Dr. Claudia Janssen referiert im Kreisfrauenrat zum Thema „Gender“

Respekt und Zivilcourage

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Der Vorstand des Kreisfrauenrats mit Gastreferentin (v.l.): Andrea Michallik, Gleichstellungsbeauftragte Christine Borchers, Dr. Claudia Janssen, Kreisfrauenratsvorsitzende Karin Labinsky-Meyer und Elisabeth Speer.

Verden - In Debatten sorgen die Begriffe „Gender“ oder „Gender-Mainstreaming“ immer wieder für Diskussionen. Für die einen ist es ein Reizwort, für die anderen eine überfällige Notwendigkeit der rechtlichen Gleichstellung von Männern und Frauen. Dr. Claudia Janssen, außerplanmäßige Professorin an der Universität Marburg und Leiterin im Studienzentrum der Evangelischen Kirche in Deutschland für Genderfragen, referierte im Kreisfrauenrat zum Thema „Was beunruhigt an der Geschlechterfrage? – Strategien der Ermutigung und Zivilcourage“.

Der englische Ausdruck ‚Gender‘, so Janssen, bezeichne das soziale oder psychologische Geschlecht. Gender sei eine Analysekategorie, die kritisch danach frage, wie Menschen den Begriff Geschlecht denken, was sie unter „männlich“ und „weiblich“ verstünden und welche Geschlechterbilder ihr Handeln bestimmten.

Diese Diskussion jedoch verunsichere zugleich viele Menschen. Diese fühlten sich in ihrer Identität bedroht, wenn Frauen und Männern, hetero- und homosexuellen, trans- und intersexuellen Menschen die gleichen Rechte zugesprochen würden, so Janssen. „Gender“, in fundamentalistischen Kreisen oft als „Genderismus“ oder „Gender-Ideologie“ verunglimpft, diene Kritikern als Sammelbegriff für alles, was mit Geschlechterpolitik, Gleichstellung von Frauen, Feminismus oder Homosexualität zu tun habe.

Genderismus-Kritiker sorgten sich um den Schutz der heterosexuellen Familie und wetterten beispielsweise gegen Bildungspläne an Schulen, die geschlechtliche Vielfalt zum Unterrichtsthema machten. Mit der Ablehnung von „Gender“, so Janssen, verbinde sich eine radikale Ablehnung jeder Form von Gleichstellungspolitik und der grundsätzlichen Thematisierung von Geschlechterfragen. Gerade in rechten Bewegungen würden auffällig oft Frauen diese Themen in der politischen und medialen Öffentlichkeit vertreten.

Doch was ist so beunruhigend an der Geschlechterfrage? „Die Gesellschaft verändert sich und damit auch die Geschlechterbilder“, betont Janssen. Antifeminismus und Anti-Gender-Kampagnen seien eine Reaktion darauf. Aus Angst vor einer modernen pluralistischen Gesellschaft würden sich Gender-Kritiker auf scheinbar religiöse Werte beziehen und die „christliche Familie“ postulieren. Problematisch würde es, wenn sich diese Positionen mit politischem Rechtspopulismus verbinden, warnt Janssen.

„Es geht nicht ohne Aufklärungsarbeit“, ist Janssen überzeugt. Es brauche , den Anti-Gender-Positionen zu widersprechen. „Es ist nicht einfach, neu über Geschlecht nachzudenken und neue Formen des Zusammenlebens einzuüben. Aber es ist unerlässlich, weil es darum geht, Ängste vor der Vielfalt zu nehmen und damit für eine gerechtere Gesellschaft einzustehen“, betont Janssen.

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