„Die Probleme spitzen sich zu“

Ohnmachtsgefühl und Vereinsamung: Corona geht an Jugend nicht vorbei

Jugendliche können Ohnmachtsgefühle und Ängste entwickeln.  
Foto: Trauerland
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Jugendliche können Ohnmachtsgefühle und Ängste entwickeln.

Landkreis – Die medizinischen Probleme der Corona-Pandemie sind bislang händelbar. Das Schutzmaterial steht mittlerweile in ausreichender Menge zur Verfügung und die Infiziertenzahlen entwickeln sich nicht alarmierend. Unterdessen gibt es immer wieder Hinweise auf psychische Auswirkungen der Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung. In den Familien, auch bei Kindern und Jugendlichen, wird die Belastung zunehmend spürbar. Der sozialpsychiatrische Dienst sei mehr als sonst gefordert, berichtete Amtsärztin Jutta Dreyer, und der Drogen-Konsum nehme zu.

Ein Hilferuf kam gestern vom Trauerland-Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche. Der Bremer Verein ist auch im Landkreis Verden aktiv und bestätigte das Ergebnis einer Hochschulstudie aus Hildesheim und Frankfurt. Jugendliche und junge Erwachsene leiden demnach an Gefühlen von Ohnmacht, Vereinsamung und dem Eindruck, auf die Rolle als Schülerinnen reduziert zu werden. Dieses Ergebnis nach der Befragung von 5 000 Gesprächspartnern zwischen 15 und 30 Jahren decke sich mit dem, was die Trauerland-Mitarbeiterinnen in ihrer praktischen Arbeit erfahren, berichtete Vereinsgründerin Beate Alefeld-Gerges in einer Pressemitteilung.

„In den letzten Monaten hat das Trauerland-Team einen Anstieg von Anrufen verzeichnet, in denen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 20 Jahren anrufen, sich sehr einsam fühlen und niemanden zum Reden haben“, berichtet die Sozialpädagogin. Der Alltag habe sich überall verändert. Auch die allmählichen Lockerungen könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass neben Senioren vor allem junge Menschen beeinträchtigt seien. „Wir haben das Gefühl, dass die Perspektiven von Jugendlichen und jungen Erwachsenen von der Politik zu wenig gesehen werden“, warnt Alefeld-Gerges. Sie fordert mehr Aufmerksamkeit für die Altersgruppe, die ohnehin in einer schwierigen Lebensphase sei.

„Die Auswirkungen der Pandemie zeigen sich in der Arbeit mit den Familien in vielfältiger Form“, stellt auch der Fachdienst Jugend und Familie des Landkreises fest. In einer gerade veröffentlichten Zusammenfassung der Jugendhilfearbeit unter den Auswirkungen der Pandemie nennt die Vorlage für den Jugendhilfeausschuss Verunsicherung und Ängste, Strukturverlust durch den Wegfall von Schule, Kita und familiärer Unterstützungssysteme. Isolation, die Zuspitzung von Problemlagen und der Verlust von Förderung und Bildung kämen hinzu. „Kinder und Jugendliche, die in ihrem häuslichen Umfeld nicht die erforderliche Unterstützung, Förderung und Stärkung erhalten, sind von den Pandemieauswirkungen im besonderen Maße betroffen.“

Mit dem Lockdown Mitte März sei die Kinder- und Jugendhilfe zum Erliegen gekommen, fasst der Fachdienst zusammen. Die vorbeugende Arbeit gemeinsam mit den Partnern, Vereinen und Verbänden in den Sozialräumen kam wegen der Kontaktbeschränkungen und anderen Maßnahmen zum Infektionsschutz komplett zum Stillstand. „Präsenztermine von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe, Hilfekonferenzen, begleitete Umgänge, Schulbegleitungen, Sozialpädagogische Familienhilfe und persönliche Beratungen sind nicht möglich gewesen, und zudem ist das soziale Umfeld für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien wie Schulen, Kindertagesstätten und soziale Gruppenangebote als Unterstützung weggefallen.“

Die ernüchternde Bilanz gilt allerdings nicht für die Akteure in der Gemeinwesenarbeit. Sozialraum-Teams und Lokale Arbeitsgruppen mussten nur erst einmal neue Wege zum Austausch untereinander finden, nachdem die gewohnten Sitzungen nicht mehr möglich waren. Über E-Mail-Kontakte hinaus muss jetzt ein Online-Tool dabei helfen, die nötigen Abstimmungen vornehmen zu können. So sollen online kurzfristig und unkompliziert Angebote und Projekte für die Sommerzeit entstehen und gefördert werden. „Daher sind alle in den lokalen Arbeitsgruppen engagierten Vereine, Verbände und Personen aufgerufen, sich an Ideen und Anregungen zu beteiligen.“

Von Ronald Klee

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