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Zweiradmechaniker aus Leidenschaft: Neue Werkstatt in Verden

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Von: Erika Wennhold

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Im Räderwerk von Christian Lange wird ausschließlich repariert.
Im Räderwerk von Christian Lange wird ausschließlich repariert. © Wennhold

Christian Lange hat sich selbstständig gemacht. In der Windmühlenstraße in Verden hat er eine Fahrradwerkstatt eröffnet und widmet sich dort Reparaturen. Denn Nachhaltigkeit ist für ihn Trumpf.

Verden – Es ist ein Wagnis, ziemlich neu gedacht, aber durchaus erfolgversprechend. Christian Lange hat sich selbstständig gemacht. Der Zweiradmechaniker fängt ganz bescheiden an, ein Kellerraum gleich neben seiner Wohnung in der Windmühlenstraße 16 dient als Werkstatt. Noch hat er nicht viel Werbung gemacht, wollte sich erst einmal einrichten und gängige Ersatzteile in seinem „Räderwerk“ vorrätig haben.

Das brauchte seine Zeit. Denn nicht nur Fahrräder sind im Moment schwer zu bekommen, auch die Ersatzteile brauchen manchmal Wochen, bis sie aus den großen Herstellerländern wie China, Taiwan oder auch Malaysia in Deutschland eintreffen. Für Mechaniker Lange aber eine Grundvoraussetzung, um seine Geschäftsidee zu verwirklichen. Er wird zunächst keine Fahrräder verkaufen, sondern nur reparieren.

Das Firmenschild hängt erst seit ein paar Tagen.
Das Firmenschild hängt erst seit ein paar Tagen. © Wennhold, Erika

Eine Leidenschaft, die Lange erst entwickelt hat. Denn nach dem Abitur am Domgymnasium und ein paar Semestern Studium ist ihm aufgegangen, dass er etwas Handfestes machen muss. In die Ausbildung zum Fahrradmechaniker ist er dann mehr oder weniger zufällig hineingestolpert, hat es aber bis heute nicht bereut. „Es gibt Berufe, für die es ein besseres Gehalt gibt, für die man aber gerade im Handwerk ganz schön seine Knochen hinhalten muss.“

Neun Jahre lang, einschließlich der Ausbildungszeit, hat Lange in der Werkstatt der Räderei in Verden gestanden und vieles wieder fahrbar gemacht. In dieser Zeit hat sich bei ihm ein Nachhaltigkeitsgedanke entwickelt, der schließlich auch dazu beigetragen hat, dass er nur reparieren möchte. Da wundert es nicht, dass er in seiner Werkstatt zwei oder drei Fahrräder stehen hat, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, für ihn aber eine Wertigkeit haben. „Die sind etwas Besonderes, ich mache sie auf jeden Fall wieder fertig.“ Beim Blick auf die unkomplizierten Teile scheint das kein Problem zu werden. Anders sieht es bei den modernen Rädern, die oft Pedelecs sind, aus.

Kettenpflege nicht vernachlässigen

„Vieles kann man da nicht mehr selber machen, es sei denn, man hat technisches Verständnis und übt bestimmte Dinge. Zum Beispiel den Wechsel eines kaputten Schlauches.“ Allen Vielfahrern rät der Zweiradexperte, die Kettenpflege nicht zu vernachlässigen. „Wer nicht dauernd in die Werkstatt will, um eine neue Kette zu bekommen, sollte das ernst nehmen und bei täglicher Nutzung ein- bis zweimal die Woche reinigen und ölen.“ Die Pflege sei das Wichtigste neben der alljährlichen Inspektion.

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Einen gewissen Fahrradboom beobachten Lange und seine Kollegen bereits seit einigen Jahren und nicht erst seit der Corona-Pandemie. Das sogenannte Job-Rad oder das Fahrrad-Leasing begünstigten diesen Trend, der auch für eine Verknappung des Angebots gesorgt habe. Teilweise müsse man monatelang auf ein neues Fahrrad warten, bei Ersatzteilen sei es ähnlich.

Wer kann, sollte das Bio-Bike fahren

Dem leidenschaftlichen Fahrradfahrer, „Ich habe aber auch ein Auto“, gefällt es, dass immer mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen. „Fahrradschnellwege oder auch der Brückenschlag begünstigen das natürlich.“ Wem es körperlich noch leicht falle, der sollte ein Bio-Bike fahren. So nennt er das Fahrrad ohne Motorunterstützung. „Das spart Geld und schützt die Umwelt“, vertritt er seine Meinung und ist schnell wieder beim Thema Nachhaltigkeit. Deshalb sollte man sich gut überlegen, ob sich das günstige Angebot vom Discounter auf längere Sicht bezahlt macht. „Die gehen bald kaputt und nicht selten fehlt es am Herstellersupport.“ Das führe leider oft zum Wegwerfen und neu Kaufen, was nicht in seinem Sinne sei.

Wie oft der junge Geschäftsmann demnächst noch zum Selberfahren kommt, wird sich zeigen, doch das Schwärmen dafür ist immer drin. „Man sieht ja viel mehr von der Landschaft, kann Wege nutzen, die für Autos tabu sind, oder ist in der Stadt deutlich schneller als mit dem Auto. Und wenn man die richtige Bekleidung hat, funktioniert das auch außerhalb der Schönwettermonate.“

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