Trauergruppenleiterin Renate Steinau über die Folgen der Pandemie bei Verlusten

Corona bringt Einsamkeit in den Tod

Eine ältere Frau sitzt an einem Fenster.
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Seit fast zehn Jahren ist Renate Steinau als Leiterin der Trauergruppe Verden aktiv.
  • Neustart von zwei Trauergruppen in Verden
  • Formen der Trauerbewältigung nur im kleinen Rahmen oder überhaupt nicht
  • Kreislauf aus Einsamkeit und Rückzug durchbrechen

Verden – Was geschieht, wenn Corona auf Trauer trifft? „Dann haben wir eine schlimme Situation, die Trauernde besonders schwer trifft“, antwortet Renate Steinau, langjährige Leiterin von zwei Trauergruppen, deren Mitglieder sich monatlich im Stadtkirchenzentrum Verden treffen. „Unter der Pandemie hat es besonders viel Einsamkeit in Krankheit, Sterben und Tod gegeben“, erzählt die Dörverdenerin, die nach langem Lockdown froh und dankbar ist, dass die Zusammenkünfte der Gruppen um 16 beziehungsweise um 19 Uhr am Donnerstag, 1. Juli, erstmals nach 15-monatiger Zwangspause wieder möglich sind. Wegen der Räumlichkeiten sei für die 16 Uhr-Gruppe eine telefonische Anmeldung unter 04234/2185 oder 0175/5008792 erforderlich.

„Diese Gruppe hat sich vor der Pandemie erst zweimal getroffen. Der Auftakt ist daher ein Neustart und ich kann die Zahl der Teilnehmer, die aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus kommen, nicht kalkulieren.“ Steinau erzählt, dass sie in den zurückliegenden Monaten viele ihr zu Herzen gehende Situationen erlebt habe. „Ich habe etliche Telefonate mit verzweifelten Hinterbliebenen geführt und auch schriftlich Kontakt zu den Menschen gehalten, die aufgrund der geltenden Beschränkungen oft nicht einmal Abschied von Angehörigen nehmen konnten. Erschwerend war außerdem, dass Formen der Trauerbewältigung entweder nur im ganz kleinen Rahmen oder überhaupt nicht stattfinden konnten, was die Verarbeitung derlei traumatischer Erlebnisse und Erfahrungen zusätzlich erschwert hat.“

Gruppenmitglieder leiden unter dem Verlust der traditionellen Formen und Orte der Trauer

Nach Erfahrung von Steinau sind nicht nur Menschen betroffen, die während der Pandemie einen Angehörigen verloren haben, sondern auch Trauernde, bei denen der Verlust bereits mehrere Jahre zurückliegt. „Für alle Trauernden hat die Dauer und das Auftreten immer neuer Beschränkungen erhebliche seelische Einschnitte und große Herausforderungen bedeutet, da wegen der Pandemie etliche Faktoren, die Menschen in der Trauerbewältigung stützen, weggebrochen sind“, sagt Steinau. Etwa der gegenseitige Austausch, kirchliche und traditionelle Rituale, aber auch gemeinsame Gestaltung von Freizeit. Aus den vielen Telefonaten weiß Steinau, dass Gruppenmitglieder besonders unter dem Verlust der traditionellen Formen und Orte der Trauer leiden. Über Monate ging so vieles nicht mehr, was vorher selbstverständlich war.“

Die Trauerbegleiterin sagt: „Für Trauernde ist der Austausch mit ebenfalls von Trauer betroffenen Menschen wichtig. Kontakte aufzunehmen oder zu pflegen, falle vielen Trauernden zwar zunächst schwer, und doch sei es wichtig, im Schmerz nicht zu vereinsamen. „Trauer“, so Steinaus Erfahrung, „muss man zulassen, aber sie fällt leichter, wenn man sie mit Menschen gleichen Schicksals teilt. Man darf nicht allein bleiben mit seinem Schmerz“, so der Rat der Dörverdenerin, die aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig es ist, den Kreislauf aus Einsamkeit und Rückzug zu durchbrechen. „In der Gruppe ist jeder mit seiner individuellen Trauer willkommen“, bekräftigt Steinau. Trauer werde zugelassen, selbst wenn die Spur die Trauernden ins Leben zurückführen solle.  nie

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