Alte schrecken vor Anmeldung zurück

Ministerin Reimann schickt Impf-Brief

Drei Männer, Dr. Henning Hovorka (l.). Landrat Peter Bohlmann und Ordnungsamtsleiter Christian Groth (r.) stehen vor dem Impfzentrum.
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Ärztlicher Leiter des Verdener Impfzentrums ist Dr. Henning Hovorka (l.) von der Aller-Weser-Klinik. Landrat Peter Bohlmann und Ordnungsamtsleiter Christian Groth (r.) stellten den Arzt vor.

Landkreis – Über die Impf-Hotline 0800/9988665 oder am Bildschirm sollen die Impfwilligen an ihren Termin kommen, wenn die Online-Vergabe freigeschaltet ist. So hat das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Hannover den Weg zur Spritze geplant. „Für alte und kranke Leute ist das zu schwierig“, meint Heiner Falldorf. „Warum kann man die Leute nicht einfach anschreiben?“, schlägt der ehemalige Dörverdener Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Verden vor. Und tatsächlich soll genau das jetzt passieren. Gestern meldete die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD) nach einem Gespräch mit Sozialministerin Carola Reimann, dass alle 800 000 über 80-Jährigen im Lande nächste Woche ein Schreiben mit allen Infos erhalten sollen.

  • Alte und Kranke fühlen sich von der Anmeldung zur Corona-Impfung überfordert.
  • Hotline und Onlineanmeldung wird vielen von ihnen zu schwierig.
  • Mit einem Info-Brief will Ministerin Carola Reimann helfen.

7500 Menschen im Landkreis sind 80 Jahre und älter.

„Das ist unzumutbar!“ Der Dörverdener Heiner Falldorf ist 77 Jahre alt und ihn plagt eine Erkrankung. Das sind gute Gründe, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Nur das Verfahren, wie er zu seinem Impftermin und dann zu seiner Spritze kommt, empfindet der von seiner Krankheit gezeichnete Mann als zu viel verlangt. Der Dörverdener Senior ist mit seinen Bedenken nicht allein, auch bei der Landtagsabgeordneten seien viele Fragen aufgelaufen, berichtet sie auf Nachfrage. Allein im Landkreis Verden sind etwa 7500 Menschen 80 Jahre oder älter. Das kann man Erhebungen des Landesamts für Statistik entnehmen. Zu dieser Bevölkerungsgruppe gehören natürlich viele von den 1700 Bewohnern der Senioreneinrichtungen im Kreisgebiet, die derzeit bereits geimpft werden.

Seit Dienstag, so meldete der Landkreis gestern, sind die beiden mobilen Impfteams unterwegs, und haben bereits 840 Bewohner und Beschäftigte in den Pflegeheimen geimpft. 150 bis 180 Impfungen würden täglich verabreicht, sodass heute sieben Einrichtungen, vier davon in Oyten, eine in Ottersberg und zwei in Verden, sowie das Palliativnetzwerk versorgt sind.

Schon 480 Impfungen in Seniorenheimen

„Es geht mit gutem Tempo und großer Einsatzbereitschaft voran“, ziehen Landrat Peter Bohlmann und Dr. Henning Hovorka eine erste Bilanz. Der Anästhesist in der Aller-Weser-Klinik hat die ärztliche Leitung des Impfzentrums übernommen. Gemeinsam mit den organisatorischen Leiterinnen Lara Rievers und Andrea Schröder koordiniert der Mediziner den Einsatz der Teams und die Vorbereitungen im Zentrum.

„Auch die Heime haben sich auf den Besuch der Impfteams und einen zügigen Ablauf gut vorbereitet“, lobt Bohlmann die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen. Die nächste Impfstofflieferung erwarte man gegen Ende der dritten Kalenderwoche. „Ausreichend Impfstoffverfügbarkeit vorausgesetzt, könnten die Heime bis Ende Januar mit der ersten Impfung fertig sein“, so Ordnungsamtsleiter Christian Groth, der für Aufbau und Betrieb des Impfzentrums verantwortlich ist. Voraussichtlich werde die Terminvergabe ab 28. Januar möglich sein, hat Dörte Liebetruth im Ministerium erfahren. „Da der Impfstoff aller Voraussicht nach bundesweit auch Ende Januar nur eingeschränkt vorhanden ist, werden die verfügbaren Termine wahrscheinlich schnell vergeben sein“, befürchtet die Abgeordnete.

Bevor sich die Türen des Zentrums am Kreishaus öffnen können, liege die Priorität bei den Impfungen in den Pflegeheimen, sagt Groth. Immer unter der Voraussetzung, dass es ausreichend Impfdosen gebe, sollen dann die mobilen Teams zur Zweit-impfung ausrücken, während im Zentrum die Immunisierung aller 80-Jährigen und Älteren anläuft. Sie sind die erste Gruppe nach der Reihenfolge, die die Ständige Impfkommission (STIKO) und das Ministerium in Hannover vorgeben.

Das Land lasse ansonsten den Landkreisen weitgehend freie Hand, so Landrat Bohlmann. Deshalb werde sich der Landkreis nach den Heimen auf die älteren Menschen in der ambulanten Pflege konzentrieren. Bei der Planung der Kampagne seien sie etwas vernachlässigt worden, stimmte Bohlmann der Kritik von Heiner Falldorf zu. Auch das medizinische Personal auf Intensivstationen, in der Notaufnahme und im Rettungsdienst werde dann vorrangig geimpft.

Dass jetzt Post aus der Landeshauptstadt kommen soll, findet den Beifall von Hans-Rainer Strang. Der Vorsitzende des Kreisseniorenbeirats hätte sogar lieber eine Terminvergabe vor Ort gesehen, als die zentrale Vergabe für das ganze Bundesland beim Sozialministerium. Der Kirchlintelner Seniorenbeauftragte meint, dass alles vermieden werden muss, was zu Verzögerungen führen kann. Das Tempo der Impfkampagne und die schleppenden Impfstofflieferungen bereiten ihm Sorgen. „Die Frage ist doch: Haben wir bis zum Sommer Zeit?“, sagt er. Die in England aufgetauchte, enorm ansteckende Virus-Mutation sieht er als ernste Bedrohung an.

Impfung in Arztpraxen kommt noch lange nicht

Heiner Falldorf jedenfalls konnte schon mal Glück mit der Hotline melden. Es habe Geduld erfordert, bis er eine menschliche Stimme aus dem Hörer vernehmen konnte, aber dann sei er über den Stand der Impfung und die Planung umfassend informiert worden, berichtet er. Zu warten, bis die Impfung beim Hausarzt möglich ist, scheint derzeit noch keine gangbare Lösung für die Senioren zu sein. „Der aktuell verfügbare Impfstoff von Biontech/Pfizer kann aufgrund der hohen Kühlanforderungen leider nicht dezentral in den Arztpraxen oder bei Hausbesuchen bei Hochbetagten verimpft werden“, erklärt Dörte Liebetruth. Erst wenn andere Impfstoffe verfügbar sind, die nicht so extrem gekühlt werden müssen, sei eine Impfung in den Hausarztpraxen möglich.

Für Fragen: rund um die Corona-Schutzimpfung ist die kostenlose Impf-Hotline des Landes unter Telefon 0800/9988665, montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr, erreichbar.

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