Risiko steigt dramatisch

Corona: Fast nur britische Mutante

Kind mit Buch.
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Immer häufiger sind im Landkreis auch kleinere Kinder betroffen, manchmal als Infizierte, manchmal als Kontaktpersonen.

Im Landkreis Verden steigen die Infektionszahlen kontinuierlich an. Ursache ist die britische Mutation, die immer häufiger auftritt. Das Gesundheitsamt reagiert mit drastischen Maßnahmen.

Verden/Achim – Die Pandemie erreicht im Landkreis Verden eine nächste Dimension. Vor ein paar Wochen war die britische Mutante noch die Ausnahme, jetzt ist sie die Regel. Das bestätigt auf Nachfrage Amtsärztin Jutta Dreyer. „Ungefähr 80 Prozent der Infektionen entfallen auf die B.1.1.7-Mutation.“ Und das sind nicht nur einige wenige. Am Wochenende wurden zwischen Ottersberg und Dörverden 30 Menschen positiv getestet, nach einer Verschnaufpause gestern zeichnet sich für die nächste Veröffentlichung der Fallzahlen am Mittwoch erneut die Zweistelligkeit ab.

„Die Labormeldungen, die am Dienstag einlaufen, lassen einen Trend zu 20 neuen Covid-19-Fällen erwarten“, so die Leiterin des Gesundheitsamtes. Und die nächste Schallmauer ist bereits in Sicht. Nachdem die Region am Wochenende erstmals wie berichtet wieder die Hürde von 50 bei der Inzidenz genommen hatte, steuert sie jetzt auf die 100 zu. Die Gefährdungsampel spränge von Rot auf Dunkelrot.

Längst hat das Gesundheitsamt die Maßnahmen verschärft. Wer vor Eintreffen der britischen Mutante mit einem Infizierten in Kurz-Kontakt geriet, kam meist noch glimpflich davon. Das ist vorbei. „Was früher die Kategorie II war und damit nicht mit Quarantäne belegt wurde, das ist jetzt auf Empfehlung des Robert-Koch-Instituts in die Kategorie I hochgestuft“, so die Amtsärztin. Zehn Minuten Kontakt zu einem Infizierten, das galt vorher noch als unproblematisch, inzwischen ist es fast schon gleichzusetzen mit einer Ansteckung. Kurze Treffen bei der Raucherpause? Im Gemeinschaftsraum mit großem Abstand rasch mal eben ohne Maske das Mittagessen einnehmen? Wenn später aus diesem Kreis eine Covid-19-Erkrankung nachgewiesen wird, wandern alle in die häusliche Isolierung. Und eine schnelle Rückkehr in den Alltag können sich die Kontaktfälle abschminken. „Ohne Test kommt keiner mehr raus.“

Und das aus gutem Grund. Ein älterer Herr, allein lebend in einer Wohnung im Landkreis. Die sozialen Kontakte hatte der Senior auf Null reduziert. Aber er brauchte eben seine Medikamente. Ein ambulanter Pflegedienst brachte sie ihm. Kein langes Pläuschchen, sondern nur ein paar nette Worte an der Tür. Vielleicht zwei Minuten des freundlichen Gegenübers. Und schon war es passiert. Die Pflegedienst-Mitarbeiterin infiziert, der ältere Mann jetzt auch. „Die Ansteckungszeit von einer Viertelstunde, die knapp ein Jahr lang galt, sie ist Schnee von gestern.“

Dabei kommt der Raum Verden/Achim noch glimpflich davon. Noch ist es lediglich die britische Mutante, die in der Region zutage tritt. „Von der südafrikanischen oder brasilianischen Variante sind wir verschont. Bisher jedenfalls“, sagt Dreyer. Aber auch die aktuelle Lage bezeichnet sie als „sehr heikel“.

Gleichzeitig erliegen sowohl Haupt-Altersgruppe als auch Haupt-Ursprungsregion ständigen Verschiebungen. Waren in den vergangenen Monaten oftmals Arbeitsstätten in Bremen Auslöser und ältere Menschen die Leidtragenden, so kommen die Einschläge jetzt immer unvermittelter und treffen vor allem die jüngere Bevölkerung. „Überträger Nummer eins bleiben die Familien. Hinzu gesellen sich Kita und Schule, oftmals auch kleinere und mittlere Betriebe“, sagt Dreyer. Die Altersgruppe der hauptsächlich Betroffenen skizziert sie mit einem bis fünfzig Jahren. Dies allerdings mit tragischen Auswüchsen. Dreyer: „Kürzlich erst wieder. Ein Familienvater hatte sich im Betrieb infiziert, wusste nichts davon, besuchte am Wochenende noch seine Eltern, und am Ende wurden drei Generationen positiv getestet.“

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