Steigende Dunkelziffer

Wo die Corona-Hotspots im Kreis Verden liegen

Säulengrafik mit zwei hohen Bergen jeweils im November
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Die Inzidenzzahlen des Landkreises Verden seit Ausbruch der Pandemie.

Verden/Achim – Die Pandemie hat den Landkreis Verden weiterhin fest im Griff, und das Hauptproblem bleiben jene, die bisher dem Piks nichts abgewinnen konnten. „Drei Viertel aller Neuinfizierten sind Ungeimpfte“, sagt auf Nachfrage Amtsärztin Jutta Dreyer. Ein Ende ist lange noch nicht in Sicht. „Anders als im vergangenen Dezember kommt es nicht zum Lockdown, es kommt weiterhin zu unendlich vielen Kontakten, diese auch noch jahreszeitlich bedingt in Innenräumen“, so die Chefin des Gesundheitsamtes, „es gibt also keine Anzeichen für eine Entspannung.“ Gleichzeitig mehren sich die Hinweise für einen Anstieg der Dunkelziffer.

„Betretenes Schweigen bei den Infizierten“

Gewiss, sagt Dreyer, sie spreche sie an, die Infizierten, am Telefon zumindest. 75 Prozent der als positiv bestätigten Fälle stamme aus dem Bevölkerungsdrittel der bisherigen Impfverweigerer. Junge Männer oft, „ist ja nicht schlimm, eine solche Infektion“, sagen sie, „stehen wir doch locker durch“, heiße es häufig, „wir sind ja jung und gesund“, laute eines der Argumente. Dreyer hält dagegen, sagt sie; „diese Leute denken nur an sich, viele sind sehr egoistisch. Ich nenne sie unsolidarisch, ich frage, was es ihnen bedeute, wären ihre Eltern, ihre Verwandten unter denen, die angesteckt würden.“ Darauf ernte sie, sagt die Amtsärztin, „häufig betretenes Schweigen“.

Familientreffen und Delta-Variante

Unwahrscheinlich sind Infektionswege über mehrere Generationen nicht. Im Gegenteil, es ist die Regel. „Verwandtentreffen mit sechs bis sieben Personen, das reicht für einen nächsten Hotspot.“ Haushalts- und Privat-Kontakte, daraus resultiere die Hauptflut der Infektionen. Zum Beweis kramt Dreyer eines der Nachverfolgungskärtchen hervor. Elf Namen passen auf so ein Kärtchen. Immer häufiger fehlt es dabei an Abwechslung. Nicht selten, dass der Nachname auf der gesamten Karte derselbe ist.

Die Gefahrenherde weisen klare Konturen auf, so Dreyer. Fast zu 100 Prozent die aggressive Delta-Variante, in der deutlich überwiegenden Zahl Familienkontakte, zuweilen auch mal religiöse Treffen mit ihren gesungenen Liedern und den freigesetzten Aerosolen, das seien die Problemecken. Arbeitsplätze und Schulen hingegen spielten eine deutlich untergeordnete Rolle. „Dort sind die Hygiene- und Lüftungskonzepte ausgereift.“ Dass dennoch von den drei Vierteln der ungeimpften Infizierten ein Viertel Kinder unter zwölf Jahren sind, die ja nicht geimpft werden können, führt Dreyer auf zwei Sonderentwicklungen zurück. „Erstens auf die Kindergärten. Dort sind die Kleinen ohne Maske unterwegs. Geht ja auch gar nicht anders. Und zweitens auf die Nachmittage: Noch mal eben spielen gehen, das birgt beträchtliche Gefahren in sich.“ Da sei den Infektionswegen zuweilen Tür und Tor geöffnet.

Unter den Infizierten sehr viel Mittelschicht

Diffus hingegen weiterhin die Infizierten-Herkunft. „Das geht quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Hochqualifizierte Berufe sind darunter, sehr viel Mittelschicht, Leute mit Handwerksberufen.“ Natürlich seien auch Geimpfte unter den Neuinfizierten. „Die Immungeschwächten, die Vorerkrankten, sie sind zu Jahresbeginn geimpft worden. Haben sie bisher keine dritte Impfung erhalten, ist ihr Schutz nicht mehr vollständig vorhanden.“ Wer allerdings innerhalb des guten halben Jahres nach der zweiten Impfung infiziert werde, wer also einen Impfdurchbruch erleide, der komme in der Regel mit leichten Symptomen davon. „Diese Fälle können wir fast vernachlässigen.“

Ungeimpft in Quarantäne

Ein großes Problem bleibe die wachsende Dunkelziffer, und dies bei Quarantänefällen. Wer infiziert ist, muss seine Kontaktpersonen melden. Mit weitreichenden Folgen. Sei die Kontaktperson ungeimpft, und müsse ihr Quarantäne verordnet werden, so habe der Arbeitgeber für die Fehlzeiten keine Lohnfortzahlung zu übernehmen. „Das kann an die Substanz gehen, die Leute rechnen mit jedem Cent“, so Dreyer. Sie beobachte, Neu-Infizierte benennen seltener ungeimpfte Kontaktpersonen. „Die Zahl geht deutlich sichtbar zurück.“ Sie vermute, dieser Bevölkerungskreis werde häufiger bewusst ausgeklammert. „Eine gefährliche Entwicklung.“

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