Zahnarzt und Tüftler entwickeln leistungsstarkes Gerät auf UVC-Basis / Probebetrieb erfolgreich

Corona: Luftreiniger made in Verden

Tüftler Ernst Meininger mit dem Gerät.
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Tüftler Ernst Meininger mit dem Herzstück der Luftreinigungsanlage: Den beiden Quarzglasröhren und dem elektronischen Vorschaltgerät.

Verden/Landkreis – Es war einer der Momente, als sie die Probleme dieser Welt erörterten. Der Kirchlintelner Zahnarzt Dr. Matthias Fritzsch und der Verdener Tüftler Ernst Meininger. Welche Form der Belüftung ist die effektivste, lautete plötzlich die Frage, die im Raume stand, welche Form in Corona-Zeiten, in der das Virus oft den Weg durch die Luft zum nächsten Opfer nimmt.

Und wie bitt‘schön könne man es stoppen, möglichst mit einer einfachen Lösung? Das Ergebnis fällt unscheinbar aus. Ein Edelstahlrohr, eine lange blaue Kappe. Mehr nicht. Mehr ist jedenfalls nicht zu sehen. „Das ist unsere Version von einem sehr effektiven Luftreinigungsgerät.“ Ein erster Prototyp ist in den Praxisräumen in Kirchlinteln installiert. Nach einigen Tagen Probezeit sind beide überzeugt: „Diese Geräte eignen sich beispielsweise für ganze Klassenräume.“ Zwei an der Zahl, so ihre Einschätzung, und schon kann die Luft für die jeweilige Schülerschar virenfrei gehalten werden.

Ein langer Flur in der Kirchlintelner Praxis. Links und rechts gehen Türen ab in die Behandlungsräume. Einzelne Stühle stehen an der Wand. Gedacht sind sie für wartende Patienten. Er würde ja gern, sagt Zahnarzt Fritzsch, er würde ja gern zwischenzeitlich lüften. Soll man ja, muss man auch. Nur, dieser Flur ist halt ein Flur. Fensterlos. Für die damaligen Architekten war Corona noch ein Fremdwort, und Aerosole irgendwo auch. Heute ist es ein Problem. „Hier herrscht ein Kommen und Gehen.“

120 Kubikmeter Luft in einer Stunde

Direkt ins Auge fällt es nicht, das Herzstück der Anlage. Silbermatter Glanz vor einer weißen Wand fällt nicht sonderlich in den Blick. Hinter dem Metallschutzmantel allerdings geht es zur Sache. 120 Kubikmeter Luft strömen innerhalb einer Stunde unten hinein, und werden auf ihrem Weg durchs Rohr entkeimt und strömen oben klinisch rein wieder heraus. Die gesamte Raumluft des Flures also rechnerisch zweimal pro Stunde.

Das Beseitigen auch kleinster Organismen übernimmt eine besondere Lichtquelle innerhalb des Rohres. Eine UVC-Lampe, genaugenommen sogar zwei. Anders als die beiden anderen bekannten ultravioletten Strahlen, das UVA und das UVB, durchdringt das UVC nicht die erdumgebende Ozon-Schicht, es kommt, vereinfacht dargestellt, nicht auf der Erde vor, und die Organismen mussten sich auch nie darauf einstellen. Das machen sich Bio-Physiker zunutze. Organismen bis hin zum Bakterium, bis hin zum Virus, sie haben keinerlei Abwehrmechanismus. Sie sterben bei UVC-Strahlen augenblicklich ab.

Ein heiß umkämpfter Mmarkt

Ganz neu ist die Technik nicht. „Im Prinzip bekannt seit mindestens einem halben Jahrhundert“, sagt Zahnmediziner Fritzsch, „in Ansätzen haben wir es schon in der Schule gehört.“ Medizinische Ausstattung etwa, sie werde oft per UVC sterilisiert. Auch in der Lebensmittelbranche ist diese Methode nicht unbekannt. „Wir rüsten etwa fleischverarbeitende Betriebe mit dieser Technik aus“, sagt Tüftler und Unternehmer Meininger. UVC-Oberflächendesinfektion heiße die Methode, die ein Entkeimen der verderblichen Waren garantiere. „Ein insgesamt heiß umkämpfter Markt.“

Umso erstaunlicher, fanden beide, dass bisher keine leistungsfähigen, sicheren und einigermaßen bezahlbare Geräte zum Bekämpfen von Viren auf dem Markt waren. Alles haben sie erörtert. Ein Luftfilter-System? Die Ansauggeräte müssten riesige Dimensionen einnehmen, und die Filter selbst hätten so kleinporig zu sein, dass sie rasch verstopfen. „Das ist keine Lösung“, so Fritzsch und Meininger übereinstimmend. Dann die Ozon-Variante. „Haben wir ebenfalls thematisiert“, sagt Fritzsch, „und haben es verworfen.“ Er könne sich einfach nicht vorstellen, so der innovationsfreudige Mediziner, dass bei diesem Vorgang kein Ozon an die Umgebungsluft abgegeben werde.

Auch UVC-Luftreiniger sind nicht neu. Sie laufen in einigen Betrieben sogar in der Region schon, wie eine Nachfrage ergab. Allerdings arbeiteten sie mit so wenige Leistung, mit so wenig Luftdurchsatz, dass deren Wirksamkeit zu wünschen übrig lasse. „Wir brauchten was Leistungsfähiges, und das haben wir jetzt vorliegen.“ Auf immerhin zweimal 90 Watt ist die Entkeimung bemessen.

Allerdings ist auch die UVC-Variante Fritzschs und Meiningers nicht ohne. Strahlungsquelle sind zwei Quarzglasröhrchen. „Wir mussten die Röhrchen so sichern, dass auch im Fall des Bruches ein Splitterschutz gewährleistet ist. Das ist gelungen.“ Eine nächste Klippe lauerte am unteren Ende des Rohres. Luft soll ungehindert eintreten, die UVC-Strahlung aber nicht austreten. Meininger ersann eine Lösung, die ein wenig an Schiffsschraube erinnert. Zur letzten Hürde entpuppte sich das Geräusch. Wer 120 Kubikmeter Luft pro Stunde per Ventilator durch eine Edelstahltrohr pumpt, der erzeugt Lärm. „Geht nicht. Es darf nicht nerven.“ Jetzt versieht ein durchaus üppig dimensionierter Schallschutz in Blau seine Dienste.

Von Heinrich Kracke

Läuft unproblematisch in einer Kirchlintelner Zahnarzt-Praxis: Die Luftreinigung mit UVC-Strahlen. Dr. Matthias Fritzsch (l.) und Ernst Meininger sind zufrieden.

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