ Es klingt nach Verzweiflung, was die Leiterin des Verdener Gesundheitsamtes zu Protokoll gibt, oder nach einem Scherz. Auf angenehme Außentemperaturen zu setzen, macht allerdings tatsächlich Sinn. „Die Leute gehen wieder nach draußen, sie entziehen sich damit der Aeorosole, die in der Raumluft schwirren. Wenn sie dann noch auf Abstand bleiben und die Maske tragen, dann ist viel erreicht.“ Schon vor einem Jahr sanken die Infektionszahlen im Frühling deutlich. Die erste Corona-Welle ebbte seinerzeit fix ab.

Mit Inzidenzzahlen im einstelligen Bereich wie damals im Mai könne man allerdings nicht rechnen. „Wir kommen in der nächsten Woche vielleicht auf einen Wert von 60 oder 70, wenn alles gut läuft. Dann wäre schon viel erreicht.“ Gestern im Laufe des Tages und nach Bekanntgabe der aktuellen Infektionszahlen sah es zunächst nicht danach aus. „Es läppert sich schon wieder“, stellte Dreyer fest. Allein bis zum Mittag landeten zwölf neue Fälle auf ihrem Tisch, zwölf Akten, die jetzt erstmal abzuarbeiten waren. Und ein Ende nicht in Sicht. „Drei Ärzte tun den ganzen Tag nichts anderes als mit den Patienten zu reden.“

Ursache für den anhaltend hohen Inzidenzwert bleibt allein die britische Mutante mit ernüchternden Ausmaßen. „Bis zum Jahreswechsel konnten Kontaktpersonen ersten Grades noch hoffen, ohne einen Übergriff des Virus davonzukommen. Das ist jetzt allenfalls noch die ganz große Ausnahme.“ Ein paar Tage warten, eine halbe Woche, und schon sei es passiert. „Die Kontaktpersonen wandern rüber in die Schublade der Infizierten.“

Und nach zwei Wochen ist alles vorbei? Auch diese Rechnung geht nicht mehr auf. Dreyer: „Der Krankheitsverlauf zieht sich länger hin.“ Drei Wochen, vier sogar, das sei allmählich nicht mehr die Ausnahme. „Selbst nach dieser Zeit weisen die Menschen immer noch positive Werte beim PCR-Test auf.“

Gleichzeitig ergibt die Nachverfolgung der Infektionsketten ein diffuses Bild. Wie bisher wandert das Virus durch die Familien, was zu wochenlangen Einschränkungen führe. Auch Kitas und Schulen seien zuletzt immer mal wieder betroffen. „Überträger ist bedauerlicherweise oftmals der Lehrer, der vor der Klasse steht, oder die Erzieherin, die sich der Kinder liebevoll annimmt. Man muss ja mal trösten dürfen.“ Beides mit Folgen. „Es kristallisiert sich zunehmend heraus, wer redet, der verteilt auch die Aerosole.“ Reden sei nun mal eine der Aufgaben in den Berufsgruppen. „Selbst eine Maske bietet keinen echten Schutz mehr.“ Sogar auf eine Distanz von drei Metern könne man sich infizieren, häufig reiche eine Dauer von deutlich unter zehn Minuten. Immerhin: In den Abijahrgängen, die seit Wochenbeginn über ihren Abschlussklausuren brüten, sei glücklicherweise noch kein Positiv-Test aktenkundig.

Besonders im Fokus sind weiterhin auch die Betriebe der Region. Allerdings seien erhebliche Vorkehrungen getroffen, einen Ausbruch zu verhindern, und ein Ausbruch beginne nicht erst bei der Zweistelligkeit von Infizierten, er beginne bei zwei Personen. „Zuletzt verzeichneten wir einen Herd in einem Großbetrieb im Nordkreis. Vier Mitarbeiter waren positiv getestet worden. Sie kamen mit einem asymptomatischen Verlauf davon.“ Zwei weitere Fälle wurde aus einem nächsten Unternehmen im Kreisgebiet gemeldet. Dreyer: „Ein Ausbruch ja, aber da jetzt wirklich von einem alarmierenden Zustand zu reden, wäre überzogen.“

Hoffnungen indes, die Osterfeiertage mit den nochmals deutlich verschärften Kontaktverboten könnten zu einem Abflauen der Corona-Aktivitäten führen, sie zerschlugen sich. „Die Inzidenzzahlen sind weitgehend oben geblieben.“ Immerhin aber könne man den Neuinfizierten bestätigen, sie haben sich an den Verordnungen orientiert. „Dass sich jemand nicht an die Vorgaben gehalten hätte, und deshalb eine Positiv-Testung davontrug, dafür liegen hier keine Belege vor.“

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