Corona-Impfkampagne

Kreis Verden: 14.000 Leute für ersten Pieks gesucht - mindestens.

Junger Mann wird geimpft.
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Bisher war es kein Problem, die Impftermine an den Mann oder die Frau zu bringen, hier die Impfaktion der Aller-Weser-Klinik. Jetzt jedoch beginnt das zähe Ringen um weitere Impfwillige, um die Herdenimmunität zu erreichen.

Verden/Achim – Stell dir vor, die Warteliste ist zu Ende und die sogenannte Herdenimmunität noch nicht erreicht. Vor diesem Problem steht innerhalb der nächsten Tage die Impfkampagne im Landkreis Verden. Gut 62 Prozent der Menschen zwischen Otterstedt und Barme dürften den Schätzungen zufolge zumindest einen ersten Pieks erhalten haben. 80 Prozent werden aber für einen ausreichenden Schutz der Gesamtbevölkerung benötigt.

Erste Lösungen liegen auf dem Tisch: Eine kleinteilige Werbung zeichnet sich ab für eine immer noch große Zahl. Es geht um die Impfbereitschaft von rund 25 000 Menschen kreisweit, die zu aktivieren wäre, was einer mittleren Kleinstadt entspricht.

Priorität, so Landrat Peter Bohlmann, genieße das Impfen sozialer Randgruppen. Studien belegten, Bereiche mit hohem Migrationshintergrund und hohem Armutsanteil seien überdurchschnittlich von Infektionen betroffen, gleichzeitig liege dort die Impfquote spürbar unter dem Durchschnitt. Jetzt fix mobile Teams in die problematischen Stadtteile entsenden? Ganz so einfach ist es nicht. „Weiträumige Brennpunkte wie in den Großstädten, beispielsweise in Köln-Chorweiler, kennen wir hier nicht“, sagt Bohlmann, „deshalb können auch nicht einzelne Viertel pauschal als soziale oder bildungsferne Brennpunkte abgewertet werden.“ Mitbürger mit Migrationshintergrund etwa würden über die Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe in einer mehrsprachigen Information auf die Impfmöglichkeiten hingewiesen. Das Verteilen laufe über deren Netzwerke. Auch ehrenamtliche Flüchtlingshelfer würden in die Kampagne einbezogen. „Wir setzen sehr stark auf die Quartiersmanagements.“

Schlagzeilenträchtigen Aktionen erteilt der Landrat indes eine Absage. „Impfen außerhalb des Impfzentrums wird es nicht geben.“ Aus gutem Grund. „Die Erfahrungen umliegender Regionen lehren, mobile Teams haben nie wirklich Masse gemacht.“ Es müsse in den jeweiligen Ortsteilen, in den Dörfern kräftig und lange getrommelt werden, ehe dann vielleicht 80 Leute zusammengebracht würden. Und das sei angesichts der großen Zahlen, die zu mobilisieren seien, eine zu geringe Menge.

Unklar allenfalls noch, in welchem Umfang Werbemaßnahmen durchgeführt würden. Öffentlichkeitswirksame Ankündigungen lägen für den Tag, an dem die Warteliste abgearbeitet sei, in der Schublade. Ob dann Impfwillige mit einem zusätzlichen Anreiz für einen Besuch im Impfzentrum an der Verdener Kreisverwaltung angelockt werden müssten, beispielsweise wurden andernorts Eis-Gutscheine verteilt, sei noch nicht entschieden, so Bohlmann. Tendenz: Eher nein, weil der Gleichheitsgrundsatz gelte. Wirklich vorgesehen sei allerdings ein offenes Impfen, aber auch dafür laute noch die Frage, ob eine Anmeldung notwendig werde, oder sich die Leute einfach in die Schlange stellen könnten.

Unklar vor allem deshalb, weil eine nächste Trendwende zu beobachten sei. „Die Warteliste füllt sich wieder“, so der Landrat. Nach den Wochen mit dramatisch hohen Anmeldezahlen und einem zwischenzeitlichen Abflauen komme jetzt der Personenkreis zum Zuge, der die Impfung als zwar wichtig, aber nicht vordringlich einstufe. Mit Stand am gestrigen Montag stünden 1800 Personen auf der Warteliste des Kreises Verden. Weitere 1400 kommen wegen des Wechsels der Impfstrategie hinzu. Sie waren wie berichtet Ende vergangener Woche nicht mehr mit einer Erstimpfung versehen worden, weil das Serum von Biontech oder Moderna für die Zweitimpfung genutzt werden müsse. Allerdings ist der Nachholtermin auf das Ende der laufenden Woche festgesetzt.

Um nicht erneut Erstimpfungen streichen zu müssen, so der Landrat, genieße zunächst mal die Zweitimpfung Priorität. Das Impfzentrum ist auf bis zu 4 000 Impfungen pro Woche ausgelegt, die ausgelieferte Menge an Impfdosen beziffert Bohlmann auf zuletzt rund 1 000 pro Woche.

Das Impfprogramm an sich stößt weiterhin in atemberaubende Regionen vor. Knapp 30 000 Menschen warteten laut Bohlmann noch auf eine Zweitimpfung. Wie hoch der Anteil sei, der benötigt werde, um am Ende eine 80-prozentige Quote zu erreichen, stehe nicht fest. Durch Hausärzte und Impfzentrum seien mit Stand gestern 77 290 Menschen erstgeimpft. Das entspricht einer Quote von 56,4 Prozent. Nicht eingerechnet allerdings werde das Engagement der Betriebsärzte. Konservativ geschätzt könnten 5 000 weitere Menschen dazugerechnet werden. Insgesamt also ein Anteil von knapp über 60 Prozent. Würden dann auch noch die Kinder unter zwölf Jahren herausgerechnet, läge die Quote bei den Erstimpfungen sogar bei mehr als 66 Prozent. Aber selbst diese Rechnung mit einigen Unbekannten und viel Optimismus vermag die Befürworter einer 80-prozentigen Impfquote noch nicht zu beruhigen. Knapp 14 000 Personen müssten noch für einen Weg zum ersten Pieks gewonnen werden.

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