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Corona, Krieg und die Bautrockner

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Von: Heinrich Kracke

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Luftbild von Großbaustelle
Große Teile des Daches eingebaut: der Rohbau der kommenden Staatsanwaltschaft neigt sich dem Ende zu. © Kracke

Der Zeitplan für eine der prominentesten Baustellen Verdens war völlig aus dem Ruder gelaufen. Jetzt legt das Rathaus unter schwierigen Bedingungen eine neue Planung für die Gaswerk-Sanierung vor.

Verden – Plötzlich kommen beide Krisen zusammen, neben der Corona-Pandemie auch noch der Krieg um die Ukraine, und das macht es für den Ausbau zu Verdens schönsten Arbeitsplätzen nicht einfacher. Es geht um das Alte Gaswerk am Allerufer, das zum neuen Domizil der Staatsanwaltschaft aufgemöbelt wird, und inzwischen ist vom ursprünglichen Zeitplan nichts mehr übrig geblieben. War anfänglich von einem Einzug bereits im zurückliegenden Winter die Rede, so peilen die Planer jetzt den kommenden Dezember als Fertigstellungstermin an. „Darauf läuft unser neuer Bauzeitenplan hinaus“, bestätigt auf Nachfrage Wolfgang Tobias aus der Hochbauabteilung des Rathauses. Während den Verantwortlichen die Zeit durch die Hände rann, ist es beim Geld anders. Tobias: „Insgesamt wird der Kostenrahmen noch eingehalten.“

Aktuell versehen Geräte ihren Dienst, die nicht eingeplant waren. Auf mehreren Etagen brummen Bautrockner. Sie stehen am Ende einer langen Kette von Verzögerungen. Erst die Schwierigkeiten mit der Vergabe der Rohbauarbeiten, dann der Wintereinbruch vor mehr als einem Jahr, dann die Lieferschwierigkeiten, vor allem Stahl und Holz waren nur schwer zu bekommen, schließlich auch noch Corona-Fälle bei den Beschäftigten der Baufirmen und die folgenden Quarantäne-Verordnungen, es kam viel zusammen, was den Aufbau einer Etage auf die nächste erschwerte. „Immerhin wird dieser Tage das Dach verschlossen“, so Tobias, „und beim Einbau der Fenster sind wir auch schon weit fortgeschritten.“ Das alles verhinderte jedoch nicht den Regeneinfall vergangener Monate, und nicht die Nässe in den insgesamt fünf Stockwerken einschließlich des Dachgeschosses. „Die Feuchtigkeit wird jetzt so schnell wie möglich aus dem Gebäude gezogen.“

Ging es in den vergangenen Monaten eher großflächig auf den rund 3 000 Quadratmetern kommender Büroherrlichkeit zu, so steht die aktuell prominenteste Baustelle der Stadt vor einem bemerkenswerten Wechsel. Künftig ist feingliedriges Arbeiten gefragt. Viele der insgesamt 22 Gewerke wollen koordiniert sein. Hintergrund: In das Gebäude wird eine Sicherheitstechnik installiert, die den Ansprüchen auch kommender Staatsanwalts-Generationen genügen soll. Spezialfirmen gehen dafür ans Werk. Und daraus resultieren zwei weitere Gefahren, die den Baufortschritt zu hemmen drohen. Einerseits mögliche Corona-Fälle, andererseits weite Anfahrten, die angesichts der explodierenden Spritpreise zu nächsten Einschränkungen führen könnten. Tobias gibt allerdings vorsichtig Entwarnung. „Der überwiegende Teil der Firmen kommt aus dem Verden-Bremer Raum. Die Betriebe achten bei der Angebots-Abgabe offenbar zunehmend auf möglichst kurze Anfahrten.“

Klingt nach mehr Sicherheit beim Baufortschritt, kann aber bei nächster Gelegenheit schon wieder über den Haufen geworfen sein. „Wer weiß, wie sich die Materiallage weiter entwickelt, und selbst, wenn sie nicht schwieriger wird“, so Tobias, „ist die Gefahr von Corona-Ausbrüchen nicht gebannt.“

Der nicht gerade günstige Ausbau unweit der Nordbrücke, der bemerkenswerte 14 Millionen Euro verschlingt, er gilt als Sonderfall, zumal das, was über die Zeiten gerettet wird, die Fassade nämlich, nicht unter Denkmalschutz steht. Allerdings gehöre sie seit Jahrzehnten zum Stadtbild, erklärte Bürgermeister Lutz Brockmann vor zwei Jahren bei den Unterschriften unter den Mietvertrag mit der niedersächsischen Justiz, und das mache ihren Erhalt interessant.

Die ursprünglichen Baupläne gehen auf das Jahr 1949 zurück. Damals brauchten die Stadtwerke eine Anlage zum sogenannten Gaswaschen. In den 80er-Jahren trennte man sich von der Immobilie, die zunächst langjährig als Verkaufsfläche für Sanitär- und Heizungsbedarf diente. Nach der Insolvenz des Eigentümers übernahm die Stadt Verden die Immobilie. Gut 80 Prozent der vertrauten äußeren Bausubstanz sollen in die nächste Nutzungsperiode hinübergerettet werden. Künftig werden hier rund 100 der insgesamt 140 Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft ein neues Domizil erhalten.

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