Abstand, Masken und Desinfektion: Wie sich die Unternehmen auf die Pandemie einstellen

Corona-Kampf am Werkstor

Die Mars-Produktpalette hat sich im Frühjahr als krisenfest erwiesen.
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Die Mars-Produktpalette hat sich im Frühjahr als krisenfest erwiesen.

Verden – Einen zweiten Lockdown soll es nicht geben. Ob in Berlin oder vor Ort wird dieser Satz in den unterschiedlichsten Variationen wiederholt. Mit dem Anstieg der Corona-Erkrankungen rückt die Wahrscheinlichkeit zwar schon wieder ins Blickfeld, aber nicht nur die Politik versucht, sich der Ausbreitung des Virus entgegenzustemmen. Auch die Unternehmen in Verden warten nicht ab, bis es soweit ist. Mit Tests in der Belegschaft, Abstands- und Hygieneplanung versuchen viele Betriebe das Virus an Werkstoren und Ladentüren aufzuhalten.

Bislang ist die hiesige Wirtschaft noch recht ordentlich durch die Krise gekommen. Der Vorsitzende des Unternehmensverbandes Rotenburg-Verden, Wolfgang Reichelt, ging im Geiste die Kollegen in dengrößeren Unternehmen durch und kam bei fast allen zu dem Ergebnis, dass alles gut, bei manchen sogar sehr gut laufe. Auch für Siegried Deutsch, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Verden, ist die Bilanz insgesamt noch positiv. Ihm ist aber klar, dass bestimmte Bereiche vom Stillstand umso härter gestroffen wurde. „Allen voran das Gastgewerbe, die Schausteller und die Veranstaltungstechniker“, zählt er auf.

„Es hängt sehr von den Branchen ab, wie stark sie die Verunsicherung durch die Pandemie zu spüren bekommen“, erklärt Deutsch. „Als Servicetechniker bin ich von Außenterminen abhängig und der Maschinenbau vor Ort braucht funktionierende internationale Märkte, um seine Waren absetzen zu können“, deutete er die unterschiedlichen Bedingungen an. Wenn Kunden wegen der Ansteckungsgefahr vermeiden, in Geschäfte zu gehen, werde verständlich, dass sie auf Online-Shops ausweichen.

Deutsch rechnet damit, dass manche wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie mit zeitlichem Verzug wirksam werden, weil zunächst Auftragsbestände abgearbeitet würden. Stornierungen und Verzicht auf Investitionen würden sich vielfach erst im nächsten Frühjahr auswirken. Da werde vieles in den Betrieben neu gemischt, erwartet auch Wolfgang Reichelt. Der Verdener Industrieelle befürchtet zudem, dass es zu einer Konkurswelle kommen könnte.

„Die akute und ernstzunehmende Situation der Verbreitung des Coronavirus Covid-19 bedeutet für sehr viele Firmen, Angestellte und Branchen direkte Maßnahmen zu treffen.“ Mit diesen Worten begrüßt der Unternehmensverband Rotenburg-Verden seine Mitglieder auf der Internetseite. „Jetzt ist jeder gefordert, die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern“, stimmt Siegfried Deutsch uneingeschränkt zu. Schon wegen des Mitarbeiterschutzes liege das im Interesse der Unternehmen. Ein neuer Stillstand müsse vermieden werden. Abstand, Masken und Desinfektion seien angesagt. Dass Betriebe in Lüftungstechnik oder gar aktive technische Luftreinigung investieren, hat er noch nicht gehört.

„Allgemeine Strategien darüber hinaus gibt es nicht“, bestätigte Siegfried Deutsch. Der IHK-Vertreter ist sich mit Wolfgang Reichelt einig: „Es gibt nur individuelle Lösungen, je nachdem, wie der Betrieb funktioniert.“ Die Belegschaft wie die Schüler in den Schulen in Kohorten aufzuteilen, die nicht in Kontakt kommen, ließen manche Fertigungsstraßen nicht zu. In anderen Betrieben, auch in Läden des Einzelhandels sei das Prinzip gut einzuricchten und funktioniere. In kleinen Firmen und auf begrenztem Raum sei das immer schwieriger.

„Da kämpft jeder für sich allein“, hat Reichelt bei den Unternehmerkollegen beobachtet. Masken, Desinfektion und Einschränkung der Kontakte der Mitarbeiter in seinem Unternehmen Block Transformatoren „machen wir ja schon lange“.

Dennoch habe es schon zwei Fälle gegeben. Aber in der engen Abstimmung mit dem Gesundheitsamt sei es zu keiner schwierigen Lage geworden. „Wir haben einen guten Kontakt“, freut sich der Unternehmer.

„Zunehmend gehen die Firmen auch dazu über, ihre Mitarbeiter zu testen“, weiß Siegfried Deutsch. Aber der goldene Weg sei das auch nicht. Bei Negativtestungen bleibe immer die Unsicherheit, ob sich die Kräfte nicht danach anstecken.

„Selbst wenn wir perfekte Sicherheit herstellen könnten, würde immer noch nicht gesichert, ob die Kräfte sich auf dem Heimweg oder im privaten Bereich anstecken“, ergänzte Deutsch.

Von Ronald Klee

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