Hunderte Anrufe pro Tag

Corona-Hotline des Landkreises Verden völlig überlastet

Vorsichtsmaßnahmen an vielen Gebäuden: Das gilt besonders fürs Gesundheitsamt. Foto: kracke
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Vorsichtsmaßnahmen an vielen Gebäuden: Das gilt besonders fürs Gesundheitsamt. 

„Ich habe gesundheitliche Probleme. Ist es da nicht besser, vorsichtshalber einen Corona-Test durchzuführen?“ Es sind Fragen wie diese, die auf der Hotline des Landkreises Verden auflaufen. Und zwar nicht nur einige wenige, sondern hunderte pro Tag. An sechs Telefonen stehen Mitarbeiter nonstop zur Verfügung. Oftmals wissen sie Rat, manchmal müssen sie passen. Und die Arufer brauchen Geduld.

Verden – „Ich bin Therapeut im Kindergarten. Aber der Kindergarten ist geschlossen. Wer kommt jetzt für mein Gehalt auf?“ Schon wieder einer dieser schwierigen Anrufe bei der Hotline des Landkreises, für die guter Rat teuer ist. „Wir spüren hier die Sorgen und Ängste der Menschen, die vielen Facetten dieser Sorgen“, sagt Reiner Heemsoth. Eigentlich verantwortet er die Verwaltung von Gesundheits- und Veterinäramt der Kreisverwaltung. Aber in Zeiten von Corona ist eben alles anders. Heemsoth hat bereits die zentrale Teststelle der Kassenärztlichen Vereinigung auf den Weg gebracht, die Ausstattung mit Mobiliar in dem Container, jetzt organisiert er die Hotline 04231/158778. Und er erlebt erstmal Überraschendes.

„Schon vergangene Woche stand das Telefon nicht still“, sagt er, „aber das ist noch nichts im Vergleich zu den vergangenen Tagen.“ Ein Team von sieben Mitarbeitern stellte er zusammen, impfte sie mit Informationen, und schon schellte es nur noch. Wer die Schicht am Telefon hinter sich hat, braucht erst mal ein Weilchen zur Orientierung. „Ich muss mich jetzt sammeln“, sagt eine Mitarbeiterin auf dem Weg nach Hause.

Wie oft sie Fragen nach dem Procedere der Corona-Tests beantwortet hat? „Immer wieder. Ich kann es allmählich im Schlaf aufsagen.“ Folgende Sätze zum Beispiel: „Nicht einfach zur Probeannahme ins Testzentrum fahren, sondern erst den Hausarzt anrufen und ihm die Symptome schildern und dessen Entscheidung befolgen.“ Liege tatsächlich ein Verdachtsfall vor, stelle der Hausarzt den Kontakt zur Teststelle her und vereinbare einen Termin, aber eben nur der Arzt. Oder in den Abend- und Nachtstunden der Notdienst, der unter der bundesweiten Telefonnummer 116117 zu erreichen ist. „Alles andere ist zwecklos.“

"Nicht eigenmächtig ins Testzentrum fahren"

Und wie ist in Sonderfällen zu verfahren? Ich gehöre zu den Risikogruppen, ich hatte Kontakt zu Urlaubsrückkehrern, habe aber noch keine Symptome, ich will einfach nur auf Nummer sicher gehen. Auch diesen Hinweisen widme man sich. „Wir vermitteln die Anrufer entweder an unser Ärzteteam, das allerdings natürlich ebenfalls überlastet ist“, sagt Reiner Heemsoth, „oder wir verweisen auf den Fach- oder Hausarzt.“ Auch hier gelte: Nicht eigenmächtig ins Testzentrum fahren.

Er könne die Anrufer mit diesem Fragenspektrum sogar altersmäßig einstufen, sagt Heemsoth. „Es sind meist die Älteren, die sich nach den Corona-Tests erkundigen.“ Der überwiegende Teil reagiere einsichtig. „Lediglich einige wenige versuchen sich durchzusetzen. Aber da müssen wir eben klarmachen, dieser Krise kann man nur strukturiert begegnen. Und dazu gehören abgesprochene Abläufe.“

Jüngere Anrufer beschäftigen Verdienstausfälle und Entschädigungen

Die eher jüngere Anruferschar beschäftigt sich mit ganz anderen Themen. „Ich bin Mitarbeiter eines geschlossenen Geschäftes. Wie läuft es mit den Verdienstausfällen, wie mit den Entschädigungen?“ Auch darauf reagieren die Hotline-Mitarbeiter mit weitreichenden Informationen. „Wir verweisen auf den Paragrafen 56 des Infektionsschutzgesetzes. Entschädigt werden Ansteckungsverdächtige, Krankheitsverdächtige oder sonstige Träger von Krankheitserregern.“ Klartext: Wer in Quarantäne geschickt ist, darf auf Zuwendungen hoffen.

Schwieriger wird es, würden Angestellte aufgrund der Schließung von Geschäften oder Dienstleistungsunternehmen nach Hause geschickt. Heemsoth: „Die Bundesregierung will helfen, das ist jetzt mehrfach bekanntgegeben worden. Allerdings müssen zunächst noch die Regelungen erarbeitet werden. Läuft es über die Agentur für Arbeit, läuft es womöglich über Wirtschaftsförderungen – darüber muss noch Klarheit geschaffen werden.“

Lage kann sich jederzeit ändern

Und dann wären da noch die ganz generellen Fragen. „Darf ich überhaupt noch spazieren gehen, darf ich zur Fahrradtour aufbrechen?“ In diesen Fällen reagierten die Hotline-Mitarbeiter auf die aktuelle Nachrichtenlage. „Das ist knifflig“, sagt Heemsoth, „in einigen europäischen Ländern ist es bereits verboten, in Deutschland noch nicht. Aber das kann sich halt jederzeit ändern.“

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