Debatte um Innenstadt-Förderungen

Verden: Erste Kritik am kostenlosen Parken

Parkautomat
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Die Groschengräber leer, die Abstellplätze voll: An der ersten bemerkenswerten Innenstadt-Förderung, dem kostenlosen Parken, wird Kritik laut.

Verden – Morgens viertel vor neun in Verden. Die Geschäfte noch geschlossen. Eigentlich paradiesische Zustände für Autofahrer. Freie Parkplätze ohne Ende? „Davon kann keine Rede sein“, sagt einer, der es wissen muss. Klaus Krempel führt eine Goldschmiede im südlichen Teil der Fußgängerzone. Und dort genau drumherum liegt das Problem, wie er beim Online-Dialog zur Innenstadt am Montagabend zu Protokoll gibt.

„Die Parkplätze sind voll.“ Ob nun Wohnungsmieter der Innenstadt, ob Beschäftigte bei Dienstleistern oder in Behörden, vielen von ihnen pflegen ihre Karossen nah am Arbeitsplatz abzustellen. „Vor allem für die Süderstadt sehr schlecht.“

Und schon war sie da, die erste verhaltene Kritik an den Maßnahmen zur Innenstadt 3.0, die in Verden mit Ratsbeschlüssen im auslaufenden Winter Fahrt aufgenommen haben. Plötzlich die Debatte über Sinn und Unsinn von Förderprogrammen, plötzlich darüber hinaus der Hinweis auf Aktionen, die vielleicht noch im näheren Umkreis wahrgenommen würden, in der weiteren Umgebung aber völlig unbekannt geblieben seien. „Es fehlt die großräumige werbemäßige Unterstützung.“

Bürgermeister Lutz Brockmann räumt auf Nachfrage gewisse Holprigkeiten ein. „Wir wollen und werden der Innenstadt jede Unterstützung zukommen lassen. Aber einer solchen Pandemie wie der jetzigen zu begegnen, dafür fehlen die Erfahrungswerte. Wir müssen uns behutsam annähern.“ Das gilt offenbar nicht nur für das kostenlose Parken. Es gilt auch für den Innenstadt-Fonds, der mit Zuschüssen für Ladenmieter und mit Förderungen für Fassaden-Aussehen und Aufmöbeln der Ladeneinrichtung Konturen gewinnt. Die große Frage auch bei diesen Projekten: Werden sie überhaupt angenommen? Und die Befürchtung schon gleich hinterher, so Brockmann: „Druck können wir nicht ausüben. Wir können nur appellieren, nur Mut machen.“

Man setze darauf, die jeweiligen Interessenten würden einen Mehrwert erkennen, den sie sich nicht entgehen lassen. Eine Taktik allerdings, die bei der ersten ungewöhnlichen Maßnahme, dem kostenlosen Parken nur höchstens mittelmäßig aufgegangen ist. Von einem Impuls könne man nicht sprechen, sagen Geschäftsbetreiber und Hauseigentümer der Innenstadt. „Von Kunden haben wir keinerlei Rückmeldung erhalten, weder positiv noch negativ“, gibt Heike Schmidt ihre Beobachtungen weiter. „Auch bei uns keinerlei Rückmeldung. Dass es übermäßig voll ist auf den Parkplätzen kann ich aus eigener Erfahrung aber auch nicht bestätigen“, meint Sylvia Venema. „Die Kunden finden das kostenlose Parken gut, aber sie würden natürlich am liebsten noch näher an unseren Standort heranfahren“, beschreibt Christina Hartmann die Lage.

Bei denen, die die Innenstadt jetzt ohne Parkgebühren ansteuern, hält sich Für und Wider die Waage, wie eine Kurzumfrage gestern Morgen auf dem Norderstädtischen Markt ergab. Er war gerade dem Auto entstiegen, er steuerte ein Schuhgeschäft an. „Ich bin positiv überrascht, dass hier was zur Stärkung der Innenstadt getan wird“, sagt er. Marvin heiße er, aus Dauelsen sei er. Die Befreiung von Parkgebühren betrachte er als vorteilhaft. Im nächsten Fahrzeug die nächste Einschätzung. Sie nutze sonst bei längeren Aufenthalten in der Stadt eher Parkhäuser, die sind kostenfrei, sagt eine Dörverdenerin, und bei Kurz-Besuchen drücke sie die Brötchentaste. „Viel verändert hat sich für mich nicht.“ Im dritten Auto die dritte Meinung. Er halte das kostenlose Parken für wenig sinnvoll, sagt der Verdener. „Es belebt nicht die Innenstadt, die Parkplätze sind voll, vielfach von Dauerparkern belegt, und teuer war das Parken vorher ja auch nicht. Mit 50 Cent für zwei Stunden ist Verden günstig.“

Und nun? Die Parkautomaten lieber heute als morgen wieder in Betrieb nehmen? So weit würde niemand gehen, noch jedenfalls. Klaus Krempel etwa: „Die Aktion läuft bis zum 30. September. Im Moment ist die Innenstadt coronabedingt nicht so voll. Deshalb ist bei den Parkgebühren keine Eile geboten.“

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