Nachfolgerin Tanja Müller-Gibitz

Christa Reuter geht, Fashion & Shoes bleibt

Zwei Frauen stehen lächelnd in der Tür eines Bekleidungsgeschäftes.
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Christa Reuter (l.) und Tanja Müller-Gibitz.

1993 übernahm Christa Reuter das Jeans-Fachgeschäft in der Großen Straße von Sieglinde Klasen, gestaltete es nach und nach um, bis Reuter Fashion & Shoes daraus wurde. Jetzt hört auch Christa Reuter auf. Das ist die schlechte Nachricht. Doch die erfolgreiche Geschäftsfrau fand eine Nachfolgerin. Tanja Müller-Gibitz übernimmt zum 30. Juni. Und das ist doch nun wirklich eine gute Nachricht.

Verden – Eine Erfolgsgeschichte bekommt eine Fortsetzung. Christa Reuter hört auf, aber Tanja Müller-Gibitz macht weiter. Das Bekleidungsgeschäft Reuter Fashion & Shoes am nördlichen Rand der Fußgängerzone wird von der neuen Inhaberin im Sinne von Christa Reuter weitergeführt. Symbolische Schlüsselübergabe ist am 1. Juli. Dann wird sich die Glastür wie an jedem Wochentag öffnen, begrüßt werden die Kundinnen aber von Tanja Müller-Gibitz, die sich mit der Übernahme des Geschäftes einen Traum erfüllt.

Einen Glücksfall nennt Christa Reuter diese Entwicklung. „Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören. Immerhin haben ich das Rentenalter erreicht.“ Doch dass es so schnell gehen würde, war nicht geplant. Der Kontakt zwischen den beiden Geschäftsfrauen sei durch den gemeinsamen Steuerberater entstanden. „Ich habe sofort gewusst, das passt.“

Bestimmte Label gibt es nur bei Christa Reuter

Reuter ist schon lange in der Branche tätig, ist vielen Verdenern noch aus der Zeit der Jeans-Tenne beziehungsweise Jeans-Klamotte bekannt. Die damals heiß begehrte Wrangler-Jeans gab es nur hier. Einige der Kunden sind ihr treu geblieben, als sie das Geschäft 1993 von Sieglinde Klasen übernommen hatte und peu à peu veränderte. Mit einem glücklichen Händchen, wie sich später herausstellte. Denn: „Der Laden ist mein Ding gewesen, ich habe mein ganzes Herz hineingesteckt.“

Mit der Kollektion, die sie immer schon frühzeitig ordern musste, lag sie meistens richtig. Sie schaute sich auf Messen um, hatte ein Gespür dafür, welches Modelabel generell und speziell bei ihren Kundinnen ankommen würde und achtete dabei immer auf Qualität. Bestimmte Labels gab es nur bei ihr, die hatte sie in Verden exklusiv. Und was sie davon auswählte, war ihr überlassen. „Ich kannte ja meine Kundinnen, wusste, was zu ihnen passte.“ Meist sei es eher die etwas ältere Generation gewesen, die bei ihr hereingeschaut hätte, aber in jüngster Zeit habe sich das geändert. „Auch junge Frauen müssen eben manchmal gut gekleidet sein.“

Zunächst soll alles so bleiben, wie es ist.

Ihr verändertes Angebot – die klassische Jeans wanderte immer weiter in den hinteren Ladenbereich – forderte auch ein neues Outfit für das Geschäft in der Großen Straße 19, dass sie gleich bei der Übernahme in Reuter Fashion & Shoes umbenannt hatte. Im Jahr 2002 wurde umgebaut, der Eingang wurde komplett erneuert, das Rustikale im Innern weitgehend entfernt. „Ein paar alte Balken aus der Jeanszeit sind aber geblieben.“ Man merkt der Geschäftsfrau an, dass sie sehr an dem hängt, was sie über Jahre aufgebaut hat. Um so mehr freut sie, dass Tanja Müller-Gibitz keine größeren Veränderungen plant. Auch der Name wird bleiben. Christa Reuter wünscht sich, dass die Stammkunden der neuen Inhaberin treu bleiben und noch viele neue dazukommen.

Zahl der inhabergeführten Geschäfte schrumpft

Vom Standort her hat es Reuter Fashion & Shoes in der Vergangenheit leichter gehabt, als andere inhabergeführte Geschäfte in der Innenstadt, von denen es immer weniger gibt. Reuter zählt ein paar auf, die sie schmerzlich vermisst, für die es sich wohl aber nicht mehr gelohnt habe.

Die Tür bleibt geöffnet, auch wenn sich die langjährige Geschäftsinhaberin verabschiedet.

„Wir hatten zeitweise viele kleine Läden, ganz besondere Läden, die es anderswo nicht gab.“ Warum die nach und nach mehr oder weniger verschwunden sind, führt sie nicht nur auf den Online-Handel zurück, sondern auch auf die fehlenden Parkmöglichkeiten, seit der Rathausplatz umgebaut worden ist. „Da habe ich mit meinem Standort wirklich Glück gehabt.“ Die Norderstadt profitiere insgesamt davon, dass die Besucher hier parken könnten. Was sie bedauert, ist, dass es so gut wie keine Angebote für junge Leute gibt. Gleichzeitig sei es schwer, die vom Online-Handel zurück in die Innenstädte zum Shoppen zu holen. „Aber ich spüre einen Trend, Kleidung wieder vor dem Kauf anfassen und anprobieren zu wollen.“ Die Beratung sei ja auch nicht zu unterschätzen. „Und, wenn die Atmosphäre stimmt, dann kommen die Kunden gerne wieder.“ Bei ihrer Nachfolgerin hat sie auch in dieser Hinsicht keine Zweifel, dass fortgeführt wird, was bei ihr selbstverständlich war: „Immer freundlich zu den Kundinnen sein und zur Begrüßung ein Lächeln auf den Lippen haben.“

Eine Mitarbeiterin wird Tanja Müller-Gibitz übernehmen und selbst erst einmal so viel Zeit wie möglich im Geschäft verbringen. Vielleicht schaut Christa Reuter hin und wieder vorbei, um sich zu freuen, dass sie nicht „einfach nur Tschüss“ sagen und ihr Geschäft schließen musste, sondern ihr „Lebenswerk“ so viel Anerkennung erfahren hat, dass es weiter bestehen wird.

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