Als plötzlich die Infektionszahlen sanken

Corona-Inzidenz: Seifenblase platzt im Kreis Verden

Baustellenschilder und Durchfahrt Verboten an städtischem Platz.
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Weiterhin viele Verbote, Umwege und Einschränkungen: die Inzidenz bleibt trotz der RKI-Zahlen im Landkreis Verden, hier der Verdener Rathausplatz, hoch.

Die Inzidenz im Landkreis Verden ist plötzlich unter die magische Hunderter-Grenze gefallen. Aber der Hoffnungschimmer entpuppt sich im Laufe des Mittwoch als Seifenblase.

Verden/Achim – Vielleicht knallten schon erste Korken, zumindest machte sich Sektlaune breit. Aber die Euphorie währte nur kurz. Wenige Augenblicke nachdem das RKI für den Landkreis Verden eine Inzidenz von 96,3 gemeldet hatte, eine Inzidenz unter der 100er-Marke, erstmalig wieder, da rückte Amtsärztin Jutta Dreyer das Bild der Infektionslage im Raum zwischen Ottersberg und Dörverden wieder zurecht.

„Am Vortag sind offenbar einige späte Positiv-Meldungen nicht mehr in die offizielle Statistik eingeflossen.“ Zähle man alles zusammen, was an Covid-19-Bestätigungen im Gesundheitsamt aufgeploppt sei, läge der Landkreis Verden bei einer Inzidenz von 117. Und damit weiterhin keinerlei Hinweise auf eine schnelle Entspannung, nicht auf eine schnelle Rückkehr der Schüler in den Präsenzunterricht, nicht auf ein generelles Öffnen der Einzelhandels, nicht auf ein Ende der nächtliche Ausgangssperre und nicht auf ein Ende der scharfen Kontaktbeschränkungen.

Schöne neue digitale Welt. Gegen 9 Uhr war es gestern Morgen, als auf der Deutschlandkarte des Robert-Koch-Instituts plötzlich der dunkelrote Blickfang fehlte, jene Silhouette mit Benkel im Norden und Diensthop im Süden, die immer so leicht zu finden war, weil alles drumherum in helles Rot getaucht war, der Landkreis Verden. Und schon war sie da, die unheilvolle Statistik, die inzwischen zum Maß aller Dinge erhoben ist, jene Arithmetik, die darüber entscheidet, wer wann das Haus verlassen darf und wann nicht, wer wann in den Klassenraum wandert, und wann nicht. Die Chefin des Gesundheitsamtes schildert die Lage vom Dienstag, die in der Grafik abgebildet wird, folgendermaßen: „Der Vormittag und der frühe Nachmittag verliefen noch ruhig. Erst später erreichten uns eine ganze Reihe Positiv-Meldungen über das zentrale Online-Portal der Labore. Diese Daten haben wir an das Landesgesundheitsamt weitergeleitet, bis 19 Uhr noch, aber zu diesem Zeitpunkt war die Deadline der Datenübertragung an das RKI schon überschritten.“

Nach der Inzidenz, die schon genügend Irritationen in der Bevölkerung auslöst, jetzt also das Daten-Lag des RKI, das zu weiteren Unklarheiten führt. Einige Zeitgenossen reagieren nur noch mit Sarkasmus. „Wir haben schon auf vielen Behörden-Seiten eine Übersetzung in leichte Sprache“, meint ein Anrufer in der Redaktion, „jetzt brauchen wir auch für die Infektionslage eine leichte Sprache.“

Amtsärztin Dreyer mahnt zu einer umgekehrten Herangehensweise. „Das wichtigste weiterhin: an die Regeln halten, nicht nachlassen mit den Hygiene- und Kontakt-Maßnahmen. Impfen lassen, wo immer es geht.“ Nur so sei das Virus, meistens die britische Variante, nur so sei Covid 19 im Zaum zu halten. Und selbst wenn alle Vorgaben erfüllt würden, ein schnelles Ende der Bundes-Notbremse im Landkreis Verden mit Inzidenzwerten unter 100, sie sei nicht in Sicht. „Niedersachsen weist einen Sieben-Tage-Wert von 110 aus, Bremen noch deutlich höher. Das sind erstmal die Fakten“, so Dreyer, „wir leben ja nicht auf einer Insel der Glückseligen.“

Betroffen seien im Kreis Verden weiterhin vor allem Menschen, die im Arbeitsleben stehen, und die nicht aufs Homeoffice setzen können. Handwerker zum Beispiel, Mitarbeiter in Fertigungsbetrieben. „Die Hygiene-Vorkehrungen in den Betrieben sind zwar gut, die Abstände werden eingehalten, es sind Plexiglas-Wände aufgestellt, aber dennoch kann es eben passieren, kann es zur Infektion kommen.“ Und schon wandere das Virus in die nächste Familie, meist in junge Familien, und die Kinder müssten dann hierhin oder dorthin gefahren werden, und im Auto fahre das Virus mit. „Wer privat und beruflich viel unterwegs sein muss, der ist besonders gefährdet. Das belegt die Infektionslage deutlich.

Skurrile Verkettungen von Zufällen sorgen für nächste Unruhe. Kürzlich erst wieder. Eine junge Frau, sie hatte aus betrieblichen Gründen eine Reise zu unternehmen und brauchte dafür einen PCR-Test. Der Hausarzt nahm die Prozedur vor, vermochte aber nicht sicherzustellen, dass das Dokument innerhalb von zwei Tagen schon vorliege. Also einen Kollegen gebeten, ebenfalls einen PCR-Test für die junge Frau vorzunehmen. Das Ergebnis: Beide Testresultate lagen vor, allerdings das eine mit positivem, das andere mit negativem Vorzeichen. Im Gesundheitsamt wurde die junge Frau als Neuinfektion geführt. Inzwischen fand ein dritter PCR-Test statt, wie die anderen auch vom Arbeitgeber bezahlt. Sollte er negativ ausfallen, dürfe sie reisen, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Sofern sie den Flieger noch erreicht.

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