Hilfe für Abi-Prüfungen durch Start-up-Unternehmen

Corona: Reine Luft am Domgymnasium

Handlich: Dr. Dorothea Blume, Holger Kraeft und Michael Spöring (v.l.) tragen die ersten drei Corona-Luftreiniger ins Domgymnasium.
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Handlich: Dr. Dorothea Blume, Holger Kraeft und Michael Spöring (v.l.) tragen die ersten drei Corona-Luftreiniger ins Domgymnasium.

Wenn der Jahrgang 13 des Verdener Domgymnasiums zu seinen Abiturprüfungen antritt, dann sind Luftreiniger des Start-Up-Unternehmens Kraeft Engeneering im Einsatz. Die Geräte sollen die Raumluft freihalten von Coronaviren.

Verden – Ihnen war unwohl bei dem Gedanken, bis zu 68 Abiturienten müssten gleichzeitig in der Aula die Prüfungen schreiben. Jetzt hilft dem Domgymnasium eine private Initiative aus der Bredouille. Das Verdener Start-Up-Unternehmen Kraeft Engeneering lieferte am Freitag Viren-Luftreiniger für fünf Klassenräume. „Uns fällt eine Last von den Schultern“, sagt Schulleiterin Dr. Dorothea Blume, „nicht auszudenken, wäre einer der Schüler infiziert, und wir müssten den ganzen Jahrgang während der laufenden Klausur nach Hause schicken.“

Jetzt brüten maximal 15 Schüler in einem Raum über ihren Arbeiten, plus Aufsichtsperson, versteht sich. Den größten Zulauf lösen die Mathe-Aufgaben mit eben den 68 Aspiranten aus. Alle weiteren Prüfungen laufen mit weniger Resonanz. „Dieses neue Konzept wurde vom Schulträger, dem Landkreis, ausdrücklich begrüßt“, sagt Blume. Für die altehrwürdige Lehranstalt ein Novum. Im ersten Corona-Jahr legten aufgrund des Zwischenjahrgangs und des Comebacks der Jahrgangsstufe 13 noch 44 Abiturienten ihre Prüfungen ab, jetzt sind es 110. „Auch kein Rekord, aber unter den Pandemie-Bedingungen eine echte Herausforderung.“

Montage in der heimischen Garage

Die Stadt Verden entwickelt sich so langsam zum Zentrum der Entwicklung von Virus-Luftreinigern. Wie berichtet hat schon der Tüftler Ernst Meininger ein solches Gerät ersonnen, das in einer Zahnarztpraxis in Kirchlinteln seinen Dienst versieht. Kraeft Engeneering kann bereits auf 120 ausgelieferte Anlagen zurückblicken. „Wie bei einem Start-up üblich, wurden sie alle bei uns zu Hause in der Garage montiert“, sagt Inhaber Holger Kraeft. Die beiden Söhne schraubten kräftig mit, einer steht jetzt am Dog vor der Abi-Prüfung. Kraefts Garagenzeit endete am Freitag. „Wir haben eine Halle an der Marie-Curie-Straße 1 in Verden übernommen. Dort werden wir produzieren“, sagt Kraeft, „zum Wochenende hin schließen wir den Umzug ab.“

Angewendet wird auch hier eine Entkeimung mit UVC-Strahlen. Alles keine neue Technik. In der Lebensmittelindustrie wird sie seit Jahrzehnten angewendet, in der Medizin, etwa in Krankenhäusern, ebenfalls. Für Büros und Schulen ist sie allerdings neu. „Uns war es wichtig, die Funktion so durchzukalkulieren, dass einerseits Gefahren für Menschen absolut ausgeschlossen sind, andererseits die Dosis groß genug ist, Viren sicher abzutöten.“ Werde die für Viren letale Dosis unterschritten, laufe man Gefahr, Mutationen zu erzeugen. Ein relativ schwieriges und noch weitgehend unbeackertes Feld. Kraeft schloss sich deshalb dem Normierungsausschuss in Berlin an, wie er sagt. An der Spree werden gegenwärtig die technischen Richtlinien für solche Geräte entwickelt.

Geräuschpegel entspricht dem eines Kühlschranks

Wichtig für ihn ebenfalls: Es muss leicht transportierbar sein, es muss einigermaßen formschön daherkommen, es darf nicht durch Lautstärke nerven. „Zu schwer ist es nicht“, bestätigte Schulleiterin Blume, als sie eines der Geräte in den Keller trug. Der Geräuschpegel des angeschlossenen Gerätes wird mit 40 Dezibel angegeben, was ungefähr einem Kühlschrank entspricht. Bemessen ist es für 300 Kubikmeter Raumluft, die Prüfungsräume kommen auf je 200 Kubikmeter.

Fürs Domgymnasium löst sich damit ein nächstes Problem. Die Prüflinge werden von der Maskenpflicht befreit, worauf der stellvertretende Schulleiter Michael Spöring hinweist. Zwischenzeitlich waren immer mal wieder Corona-Maßnahmen thematisiert worden. „Wir stehen mit dem Landkreis im engen Austausch.“ Einiges wurde umgesetzt, mindestens ein Klassenraum-Fenster lässt sich komplett öffnen, andere Ideen wurden verworfen. „Wir hätten einen Ventilator in jeweils ein Fenster pro Klassenraum installieren lassen können, einen Luftabsauger also. Wir haben es als nicht zielführend betrachtet.“ Für die Aula bestehe allerdings ein Lüftungskonzept, das den behördlichen Segen erhalten habe, eine neue Lüftungsanlage mit allen Sicherheitsvorkehrungen sei jedoch erst bestellt. Sie wird im Sommer erwartet.

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